Stigmatisierung und Selbststigmatisierung

Publikationen

Gonschor, J., Eisma, M., Barke, A., Doering, B.K. (2020) Public stigma towards prolonged grief disorder: Does diagnostic labeling matter? PlosOne 15, e0237021. DOI: 10.1371/journal.pone.0237021

Barke, A., Nyarko, S., Klecha, D. (2010). The stigma of mental illness in Southern Ghana: Attitudes of the urban population and patients' views. Social Psychiatry and Psychiatric Epidemiology, 46, 1191-1202. DOI: 10.1007/s00127-010-0290-3

Stigmatisierung psychischer Störungen bezeichnet abwertende Zuschreibungen, Vorurteile und diskriminierende Reaktionen gegenüber Menschen mit psychischen Erkrankungen. Sie zeigt sich zum Beispiel in der Annahme, Betroffene seien „schwach“, „unzuverlässig“ oder grundsätzlich weniger leistungsfähig, und kann sich auf Arbeit, Behandlungssuche, soziale Beziehungen und Teilhabe auswirken. Stigmatisierung ist eine gesellschaftliche Abwertung, die je nach Land und Kontext variieren kann.

Selbststigmatisierung bedeutet, dass Betroffene diese negativen gesellschaftlichen Bilder verinnerlichen und auf sich selbst anwenden. Sie übernehmen dann z.B. abwertende Stereotype („mit mir stimmt etwas grundsätzlich nicht“), was zu Scham, geringem Selbstwert, Rückzug und einer geringeren Bereitschaft führen kann, Hilfe in Anspruch zu nehmen. In unserer Arbeitsgruppe untersuchen wir sowohl äußere Stigmatisierung als auch Selbststigmatisierung, um ihre Folgen besser zu verstehen und Ansatzpunkte für wirksame Interventionen zu entwickeln.

Stigmatisierung und Selbststigmatisierung ist nicht auf psychische Störungen beschränkt, sondern kann ganz sich auf unterschiedliche Personen beziehen, die anhand eines Merkmals zu einer „Gruppe“ zusammengefasst und mit Stereotypen belegt werden. Wir untersuchen die Selbststigmatisierung und seine Folgen für die Betroffenen mit einem von uns entwickelten Instrument über verschiedene (vermeintliche) Gruppen hinweg.