Dr. Lisa Wille - Lehrveranstaltungen

Sommersemester 2026

BA Literaturhistorisches Seminar I:

Do, 14-16h

Geschlecht, Begehren, Macht. Arthur Schnitzlers Literatur der Moderne

Arthur Schnitzler gehört zu den zentralen Autoren der literarischen Moderne um 1900 und gilt als einer der scharfsinnigsten Beobachter der psychischen, sozialen und moralischen Spannungen seiner Zeit. Seine Texte kreisen um die Fragilität bürgerlicher Identität, die Konflikte zwischen individuellem Begehren und gesellschaftlichen Normen sowie die Machtstrukturen, die Geschlechterverhältnisse und soziale Beziehungen prägen. Vor dem Hintergrund der Wiener Moderne und im Kontext der zeitgenössischen Entwicklungen in Psychologie, Medizin und Kultur – insbesondere der Psychoanalyse Sigmund Freuds – entwirft Schnitzler eine Literatur, die innere Zustände, verdrängte Wünsche und subjektive Wahrnehmungen in den Mittelpunkt stellt.

Im Seminar werden zentrale Texte Schnitzlers gelesen, darunter Leutnant Gustl (1900), Reigen (1903), Fräulein Else (1924) und die Traumnovelle (1926). Diese Werke verhandeln auf unterschiedliche Weise die Verflechtung von Geschlecht, Begehren und Macht: Sie zeigen sexuelle Beziehungen als soziale Austauschverhältnisse, machen die Abhängigkeit individueller Freiheit von gesellschaftlichen Konventionen sichtbar und legen die verborgenen Dynamiken von Blick, Kontrolle und Selbstwahrnehmung offen. Dabei stehen sowohl die Darstellung männlicher und weiblicher Subjektivität als auch die literarischen Verfahren im Fokus, mit denen Schnitzler psychische Prozesse und innere Konflikte gestaltet – etwa der innere Monolog, Perspektivführung und die Auflösung stabiler Identität.

Ziel des Seminars ist es, Schnitzlers Texte im Kontext der literarischen Moderne zu analysieren und ihre ästhetischen sowie kulturgeschichtlichen Dimensionen zu erschließen. Neben der inhaltlichen Analyse werden auch formale Aspekte und theoretische Zugänge berücksichtigt, insbesondere im Hinblick auf Geschlechterverhältnisse, Subjektkonstitution und die literarische Darstellung des Unbewussten.

Eine Literaturliste sowie weitere organisatorische Hinweise werden in der ersten Sitzung bekanntgegeben.

 

BA Exemplarische Textanalyse II:

Do, 10-12h

Literatur als soziale Diagnose: Naturalismus und Gesellschaft um 1900

Der Naturalismus (ca. 1880–1900) versteht Literatur als ein Instrument präziser gesellschaftlicher Beobachtung und Analyse. Vor dem Hintergrund tiefgreifender Umbrüche – Industrialisierung, Urbanisierung, sozialer Ungleichheit und politischer Spannungen – zielt die naturalistische Literatur darauf, soziale Wirklichkeit möglichst genau und schonungslos darzustellen. In Anlehnung an naturwissenschaftliche Methoden begreifen naturalistische Autor*innen den literarischen Text als eine Form der ‚sozialen Diagnose‘, die die Bedingungen menschlichen Handelns sichtbar macht. Themen wie soziale Determination, Milieuabhängigkeit, Klassenkonflikte sowie Geschlechterverhältnisse stehen dabei im Zentrum. Gleichzeitig markiert der Naturalismus einen wichtigen Übergang zur literarischen Moderne, indem er traditionelle Darstellungsformen infrage stellt und neue Perspektiven auf Subjektivität und Gesellschaft eröffnet.

Im Seminar werden zentrale Werke des Naturalismus und seines erweiterten Kontexts behandelt. Im Mittelpunkt stehen Texte von Gerhart Hauptmann, darunter Bahnwärter Thiel, Vor Sonnenaufgang und Die Weber, die exemplarisch soziale Konflikte, Milieubedingtheit und kollektive Erfahrungen literarisch gestalten. Mit den Dramen Nora und Ein Volksfeind von Henrik Ibsen wird zudem eine internationale Perspektive einbezogen, die insbesondere Fragen individueller Freiheit, gesellschaftlicher Normen und bürgerlicher Ordnung verhandelt. Ergänzend dazu richtet das Seminar den Blick auf Lou Andreas-Salomés Erzählung Fenitschka, in der Fragen nach weiblicher Subjektivität und gesellschaftlichen Rollen kritisch reflektiert und damit wichtige Problemstellungen der Zeit aus einer gendersensiblen Perspektive beleuchtet werden.

Ziel des Seminars ist es, die Literatur des Naturalismus als eine Form gesellschaftlicher Selbstbeobachtung zu verstehen und ihre ästhetischen Verfahren sowie ihre kulturhistorische Bedeutung zu erarbeiten. Neben der inhaltlichen Analyse werden zentrale Methoden der Erzähltext- und Dramenanalyse vermittelt und eingeübt. Begleitend erfolgt eine Einführung in propädeutische Grundlagen des wissenschaftlichen Arbeitens.

Eine Literaturliste sowie weitere organisatorische Hinweise werden in der ersten Sitzung bekannt gegeben.

Vergangene Lehrveranstaltungen

 

WS 25/26 (Universität Kassel)

  • Hauptseminar Autorinnen des 18. Jahrhunderts
  • Hauptseminar Literaturwissenschaftliche Geschlechterforschung
  • Proseminar Großstadt, Geschlecht, Gesellschaft: Frauenstimmen der Neuen Sachlichkeit
  • Proseminar Sturm und Drang

 

SoSe 2025 (TU Darmstadt)

  • Grundkurs Einführung in die Neuere deutsche Literaturwissenschaft II
  • Hauptseminar Literatur nach 1945

 

WS 24/25 (TU Darmstadt)

  • Grundkurs Einführung in die Neuere deutsche Literaturwissenschaft I
  • Hauptseminar Naturalismus

 

SoSe 2024 (TU Darmstadt)

  • Grundkurs Einführung in die Neuere deutsche Literaturwissenschaft II
  • Hauptseminar Krisendiskurse der Moderne (mit Exkursion)

 

WS 23/24 (TU Darmstadt)

  • Grundkurs Einführung in die Neuere deutsche Literaturwissenschaft I
  • Hauptseminar Expressionismus

 

SoSe 2023 (TU Darmstadt)

  • Grundkurs Einführung in die Neuere deutsche Literaturwissenschaft II
  • Hauptseminar Bürgerlicher Realismus

 

WS 22/23 (TU Darmstadt)

  • Grundkurs Einführung in die Neuere deutsche Literaturwissenschaft I
  • Hauptseminar Die Literatur zwischen 1815 und 1848: Junges Deutschland, Vormärz und Biedermeier

 

SoSe 22 (Georgetown University, Washington, DC)

  • Gastsitzung zum Thema Heinrich Leopold Wagners Drama 'Die Kindermörderin' (1776). Neu gelesen im Kontext des Sturm und Drang im Seminar German Novel in Long 18th Century von Professor Mary Helen Dupree am 28. März 2022 an der Georgetown University, Washington, DC.

 

WS 21/22 (TU Darmstadt)

  • Grundkurs Einführung in die Neuere deutsche Literaturwissenschaft I
  • Hauptseminar Wiener Moderne

 

SoSe 21 (TU Darmstadt)

  • Hauptseminar Literatur und Ökonomie
  • Grundkurs Einführung in die Neuere deutsche Literaturwissenschaft II

 

WS 20/21 (TU Darmstadt)

  • Hauptseminar: Literatur und Kultur der Neuen Sachlichkeit
  • Grundkurs Einführung in die Neuere deutsche Literaturwissenschaft I

 

SoSe 20 (TU Darmstadt)

  • Hauptseminar: Deutschsprachige Nachkriegsliteratur: Die 50er- und 60er-Jahre
  • Grundkurs Einführung in die Neuere deutsche Literaturwissenschaft II

 

WS 19/20 (TU Darmstadt)

  • Hauptseminar zur Ringvorlesung Gender matched Queer
  • Grundkurs Literaturwissenschaft II

 

SoSe 19 (TU Darmstadt)

  • Grundkurs Einführung in die Neuere deutsche Literaturwissenschaft II

 

WS 18/19 (TU Darmstadt)

  • Grundkurs Einführung in die Neuere deutsche Literaturwissenschaft II
  • Proseminar E.T.A. Hoffmann

 

SoSe 18 (TU Darmstadt)

  • Blockseminar: Poiesis – Aisthesis – Katharsis. Goethes Werther als Paradigma einer Kulturgeschichte der Literatur (gemeinsam mit Prof. Dr. Matthias Luserke-Jaqui)

 

WS 17/18 (TU Darmstadt)

  • Grundkurs Einführung in die Neuere deutsche Literaturwissenschaft II

 

SoSe 17 (TU Darmstadt)

  • Grundkurs Einführung in die Neuere deutsche Literaturwissenschaft II
  • Proseminar: Einführung in die Literaturtheorien

 

WS 16/17 (TU Darmstadt)

  • Grundkurs Einführung in die Neuere deutsche Literaturwissenschaft II
  • Proseminar: Einführung in Literatur und Gender

 

SoSe 16 (TU Darmstadt)

  • Grundkurs Einführung in die Neuere deutsche Literaturwissenschaft II
  • Proseminar: Franz Kafka
  • Blockseminar: Wagner und die Aufklärung (gemeinsam mit Prof. Dr. Matthias Luserke-Jaqui)

 

WS 15/16 (TU Darmstadt)

  • Proseminar: Heinrich von Kleist

 

SoSe 15 (TU Darmstadt)

  • Grundkurs Literaturwissenschaft II, Gruppe A
  • Grundkurs Literaturwissenschaft II, Gruppe B

 

WS 14/15 (Kunsthochschule Kassel)

  • Workshop für Rechercheure: Auf den Spuren der Malerinnen – Kassel kennenlernen (gemeinsam mit Prof. Dr. Martina Sitt im Rahmen der Bürgeruniversität Kunstwissenschaft)

 

SoSe 13 (Universität Kassel)

  • Seminar: Drama im Sturm und Drang
  • Seminar: E.T.A. Hoffmann