18. Jahrestagung der GGSG 2026

18. Jahrestagung der Gesellschaft für Germanistische Sprachgeschichte

Die 18. Jahrestagung der Gesellschaft für Germanistische Sprachgeschichte 2026 findet vom 07. bis 09. Oktober 2026 am Campus Essen statt. 

Verfestigungen und Routinen: Muster, Konstruktionen, Gattungen (07.- 09.10.2026) 

Organisationsteam: Melitta Gillmann, Bernhard Schröder, Bernhard Fisseni, Anastasya Oberwies, Liubov Postol

Während Verfestigungen und Routinen zunächst vor allem in der Phraseologieforschung behandelt wurden, besteht heute weitgehend Konsens, dass große Teile sprachlichen Wissens auf unterschiedlichen linguistischen Ebenen – einschließlich der Grammatik – durch Vorgeformtheit und auf abstrakterer Ebene durch Musterhaftigkeit geprägt sind. Verfestigungen, Konstruktionen und Sprachgebrauchsmuster bewegen sich dabei zwischen festen Einheiten und abstrakten Schemata mit variablen Slots und können somit partiell produktiv sein.

Verfestigungen und Routinen sind somit auch für verschiedene Sprachwandelprozess relevant: Im Rahmen von Grammatikalisierungsprozessen schlagen sich Verfestigungen im Abbau von Kompositionalität und Amalgamierung grammatischer Konstruktionen nieder, die mit Desemantisierungen einhergehen. Bei Idiomatisierungen können sich neue Bedeutungen herausbilden. Aus soziolinguistischer Perspektive spiegeln Verfestigungen und verfestigte Muster soziokulturellen Wandel. Auf satzübergreifender Ebene erfüllen Verfestigungen Funktionen, indem sequenziell wiederkehrende Text- und Diskursmuster die Zuordnung zu verschiedenen Textsorten erlaubt, sodass Texte und Diskurse immer in die Tradition vorausgehender Diskurse oder Texte gestellt werden.

Die GGSG-Jahrestagung 2026 möchte sich diesem Rahmenthema in der Sprachgeschichte bzw. Diachronie des Deutschen widmen. Wir laden Vorträge ein, die sich mit Verfestigungen, Routinen, Mustern oder Konstruktionen auf verschiedenen linguistischen Ebenen befassen. Die Vorträge sollen dabei u.a. auf folgende Fragen eingehen, sind aber nicht auf diese beschränkt:

  • Wie bilden sich Verfestigungen diachron heraus und wie verlaufen Verfestigungsprozesse?
  • Was sind Gemeinsamkeiten von Verfestigungen auf unterschiedlichen linguistischen Ebenen bzw. wie unterscheiden sie sich und wie wirken sie zusammen?
  • Welche methodischen Zugriffe und welche statistischen Verfahren bieten sich an, um Verfestigungen und Routinen in der Diachronie zu untersuchen?
  • In welcher Beziehungen stehen Verfestigungen und funktionaler Wandel, Metaphorisierungen und Idiomatisierungen? Wie gewinnen Verfestigungen sozialsymbolischen Wert?
  • In welcher Beziehung stehen Verfestigungen und Regeln im Spannungsfeld von Vorgeformtheit, Musterhaftigkeit und Produktivität? Wie abstrakt können Verfestigungen sein?