A NEW GERMAN-FRENCH RESEARCH PROJECT (2016-2019): (NEW) POLITICAL REPRESENTATIVE CLAIMS: A GLOBAL VIEW (FRANCE, GERMANY, BRAZIL, CHINA, INDIA)

Gegenstand der Forschungstätigkeit sind die chinesische Gegenwartsgesellschaft und ihr politisches System. Schwerpunkte der letzten Jahre sind hierbei: Politischer und sozialer Wandel; local governance; Partizipation; Akteure des Wandels und strategische Gruppen (Unternehmer, Bauern, ethnische Minoritäten etc.); politische Kultur; Nationalitätenpolitik; Soziale Abweichungen und Korruption.

Aktuelle Forschungsprojekte

(New) Political Representative Claims: A Global View – France, Germany, Brazil, China, India (2016-2019)

Ein Deutsch-Französisches Forschungsprojekt gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und der französischen L’Agence Nationale De La Recherche (ANR), 2016-2019. Leitende WissenschaftlerInnen: Prof. Thomas Heberer (Universität Duisburg-Essen), Prof. Brigitte Geissel (Universität Frankfurt) Prof. Yves Sintomer (Centre de Recherches Sociologiques et Politiques de Paris) und Prof. Stéphanie Tawa Lama-Rewal (Centre d’Etudes de l’Inde et de l’Asie du Sud, CNRS-EHESS, Paris).

Etablierte Formen politischer Repräsentation befinden sich derzeit in einer Krise, sichtbar beispielsweise am sinkenden politischen Vertrauen. Weltweit bilden sich gleichzeitig (neue) Ansprüche politischer Repräsentation (representative claims) heraus. Jedoch konzentriert sich die Forschung nach wie vor weitgehend auf Wahlen bzw. Mandate sowie auf einzelne Länder. Umfassende Analysen aus vergleichend-globaler Perspektive zu (neuen) ‚representative claims‘ fehlen weitgehend. Das geplante Forschungsprojekt will einen Beitrag zur Behebung dieser Desiderate leisten. Dabei fokussiert es auf representative claims in Frankreich und Deutschland – zwei führende Demokratien in der Europäischen Union, die derzeit aktiv mit neuen Konzepten von Repräsentation experimentieren – sowie auf drei BRICS-Staaten: Brasilien – die größte Demokratie in Lateinamerika mit innovativen Partizipationsverfahren mit konkurrierenden representative claims –, Indien – die weltweit größte Demokratie und ein Vorreiter im Feld der Quotenregelungen –, sowie China – ein autoritäres Regime mit gleichwohl spezifischen representative claims.

Das Projekt geht davon aus, dass Repräsentation via Wahlen und Mandat zwar zentral ist, aber für das Verständnis aktueller Entwicklungen nicht mehr ausreicht. Eine weitergehende Perspektive ist notwendig. Die entsprechende Prämisse lautet, dass die Entwicklung politischer Repräsentation eng verzahnt ist mit der Zunahme verschiedener representative claims, d.h. mit Sachverhalten, in denen Akteure den Anspruch erheben, im Namen von anderen zu sprechen und zu handeln. Solche representative claims gehen häufig einher mit einer Kritik an fehlender Repräsentation spezifischer Gruppen und der damit verbundenen Forderung, die Repräsentationsdefizite zu beheben. Obwohl representative claims weltweit zunehmen, fehlen bislang ein Analyserahmen und eine Typologie, die ein grundlegenderes Verständnis dieser Prozesse ermöglichen. Das geplante Forschungsprojekt wird diese konzeptuelle Leerstelle füllen.

In den fünf ausgewählten Ländern werden neue Formen politischer Repräsentation aus vergleichend-globaler Perspektive analysiert und typologisiert. Das Duisburger Teilprojekt konzentriert sich auf das Fallbeispiel China und gegenwärtig auf zwei Forschungsfelder: 1. Politische Repräsentation neuer sozialer Gruppen am Beispiel der strategischen Gruppe privater Unternehmer und 2. neue Formen politischer Repräsentation durch digitale Technologien (Internet, Smartphones, Blogging etc.). Die entsprechende Forschung beruht im Wesentlichen auf qualitativen Methoden der Datensammlung (Dokumenten- und Internetrecherche, Interviews mit Akteuren und Experten in China). Ziel des Projektes ist es, eine neue Typologie politischer Repräsentation zu identifizieren und Theorien zur Repräsentation weiterzuentwickeln.

Grundlegende Literatur zu dem Projekt: LINK

Abgeschlossene Forschungsprojekte [seit 2004]

Governance auf der lokalen Ebene: Lokale Kader und Privatunternehmer als „Strategische Gruppen“ und deren Interaktion (2009-2016), gefördert vom BMBF

Dieses Forschungsprojekt war Teil des vom Bundesminiserium für Bildung und Forschung (BMBF) finanzierten “Kompetenznetzwerk ‘Regieren in China’: Voraussetzungen, Problemfelder und Potenziale für politische Adaptation und Innovationskapazität im 21. Jahrhundert”. Das Gesamtprojekt wurde in Zusammenarbeit mit Prof. B. Alpermann (Würzburg), Prof. Dr. S. Heilmann (Trier, nur erste Projektphase), Prof. H. Holbig (Frankfurt und Hamburg) sowie Prof. Dr. G. Schubert (Tübingen) durchgeführt.

Politik und Autonomie im local state - Kreis- und Gemeindekader als strategische Akteure im chinesischen Reformprozess [2009-2014]

Die Frage nach der Staatskapazität in der VR China ist ohne eine genaue Analyse des local state nicht zu beantworten. Kreis- und Gemeindekader spielen dabei eine überragende, aber noch kaum erforschte Rolle. Ziel dieses Forschungsvorhabens ist es, das Verhalten von Kreis- und Gemeindekadern im chinesischen Transformationsprozess zu untersuchen und dabei die dieses Verhalten bestimmenden Faktoren - vor allem strategisches Handeln, Handlungsressourcen, institutionelle Konditionierung - am Beispiel eines konkreten Politikfeldes und konkreter Politikstrategien herauszuarbeiten und systematisch aufeinander zu beziehen.

Verwaltungsreformen in Deutschland und China [3]: Umweltverwaltung im ländlichen Raum – Ein Projekt zur Politikberatung [2008-2012]

Dieses Projekt soll die Probleme der Umweltverwaltung im ländlichen Raum vergleichend untersuchen. Die Umweltproblematik auf dem Lande ist von chinesischen wie auch von ausländischen Wissenschaftlern bislang eher vernachlässigt worden. Noch immer lebt die Mehrheit der chinesischen Bevölkerung auf dem Lande und das Umweltverwaltungssystem bleibt hinter dem städtischen weit zurück.

Verwaltungsreformen in Deutschland und China [2]: Dezentralisierte Politik am Beispiel der Umweltpolitik - Ein Projekt zur Politikberatung [2006-2009]

Das Vorhaben soll am Beispiel eines zentralen und zukunftsorientierten Politikfeldes Verwaltungshandeln (oder Nicht-Handeln) auf lokaler Ebene im Hinblick auf Umweltfragen untersuchen. Ein Vergleich mit Umweltpolitik in Deutschland – als Beispiel sei hier der Agenda21-Prozeß genannt - bietet für China die Möglichkeit, von einem fortgeschrittenen Modellfall und den dahinter stehenden Denk- und Verhaltensstrukturen zu lernen.

Verwaltungsreformen in Deutschland und China [1]: Erneuerung lokaler Verwaltung in der VR China und in Deutschland im Vergleich [2005-2007] und Anschlussvorhaben [2006-2009]

China möchte seine lokalen Verwaltungen reformieren und nimmt sich deutsche Kommunen zum Vorbild. Das ist Anlass für ein Kooperationsprojekt zur bürgernahen Verwaltung zwischen der Uni Duisburg-Essen und dem Chinesischen Zentrum für Politik- und Wirtschaftsvergleich in Peking. Gemeinsam mit Wissenschaftlern aus dem Reich der Mitte und mit Fördermitteln der Haniel-Stiftung erarbeiten der Ostasienwissenschaftler Professor Dr. Thomas Heberer und Verwaltungswissenschaftler Professor Dr. Dieter Grunow bis Ende des Jahres ein Konzeptpapier für die chinesische Regierung.

Wahlen, Partizipation und soziale und politische Stabilität in China [2002-2007]

Ein Forschungsprojekt unter der Leitung von Prof. Dr. Thomas Heberer und Prof. Dr. Gunter Schubert, Christian Göbel, M.A. und Anja Senz, M.A.

Why Ideas Matter. Die Rolle von Ideen und intellektuellen Diskursen in der Politik. China, Japan, Malaysia, Vietnam [2000-2004]

Ausgangspunkt des von Prof. Dr. Thomas Heber und Dr. Claudia Derichs geleiteten Forschungsprojektes war zunächst die Frage nach der politischen Dimension der „Asienkrise“. Die „Asienkrise“ ist mittlerweile weitgehend überstanden. Geblieben ist die Tatsache, dass die Debatten und Diskurse über politische Reform- und Wandlungsprozesse in Ost- und Südostasien im „Westen“ nur marginal wahrgenommen werden. In der Tat sind diese Diskurse wesentlich vielschichtiger und facettenreicher als hierzulande angenommen wird. Ideen spielen in Politikgestaltungsprozessen eine wichtige Rolle. Diese Rolle ist aber, speziell in der Politik und Politikgestaltung, bislang kaum untersucht worden.

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