Bewertungskompetenz im Chemieunterricht

Thema: Entwicklung und Prüfung eines Modells zur Beschreibung der Bewertungskompetenz im Chemieunterricht

Ausgangspunkt des Dissertationsvorhabens waren die durch die Kultusministerkonferenz der Länder  festgesetzten nationalen Bildungsstandards im Fach Chemie für den mittleren Schulabschluss (vgl. KMK, 2005).

Die Überprüfung und Weiterentwicklung der Bildungsstandards erfolgt durch das Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) gemeinsam mit den Naturwissenschaftsdidaktiken. Als Ausschnitt des Gesamtprojekts wurde in diesem Dissertationsprojekt die Bewertungskompetenz untersucht, die neben den Kompetenzbereichen Fachwissen, Erkenntnisgewinnung und Kommunikation ein gleichberechtigter Kompetenzbereich in den Bildungsstandards der naturwissenschaftlichen Fächer ist. Die  Bewertungskompetenz stellt die Fähigkeit dar, „sich in komplexen Problemsituationen begründet und systematisch bei unterschiedlichen Handlungsoptionen zu entscheiden" (Bögeholz, 2007).

Ziel des Dissertationsvorhabens war die Beantwortung der Frage, wie die Bewertungskompetenz der Schülerinnen und Schüler im Fach Chemie von äußeren Einflussfaktoren (z. B. Kenntnis und Anwendung von Fachwissen, kognitive Fähigkeiten, Einschätzung von Datenqualität) beeinflusst wird. Zudem wurde durch den Vergleich zweier naturwissenschaftlicher Fächer (Biologie und Chemie) überprüft, ob sich eine fachspezifische Bewertungskompetenz im Fach Chemie nachweisen und von einer außerfachlichen Anwendung von Bewertungsstrategien abgrenzen lässt.

Dazu wurden sowohl zu den angenommenen Einflussfaktoren auf die Bewertung als auch zu chemischen sowie biologischen Bewertungssituationen Aufgaben entwickelt, die von den Probanden in einem Paper-Pencil-Test bearbeitet wurden. Die Gesamtstichprobe umfasste 780 Schülerinnen und Schüler nordrhein-westfälischer Gymnasien. Bedingt durch den Einsatz von verschiedenen Testheftvarianten wurden ca. 130-150 Antworten pro Item erzielt.

Das Ergebnis eines Modellvergleichs verschiedener Raschmodelle, in dem durch die Vergleichskriterien Deviance, Informationskriterien (AIC, BIC, CAIC), Reliabilität und Varianz untersucht wurde, ob ein eindimensionales Modell die Daten besser abbildet als ein dreidimensionales Modell, zeigt, dass das dreidimensionale Modell mit den Dimensionen Biologie, Chemie und außerfachlich Bewertung besser auf die erhobenen Daten passt. Die Bewertungskompetenz kann demnach als fachspezifisch angesehen werden.

Die Frage, wie die Bewertungskompetenz der Schülerinnen und Schüler von äußeren Einflussfaktoren beeinflusst wird, wurde durch die Berechnung von Korrelationen, Regressionen und Strukturgleichungsmodellen beantwortet. Dabei zeigt sich, dass eine mittlere Korrelation zwischen der Bewertung im Fach Chemie und der außerfachlichen Anwendung von Bewertungsstrategien (r = .294, p ≤ .001), sowie auch zwischen der Bewertung und dem Umgang mit chemischem Fachwissen (r = .298, p ≤ .001) vorliegt. Die Aspekte Umgang mit Fachwissen (ß = .19, p ≤ .001)  und außerfachliche Anwendung von Bewertungsstrategien (ß = .21, p ≤ .001) stellen in der Regressionsanalyse die stärksten Prädiktoren für die Bewertungskompetenz dar. Keinen Einfluss auf die Bewertungskompetenz zeigen die Aspekte soziale Erwünschtheit oder Einstellungen zu Umweltthemen. Insgesamt zeigt der Modell-Fit (R2 = .22) der Regressionsanalyse, dass 22 % der Varianz der Bewertungskompetenz im Fach Chemie anhand der angenommenen Einflussfaktoren aufgeklärt werden können.

Projektlaufzeit

  • 2009-2011

Finanzierung

  • IQB

Betreuer

  • Maik Walpuski & Elke Sumfleth

Dissertation

  • Julia Hostenbach (geb. Göbel)