Berichte aus der Fakultät

Mit Hartmanns „Iwein“ auf ‚Âventiure‘ in Xanten

Da die Exkursionsfahrt nach Xanten im Rahmen des Nibelungenlied-Blockseminars unter der Leitung von Prof. Dr. Martin Schubert im letzten Sommersemester vonseiten aller Beteiligten derart positive Rückmeldungen erhalten hat, gab es auch in diesem Jahr wieder einen Lehrausflug in die Siegfriedstadt am Niederrhein. Doch dieses Mal fand das dreitägige Blockseminar (06.06–08.06.2018) zur Thematik des Artusromans „Iwein“ Hartmanns von Aue statt, zu dem es im Siegfriedmuseum, welches wieder als Tagungsort diente, noch bis zum 16. September die Sonderausstellung „Iwein der Löwenritter – von mittelalterlichen Lebensbildern und Allegorien in der heutigen Malerei“ gibt.
Leider war die Jugendherberge, in der wir beim letzten Mal quartierten, bereits ausgebucht. Doch durch den tatkräftigen Einsatz der Museumsleiterin, Frau Anke Lyttwin, die unserer Seminargruppe Unterkünfte im Pesthäuschen, Mitteltor und Klever Tor organisierte, war nicht nur die Frage unserer Unterbringung geklärt, sondern wir genossen auch noch historisches Wohnambiente, passend zu unserem Seminarthema.
Im Kriemhild-Saal des Museums eröffneten wir unsere wissenschaftliche ‚Tafelrunde‘, umringt von modernen Portraits der „Iwein“-Figuren von der Künstlerin Margareta Detering, zu denen sie durch die Fresken des sogenannten Iwein-Zimmers auf der Burg Rodenegg in Südtirol inspiriert wurde. In den drei Tagen des Seminars wurde fleißig über Hartmanns „Iwein“, den Artusstoff, seine keltischen Ursprünge, die Âventiuren des Ritters im Roman, die Bearbeitung in der Rezeptions- und Kunstgeschichte und vieles mehr referiert und diskutiert, wobei es uns an Speis und Trank nicht mangelte. Die Gastfreundschaft, die uns entgegengebracht wurde, hätte am Artushof nicht besser sein können und sorgte für ein produktives, energievolles Arbeiten bei einer gleichzeitig sehr entspannten und freundlichen Atmosphäre.
Ein Besuch des Stiftsmuseums mit einer Führung durch die Stiftsbibliothek faszinierte alle bibliophilen, Mittelalter-begeisterten und geschichtsinteressierten Teilnehmer unserer ‚Âventiure-Fahrt‘, denn ein Einblick in Originale mittelalterlicher Werke, wie den Sachsenspiegel oder den „Hexenhammer“ (Malleus Maleficarum), ist für ‚Reclam-gewöhnte‘ Studierende etwas ganz Besonderes. Im Lesesaal der Stiftsbibliothek war es uns sogar gestattet, ein paar mittelalterliche Dokumente, Fragmente von Handschriften und Bücher genauer unter die Lupe zu nehmen – vom Einband über rubrizierte Überschriften, Format und kunstvolle Ornamente bis hin zu den Schadensspuren, wie sie beispielsweise durch den Bücherwurm – ob nun Insekt oder Mensch – entstehen.
Eine Besichtigung der Pfarr- und ehemaligen Stiftskirche St. Viktor, des Xantener Doms, stand ebenfalls auf dem Exkursionsplan. Gab es am ersten Tag noch einen gemeinsamen Spieleabend, bei dem im Rahmen des Spiels „Es war einmal…“ selbst Mären erdichtet wurden, so fanden wir uns in den Abendstunden des folgenden Tages als Zuhörer im Kriemhild-Saal ein, denn dort erweckte der ‚fahrende Minnesänger‘ Knud Seckel mit seinem mittelalterlich-musikalischen Auftritt die „Iwein“-Erzählung zu neuem Leben. „Ein bisschen so, wie es auf Schloss Rodenegg gewesen sein muss“, sprach Frau Lyttwin die Eindrücke aller Anwesenden aus, die dem mittelalterlichen Sang und Hartmanns Versen im temporär zum ‚Iwein-Saal‘ umgestalteten Raum des Siegfriedmuseums lauschten.
Abschließend gab uns Frau Lyttwin am letzten Tag unseres Aufenthalts noch eine spannende und informative Führung durch die Sonder- und die Dauerausstellung des Museums, bevor wir die Heimreise antreten mussten. Wie schon im letzten Jahr kam für alle der Tag der Abreise viel zu früh und wir wären gerne noch länger geblieben. Aber vielleicht wird es ja auch im nächsten Sommersemester wieder ein ‚Xanten-Blockseminar‘ geben, auf das man Vorfreude haben könnte …

Besonderer Dank gebührt Frau Lyttwin und dem Siegfried-Museum, Frau Maas und Frau Peters vom Stiftsmuseum und der QVM-Kommission, die diese Fahrt mit QVM-Mitteln ermöglicht hat.

Bericht: Johanna Mett

Fotos:

1) Im „Klever Tor“, einem Bau aus dem 14. Jahrhundert, waren die Studierenden in modernen Ferienwohnungen untergebracht.

2) Das historische „Pesthäuschen“ war zwar nie eine Krankenstation, diente allerdings hervorragend, um den Dozenten der Exkursion in Quarantäne zu nehmen.