Personen im Historischen Institut: Christian Hoffarth


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Forschungsschwerpunkte

Fernreisen und Kulturkontakte
Körpergeschichte
religiöse und politische Ideengeschichte
utopisches Denken in Mittelalter und Neuzeit
Bettelorden
Personengeschichte

Wissenschaftlicher Werdegang

seit 12/2017
Forschungsstipendiat der Fritz Thyssen Stiftung

5–6/2017
Visiting Researcher am Department of History der University of Calgary

1/2016–5/2016
Visiting Scholar am Centre for Research on Religion der McGill University, Montreal, Kanada

1/2016
Promotion im Fach Mittlere und Neuere Geschichte an der Universität Hamburg (Prof. Jürgen Sarnowsky) Titel der Dissertation: »Von der ›vita regularis‹ zur ›tota universitas hominum‹. Studien zur Ideengeschichte der urchristlichen Gütergemeinschaft im späteren Mittelalter«

seit 4/2014
Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für die Geschichte des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit an der Universität Duisburg-Essen                                  

seit 4/2010
Freier wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Personengeschichte, Bensheim

u. a. Redaktion und wissenschaftliches Lektorat der Reihe »Bensheimer Forschungen zur Personengeschichte«, Verlag Vittorio Klostermann, Frankfurt a.M.

10/2012–3/2014
Lehrbeauftragter am Lehrstuhl für Regionalgeschichte mit Schwerpunkt zur Geschichte Schleswig-Holsteins in Mittelalter und Früher Neuzeit an der ChristianAlbrechts-Universität zu Kiel

5/2012–3/2014
Promotionsstipendiat der Gerda Henkel Stiftung, Düsseldorf

5/2011–4/2012
Freiberuflicher Historiker und Lektor u. a. 8/2011–4/2012, Forschungsauftrag der Medizin- und Pharmaziehistorischen Sammlung der CAU Kiel: personengeschichtliche Forschungen in schleswig-holsteinischen und niedersächsischen Staats-, Stadt-, Kirchen- und Klinikarchiven

10/2010
Magister Artium in den Fächern Germanistik und Mittlere und Neuere Geschichte an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg Titel der Magisterarbeit: »›Wandelt forschend in diesem Labyrinth der Wonne‹. Klopstocks frühe Hymnen. Textkritische Darstellung nebst Kommentar«

10/2003–2/2011
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, Studium der Germanistik, Mittleren und Neueren Geschichte und Editionswissenschaften

Forschungsprojekt

„Körper im Kulturkontakt. Bild und Bedeutung des menschlichen Körpers in Begegnungen fremder Kulturen im Spätmittelalter“

Die Begegnungen europäischer und außereuropäischer Kulturen im Spätmittelalter – mit Urs Bitterli als ‚Kulturberührungen‘ ansprechbar – gingen mit neuartigen, unerwarteten und oft extremen Erfahrungen des eigenen wie des fremden Körpers einher. Wie es die Sozialwissenschaften seit einiger Zeit insbesondere mit Blick auf europäische Gegenwartsgesellschaften betonen, so scheint auch in der Vormoderne der Körper von eminenter Bedeutung für Kontakte einander fremder Kulturen gewesen zu sein. Es kann daher kaum verwundern, dass die Beschreibungen der Berührungen mit außereuropäischen Kulturen in europäischen Reisetexten seit der Mitte des 13. Jahrhunderts zu einem Großteil auf Körper und Körperlichkeiten abheben. Erst im 16. Jahrhundert allerdings scheint sich der Körper als primärer Differenzmarker zwischen einem europäischen „Wir“ und einem außereuropäischen „Sie“ etabliert zu haben. Dies schlägt sich etwa in den Illustrationen zu den großen Reisesammlungen der Frühen Neuzeit nieder, die mit Nachdruck eine essentialistische Andersartigkeit des fremden Körpers konstatieren.

Das Projekt geht der Frage nach, welche Rolle dem menschlichen Körper in den spätmittelalterlichen Kulturberührungen zukam und welche Wirkung die in ihnen gewonnenen Körpererfahrungen auf europäische Körperbilder zeitigten. Den Ausgangspunkt bildet die These, dass die Körpererfahrungen spätmittelalterlicher europäischer Fernreisender, verstanden im doppelten Sinne als Erfahrungen des eigenen wie des fremden Körpers, sowie deren Diskursivierung allmählich die Vorstellung einer kollektiven europäischen Körperidentität hervorbrachten, die den Boden bereitete für die kolonialistische Maxime von der Überlegenheit des europäischen über den anderen Körper.

In einem ersten Schritt wird mittels einer gattungsimmanenten Interpretation gesammelter Textstellen aus einem breiten Korpus von Reisetexten zunächst gefragt, welche verschiedenen Funktionen und Bedeutungen Körper und Körperlichkeiten in den Fernreisen und Reisetexten des Spätmittelalters annehmen konnten. Auf Grundlage der so gewonnenen Einsichten wird in einem zweiten Schritt mit Blick auf europäische Wissenskulturen diskursanalytisch untersucht, wie die in den Reisetexten dokumentierten Körpererfahrungen auf europäische Körperbilder einwirkten und wo die Knotenpunkte des Diskurses liegen, der im Spätmittelalter den Körper zum primären Objekt des ‚Othering‘ werden ließ und so die folgenschwere Vorstellung eines ‚europäischen Körpers‘ fundierte.

Publikationen

Monographie

Urkirche als Utopie. Die Idee der Gütergemeinschaft im späteren Mittelalter von Olivi bis Wyclif (= Hamburger Studien zu Gesellschaften und Kulturen der Vormoderne, Bd. 1), Stuttgart: Franz Steiner Verlag 2016 (in Vorbereitung).

Aufsätze und Buchkapitel

Die Reichtümer derer, die die Welt für Bettler hielt. Mendikantische Armut als Disambiguierungsstrategie, in: Christian Hoffarth/Benjamin Scheller (Hrsgg.), Ambiguität und die Ordnungen des Sozialen im Mittelalter (Das Mittelalter. Perspektiven mediävistischer Forschung, Beihefte 4), Berlin 2018 (im Druck).

‘Wunschzeit Jerusalem’: Rethinking the Distinction Between Time and Space in Medieval Utopias, in: Sybille Baumbach/Lena Henningsen/Klaus Oschema (Hrsgg.), The Fascination with Unknown Time, Basingstoke 2017, S. 43–69.

Gütergemeinschaft im Mittelalter und moderne Share Economy. Ein Versuch in parabolischer Ideengeschichte, in: Malte Gruber/Daniel Schläppi (Hrsgg.), Von der Allmende zur Share Economy. Gemeinbesitz und kollektive Ressourcen in historischer und rechtlicher Perspektive (= Frankfurter Beiträge zur Rechts-, Gesellschafts und Kulturkritik, Bd. 15), Berlin 2016 (im Druck).

Rewriting Ecclesia Primitiva. Peter of John Olivi's Image of Early Christianity and the Formation of Dissent in the Western Mediterranean around 1300, in: Dora Ivanisevic/Mihail Mitrea (Hrsgg.), Tradition and Transformation. Dissent and Consent in the Mediterranean, Kiel 2016, S. 183–211.

Ab osse ad os. Die Kieler geburtshilfliche Beckensammlung, Gebäranstalten und die Schicksale schwangerer Frauen im 19. Jahrhundert, in: Archiv für Familiengeschichtsforschung, Jg. 17 (2013), Heft 4, S. 143–152.

III. Neunhofer Dialog. Tagungsdokumentation nebst einer Marginalie zum Zusammenhang von Eschatologie und Individualität, in: Angelika Westermann/ Stefanie von Welser (Hrsgg.), Person und Milieu. Individualbewusstsein? Persönliches Profil und soziales Umfeld (= Neunhofer Dialog, Bd. 3), Husum 2013, S. 9–33.

Kleinere Beiträge

Goldrausch! USA-Auswanderer im 19. Jahrhundert: Datenbanken und Informationsportale, in: Archiv für Familiengeschichtsforschung, Jg. 18 (2014), Heft 3, S. 109–111.

Die Sammlung Prinzhorn. Außergewöhnliche psychobiographische Perspektiven, in: Archiv für Familiengeschichtsforschung, Jg. 15 (2011), Heft 1, S. 25–30.

Archiv und Gelehrtenlexikon der 625 Jahre alten Heidelberger Universität, in: Archiv für Familiengeschichtsforschung, Jg. 14 (2010), Heft 4, S. 143–145.

Rezensionen

Heinrich Meyer zu Ermgassen, Hospital und Bruderschaft. Gästewesen und Armenfürsorge des Zisterzienserklosters Eberbach in Mittelalter und Neuzeit. Mit Edition des Eberbacher Bruderschaftsbuchs von 1403 (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Nassau, Bd. 86), Wiesbaden 2015, Rez. in: Archiv für Familiengeschichtsforschung 2016 (in Vorbereitung).

Harald Schätz, Die Aufnahmeprivilegien für Waldenser und Hugenotten im Herzogtum Württemberg. Eine rechtsgeschichtliche Studie zum deutschen Refuge (= Veröffentlichungen der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg, Reihe B: Forschungen, Bd. 177), Stuttgart 2010, Rez. in: Das Historisch-Politische Buch 4/2012, S. 367f.

Marion Kobelt-Groch/Niekus Moore (Hrsg.), Tod und Jenseits in der Schriftkultur der Frühen Neuzeit, Wiesbaden 2008, Rez. in: Archiv für Familiengeschichtsforschung, Jg. 16 (2012), Heft 1, S. 38.

Harald Neumeyer, Anomalien, Autonomien und das Unbewusste. Selbstmord in Wissenschaft und Literatur von 1700 bis 1800, Göttingen 2009, Rez. in: Das Historisch-Politische Buch 4/2011, S. 347f.

Georg Modestin, Quellen zur Geschichte der Waldenser von Straßburg (1400– 1401) (= MGH QQ zur GG des Mittelalters, Bd. 22), Hannover 2007, Rez. in: Das Historisch-Politische Buch 3/2011, S. 251f.

Gisela Diewald-Kerkmann: Frauen, Terrorismus und Justiz. Prozesse gegen weibliche Mitglieder der RAF und der Bewegung 2. Juni (= Schriften des Bundesarchivs, Bd. 71), Düsseldorf 2009, Rez. in: Das Historisch-Politische Buch 3/2011, S. 329f.

Armin Fuhrer, Wer erschoss Benno Ohnesorg? Der Fall Kurras und die Stasi, Berlin 2009, Rez. in: Das Historisch-Politische Buch 2/2011, S. 126f.

Friedhelm Debus (Hrsg.), Onomastische Studien zu slawischen Flur- und Siedlungs. Ausgewählte Untersuchungen im südlichen Ostseeraum (= Studien zur Siedlungsgeschichte und Archäologie der Ostseegebiete, Bd. 9), Neumünster 2010, Rez. in: Archiv für Familiengeschichtsforschung, Jg. 15 (2011), Heft 2, S. 71f

Tagungsberichte

Kulturen des Risikos im Europa des Mittelalters und der Frühen Neuzeit, 30.3.–1.4.2017, Historisches Kolleg, München, in: H-Soz-Kult, 20.5.2017.

(mit Franziska Klein, Anja Zawadzki) Abschlusstagung des DFG-Netzwerks ›ZeitenWelten. Zur Verschränkung von Weltdeutung und Zeitwahrnehmung im frühen und hohen Mittelalter‹, 16.04.2015–18.04.2015 Essen, in: H-Soz-Kult, 9.6.2015, .

Ambiguität und gesellschaftliche Ordnung im Mittelalter. 21. Tagung des Brackweder Arbeitskreises für Mittelalterforschung, 21.11.2014–22.11.2014 Essen, in: H-Soz-Kult, 14.1.2015, .

(mit Christiane A. Buhl) Die Neuformierung der deutschsprachigen Geschichtswissenschaft nach 1945 (Teil 2) – Vierte ›Bensheimer Gespräche‹, in: Mitteilungen des Instituts für Personengeschichte XVI (2013), Heft 1, S. 5–15 (gekürzt online: http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/tagungsberichte/id=4856).

(mit Christiane A. Buhl) Die Universität Kiel und ihre Professorinnen und Professoren. Oder: Wozu den Kieler Professorenkatalog? Interdisziplinäre Fachtagung – 20./21. April 2012 – Kunsthalle zu Kiel, in: Archiv für Familiengeschichtsforschung, Jg. 16 (2012), Heft 3, S. 105–112.

III. Neunhofer Dialog. Individualbewusstsein? Persönliches Profil und soziales Umfeld. Oberdeutsche im Zeitalter der Welser und Fugger, in: Archiv für Familiengeschichtsforschung, Jg. 15 (2011), Heft 3, S. 105–113.