Personen im Historischen Institut: Patrick Berendonk

GeiWi/Hist., Institut

Anschrift
Universitätsstr 2
45117 Essen
Raum
R12 R05 B16
Sprechzeiten
nach Vereinbarung per Mail

Funktionen

  • Wissenschaftliche/r Mitarbeiter/in, Historisches Institut

Forschungsschwerpunkte

Geschichte der Frühen Neuzeit
Jüdische Geschichte
Rechtsgeschichte
Kriminalitätsgeschichte
Policeyforschung
Sozialgeschichte

Wissenschaftlicher Werdegang

2006 - 2010
Studium der Geschichtswissenschaft und Philosophie an der WWU Münster

2010
Bachelor of Arts
Thema der Abschlussarbeit: Die Entwicklung der Kriegsführung mit Hopliten und die Phalanxformation in der archaischen Epoche der griechischen Geschichte.

2010-2013
Studium der Geschichtswissenschaft an der Universität Duisburg-Essen

2013
Master of Arts

seit 01.10.2014
Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Historischen Institut der Universität Duisburg-Essen, Abteilung Geschichte der Frühen Neuzeit (Prof. Dr. Brakensiek)

Abgeschlossenes Forschungsprojekt

Dr. Patrick Berendonk

Justiz und Vorurteil. Die Angehörigen der jüdischen Minderheit vor landesherrlichen Obergerichten im 18. Jahrhundert

Leiter: Prof. Dr. Stefan Brakensiek
Drittmittelgeber: DFG
Laufzeit: 2014 - 2017 (abgeschlossen)

Im Rahmen des Projekts „Justiz und Vorurteil“ wurde die zivilrechtliche Urteilsfindung dreier landesherrlicher Obergerichte im 18. Jahrhundert in den forschenden Blick genommen, um die Stellung der jüdischen Minderheit vor Gericht offenzulegen.

Die Analyse der Relationen des Jülich-Berger und des Kurkölner Hofrates sowie des Kaiserlichen Landgerichts zum Burgrafentum Nürnberg ergab, dass jüdische Parteien von den landesherrlichen Obergerichten nicht systematisch benachteiligt wurden. Ganz im Gegenteil hatten Richter kaum Möglichkeiten, zeitgenössische antijüdische Wissensbestände in die Urteilsfindung einfließen zulassen. Allein am Kurkölner Hofrat bildete der Umgang mit der Präsumptioneslehre ein Einfallstor für judenfeindliche Stereotype, das aber in allen untersuchten Prozessen letztlich von der jeweiligen fallspezifischen Beweislage verschlossen gehalten wurde. In der Folge nahm antijüdisches Wissen auch am Kurkölner Hofrat kaum Einfluss auf die Urteilsfindung.

Allerdings war es den Richtern an allen drei Gerichten erlaubt auch landesherrliche oder allgemeinrechtliche judenspezifische Normen zur Lösung eines Falles heranzuziehen. Deren Anwendung objektiviert zwar die (rechtliche) Sonderstellung der jüdischen Minderheit, führte jedoch nicht zu einer Schlechterstellung jüdischer Parteien vor Gericht. Generell verließen jüdische Parteien die Verfahren häufig als „Gewinner“ und vertrauten den drei untersuchten Gerichten mithin soweit, dass sie auch innerjüdische Streitigkeiten vor die Oberhöfe brachten, die dann seitens der Gerichte unter Berücksichtigung des mosaischen Rechts entschieden wurden.

Die Entscheidungsfindung war an allen drei Gerichten agonal ausgestattet. Die Richter fanden nicht mit mathematischer Präzision ihr Urteil – wie es noch von Cesare Beccaria postuliert worden war – sondern sie debattierten diskursiven Regeln folgend über die vor das Gericht gebrachten Fälle und gelangten so idealiter letztlich zu einem Urteil. Es waren eben jene die Debatte begrenzenden diskursiven Regeln, die eine Schlechterstellung jüdischer Parteien verhinderten und die an allen drei Gerichten ähnlich ausgestaltet waren.

Es lässt sich abschließend festhalten, dass jüdische Parteien zumindest im Rahmen der Urteilsfindung nicht schlechter gestellt waren als christliche Parteien, dass ferner antijüdisches Wissen kaum Einfluss auf die Urteilsfindung nehmen konnte und jüdische Parteien landesherrlichen Obergerichten soweit vertrauten, dass sie auch innerjüdische Streitigkeiten vor diesen austrugen. Die territoriale Vielfalt des Alten Reiches muss jedoch auch in diesem Kontext bedacht werden: Die landesherrlichen Obergerichte im Alten Reich gelangten eben nicht alle analog zu ihren Urteilen, wie die Urteilsfindung des Kurkölner Hofrates im Vergleich zu der Entscheidungsfindung der anderen untersuchten Gerichte indiziert.

Vorträge, Aktivitäten und Veranstaltungen

Interdisziplinäres Forum »Jüdische Geschichte und Kultur in der Frühen Neuzeit und im Übergang zur Moderne« zum Thema „Juden in der europäischen Wirtschaftsgeschichte II: Von Kaufleuten, Fenstermachern und Viehhändlern“, Tagungszentrum Hohenheim der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart, 6.–8. Februar 2015.

Workshop für Doktorandinnen der Frühen Neuzeit »Herrschaft und Identität«, veranstaltet von Prof. Dr. Claudia Jarzebowski und Prof. Dr. Stefan Brakensiek, Freie Universität Berlin, 5. und 6. November 2015.

Vortrag im Rahmen des Jour fixe des Instituts für Rechts- und Verfassungsgeschichte der Universität Wien unter der Leitung von Herrn Dr. Wendehorst, Universität Wien, 10. Dezember 2015.

Zweites Doktorand_innenforum der GEGJ zur jüdischen Geschichte in der Vormoderne, veranstaltet und begleitet von PD Dr. Andreas Brämer (Hamburg), Dr. Christoph Cluse (Trier), Prof. Dr. Friedrich Battenberg (Darmstadt) und PD Dr. Lucia Raspe (Frankfurt/Berlin), Tagungszentrum der Stadt Worms vom 18. bis 20. Mai 2016.

 

Mitgliedschaften

Gesellschaft zur Erforschung der Geschichte der Juden e.V.