Christopher Friedburg (Assoziiert)

Projektskizze Die Praxis der Geschichtskultur 2.0 – eine Untersuchung der von Nutzern eingebrachten Inhalte und Überzeugungen auf der Videoplattform YouTube.

Die Informationsstrukturen geschichtskulturellen Wissens transformieren sich fortschreitend – weg von analogen Datenspeichern, hin zur digitalen Medientechnik. Die daraus resultierenden Diskussionen in der historischen Fachdidaktik werden beeinflusst von Begriffen und Konzepten der IT-Branche, die eine umfassende, wenn nicht gar revolutionäre Veränderung bestehender Anforderungen an die historischen Bildung implizieren. Sie bedienen Utopien, die sich aus erstrebenswerten Zielen wie einer fortschreitenden Demokratisierung und Diversifikation der Medienlandschaft speisen. Allerdings konnten diese Erwartungen bisher empirisch noch nicht belegt werden.

Eine dieser Annahmen besagt, dass vor allem junge Menschen im 21. Jahrhundert ihre Informationen immer weniger aus traditionellen, etablierten Bildungsinstanzen wie der Schule oder den Museen beziehen, sondern dafür die Kommunikationskanäle der so genannten „Neuen Medien“ nutzen. Vor allem das Videoportal YouTube hat sich in den letzten Jahren zu einem wichtigen Medium einer wachsenden Selbstbildungskultur entwickelt, das den Nutzern nicht nur das unkomplizierte Publizieren und Teilen von Inhalten, sondern auch die Bewertung, Rezeption und Diskussion der Angebote abseits der Aufsicht von Bildungsexperten ermöglicht.

Das Dissertationsprojekt will anhand des Exempels YouTube einen Beitrag zur Erforschung der Frage leisten, wie sich die Auseinandersetzung mit Geschichte und die Vermittlung historischer Inhalte im Zuge des „digitalen Wandels“ verändert. Für die Annäherung an dieses Desiderat orientiert sich das Promotionsprojekt an drei übergeordneten Frage-Komplexen, die es zu beantworten gilt:

  1. Kann die Geschichtsdidaktik das Phänomen YouTube überhaupt mit dem bereits vorhandenen Theoriegebilde adäquat identifizieren, analysieren und einordnen?
  2. Auf welche Geschichts-Produkte können Heranwachsende auf der Plattform YouTube treffen? Wie ist das Angebot strukturiert, wie gehen die Beiträge mit historischen Themen um und wie werden Überzeugungen bedient? Lassen sich bestimmte Strategien identifizieren?
  3. Wie rezipieren User Geschichte auf YouTube? Welche Möglichkeiten zur Partizipation und Kommunikation bietet die Videoplattform, wie werden im dortigen Diskurs Überzeugungen generiert, kommentiert, referiert, verändert? Wie entstehen „geteilte Überzeugungen“?

Das Promotionsprojekt wählt einen möglichst realitätsnahen Ansatz für die Korpus-Erhebung und -Analyse: Die Suche nach dem bewusst verkürzten Schlagwort „Hitler“, referierend auf die historische Person Adolf Hitler, führt auf einfachstem Wege zu Content über einen historischen Gegenstand, der in den Neuen Medien auffallend häufig thematisiert wird. Um theoretischen Vorannahmen durch utopisch aufgeladene Begriffe zu entgehen, blickt das Projekt so auf die geschichtskulturelle Praxis der Online-Plattform und versucht abschließend, die anhand der explorativ-empirischen Studie gewonnenen Ergebnisse an die geschichtsdidaktische Theorie-Diskussion anzuschließen.

Curriculum Vitae Lebenslauf

  • 1996 – 2005 Besuch des Don-Bosco-Gymnasiums in Essen. Abschluss: Abitur.
  • 2006 – 2010 Zwei-Fach-Bachelor-Studiengang Germanistik: Sprache, Literatur, Kultur und Kommunikation / Geschichte. Abschluss: Bachelor of Arts (1,3).
  • Seit 2005 Freier journalistischer Mitarbeiter verschiedener Tages- und Wochenzeitungen sowie Magazine, vor allem der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ), des RuhrWorts (Wochenzeitung im Bistum Essen) und des Verlags Überblick Medien GmbH & Co. KG.
  • 2010 – 2013 Zwei-Fach-Master-Studiengang Geschichte / Literatur und Medienpraxis. Abschluss: Master of Arts (mit Auszeichnung).
  • 2011 Mitarbeiter der „Forma Verlags- und Marketing GmbH“ mit den Schwerpunkten Entwicklung, Produktion und Betreuung von Print-Magazinen und Online-Auftritten sowie Content-Erstellung für digitale und analoge Angebote.
  • 2011 Tutor bei der Exkursion des Lehrstuhls für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft der Universität Duisburg-Essen zum Ingeborg-Bachmann-Preis in Klagenfurt vom 5. bis 10. Juli unter Leitung von Prof. Dr. Ursula Renner-Henke.
  • 2012 – 2013 Studentische Hilfskraft (SHK) am Lehrstuhl für Didaktik der Geschichte an der Universität Duisburg-Essen.
  • 2013 – 2014 Wissenschaftliche Hilfskraft (WHK) am Lehrstuhl für Didaktik der Geschichte an der Universität Duisburg-Essen.
  • Seit 2013 Promovend in der Abteilung für Didaktik der Geschichte am Historischen Institut der Universität Duisburg-Essen.
  • Seit 2014 Wissenschaftliche Hilfskraft (WHK) am DFG-Graduiertenkolleg 1919: „Vorsorge, Voraussicht, Vorhersage: Kontingenzbewältigung durch Zukunftshandeln“ an der Universität Duisburg-Essen.
  • WiSe 2014/15 Dozent an der Universität Witten/Herdecke für die Fakultät für Kulturreflexion – Studium fundamentale. Thema des Seminars: „Geschichte 2.0? – Wie historische Themen in den Social Media vermittelt werden.“
  • Seit 21.09.2015 Redakteur der internationalen und kollaborativen Online-Bibliographie Index Didacticorum. Research Collaborative Bibliography for History Education.
  • Seit 01.10.2015 Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung für Didaktik der Geschichte an der Universität Duisburg-Essen.

Vorträge und Veröffentlichungen

Aufsätze

  • Was heißt hier „Web 2.0“? Überlegungen zu einem Grundbegriff in der geschichtsdidaktischen Diskussion um den „digitalen Wandel“. In: Christoph Pallaske (Hrsg.): Medien machen Geschichte. Neue Anforderungen an den geschichtsdidaktischen Medienbegriff im digitalen Wandel. Berlin 2015 (Geschichtsdidaktische Studien, Bd. 2), S. 85-97. 
  • „Digital“ vs. „Analog“? Eine Kritik an Grundbegriffen in der Diskussion um den „digitalen Wandel“ in der Geschichtsdidaktik und ein Versuch der Synthese von „Altem“ und „Neuem“. In: Zeitschrift für Geschichtsdidaktik 13 (2014), S. 119-136 (unter Mitarbeit von Markus Bernhardt).

    Vorträge

  • Was heißt hier „Web 2.0“? Eine Kritik an Grundbegriffen in der geschichtsdidaktischen Diskussion um den „digitalen Wandel“. Vortrag auf der Tagung: „Geschichtsdidaktische Medienverständnisse. Entwicklungen – Positionen – neue Herausforderungen“ an der Universität zu Köln am 25./26. April 2014.
  • Adolf Hitler und die Partizipation auf YouTube – ein Einblick in die Vielfalt des Contents als Herausforderung für die historisch-politische Bildung. Vortrag auf dem Workshop: „Digital Native (Hi)stories. Neue Herausforderungen audiovisuell-partizipativer Medien für die historische Bildung und Forschung“ an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg am 10. und 11. Juni 2016.

    Rezensionen

  • Webtipps 1917/1918. In: Geschichte lernen 27 (2014), H. 161, S. 62f.
  • Webtipps 1945. In: Geschichte lernen 28 (2015), H. 163, S. 64.
  • Webtipps Industrialisierung. In: Geschichte lernen 28 (2015), H. 166, S. 62.
  • Webtipps Begriffsarbeit im Unterricht. In: Geschichte lernen 28 (2015), H. 168, S. 62.
  • Webtipps Nation und Nationalismus. In: Geschichte lernen 29 (2016), H. 169, S. 62.
  • Webtipps Mittelalter in der Geschichtskultur. In: Geschichte lernen 29 (2016), H. 170, S. 63.
  • Webtipps 1970er-Jahre. In: Geschichte lernen 29 (2016), H. 172, S. 64.

Auszeichnungen

  • 2007

Mitgliedschaften

  • Konferenz für Geschichtsdidaktik.
  • Auswärtiges korrespondierendes Mitglied des Zentrums für Erzählforschung (ZEF) an der Bergischen Universität Wuppertal.
  • Assoziiertes Mitglied des DFG-Graduiertenkollegs 1919: „Vorsorge, Voraussicht, Vorhersage: Kontingenzbewältigung durch Zukunftshandeln“ am Historischen Institut der Universität Duisburg-Essen.