Willkommen bei dem DFG-Netzwerk "Zeitgeschichte der Türkei"

Seit dem 1. März 2020 hat das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Forschungsnetzwerk „Zeitgeschichte der Türkei“ am Historischen Institut der Universität Duisburg-Essen seine Arbeit aufgenommen. Initiiert und geleitet wird das internationale Netzwerk von Jun.-Prof. Dr. Berna Pekesen (Historisches Institut und Institut für Turkistik). Das Netzwerk besteht aus fünfzehn NachwuchswissenschaftlerInnen und Senior-ForscherInnen aus den Geistes- und Sozialwissenschaften aus Deutschland, der Türkei, Österreich, Frankreich, der Schweiz und den Niederlanden.

Die Einrichtung des Netzwerks geschah aus folgenden Gründen:

Erstens: Die Geschichte der Türkei ist in der deutschsprachigen Geschichtswissenschaft trotz mehrerer Millionen MitbürgerInnen mit türkischen Wurzeln kaum präsent. Sie wird zumeist von Wissenschaftler/innen in den Bereichen Turkologie/Türkei-Studien, Politikwissenschaft, Orientalistik und Islamwissenschaft erarbeitet, deren Erkenntnisinteressen und Herangehensweisen zumeist von diesen nicht zuvörderst fachhistorischen, wiewohl sich aber historisch verstehenden Fächern ausgehen. Die in diesen Zusammenhängen entstandenen Studien muss die geschichtswissenschaftliche Forschung aber deshalb nicht in Frage stellen, sondern als wichtige Anknüpfungspunkte für eigene Untersuchungen und als Grundlage für den interdisziplinären Diskurs anerkennen. Deutlich ist aber auch, dass auf diese Weise kaum eine kontinuierliche fachhistorische Forschung entsteht. Diese Umstände führten dazu, dass Themen und Herangehensweisen zu wenig fächerübergreifend zur Debatte stehen und kaum einer kritischen Würdigung aus dem Blickwinkel der Geschichtswissenschaft hinsichtlich Fragestellung, Methodik, theoretischen Orientierungen und Kontextualisierung unterliegen.

Zweitens: Im Bereich der Zeitgeschichtsforschung zur Türkei sind deutlich abgegrenzte thematische und zeitliche Schwerpunktsetzungen zu erkennen. Die eine Forschungsrichtung konzentriert sich auf die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts und endet mit dem Jahr 1950. Der zweite Forschungsstrang widmet sich der jüngsten Vergangenheit mit überdurchschnittlich starkem Interesse für die Periode nach 2002, das heißt, auf die Zeit nach dem Regierungsantritt der AKP. Eine zeitgeschichtliche Forschung zur Periode nach 1950 hat dagegen vergleichsweise wenig historiographische Forschungsanstrengung erfahren und erst in letzter Zeit vermehrt eingesetzt. Letztere blieb auf diese Weise als ein „Zwischenzeitraum“ (1950er bis 2000er Jahre) kaum berücksichtigt.

Drittens: Das DFG-Netzwerk hat daher das Ziel, die bisher schwach ausgebildete Forschung zur Zeitgeschichte der Türkei besonders für den „Zwischenzeitraum“ im deutschsprachigen Raum sowie im näheren Ausland und in der Türkei zu stärken und zu koordinieren, den Diskurs unter den beteiligten Fächern zu verbessern, theoretische und methodische Fragen zu erörtern und das Thema in globale zeitgeschichtliche Entwicklungen einzuordnen.

Das Netzwerk wird drei international besetzte Workshops zur Zeitgeschichte der Türkei veranstalten. Die Ergebnisse sollen in einer dreibändigen Reihe veröffentlicht werden. Der erste Workshop zum Thema „Fixing the State of Art – Multidisciplinary Perspectives on the Contemporary History of Turkey” findet am 19./20. November 2020 an der Universität Duisburg-Essen statt.

Längerfristig ist die Aufrechterhaltung des Netzwerks auch außerhalb des Förderrahmens der DFG angestrebt. Zu diesem Zweck können auch neue Mitglieder zum Netzwerk hinzustoßen.

Kontakt: Jun.-Prof. Dr. Berna Pekesen, Universität Duisburg-Essen, Historisches Institut.

Email: berna.pekesen@uni-due.de