Forschung - Dr. Nantke Pecht

Forschungsschwerpunkte

  • Sprachvariation und Sprachwandel

  • Mehrsprachigkeit und sprachliche Repertoires

  • Sprachkontakt und Dialektkontakt

  • Einstellungsforschung

  • Korpuslinguistik

  • Bergarbeitersprachen

  • Morphosyntax (insbesondere Aspekt und Personalpronomen)

  • Interaktionale Linguistik

Aktuelle Forschungsprojekte

Korpusbasierte Untersuchungen zur Verlaufsform in unterschiedlichen Varietäten der deutschen Gegenwartssprache: Grammatische, soziolinguistische und diskursanalytische Perspektiven 

Während die Verlaufsform mit „am“ lange Zeit als regionale Konstruktion des Ruhrgebiets galt (z.B. „Ich bin am zoomen“), wird sie mittlerweile im gesamten deutschsprachigen Raum verwendet (z.B. Anthonissen et al. 2016; Elspaß & Möller 2004; 2013; Szczepaniak 2011; Krause 2002) und scheint besonders häufig in mehrsprachigen Kontexten aufzutreten (Tomas 2018; Pecht 2021). Die bisherige Forschung zur Verlaufsform im Deutschen hat weitgehend grammatische und regionale Faktoren als Erklärung herangezogen und sich oft auf Daten konzeptioneller Schriftlichkeit berufen. Die tatsächliche Verwendung dieser Konstruktion in informellen Diskurskontexten und von Sprechern diverser sozialer Gruppen entlang der Dialekt-Standard-Achse ist jedoch wenig erforscht. Ziel des Projekts ist die Analyse der Verlaufsform in der informellen Alltagskommunikation aus soziolinguistischer Perspektive. Dabei soll erforscht werden, welche Auswirkungen die Gruppendynamiken auf die Verwendung oder Nicht-Verwendung der Verlaufsform haben und inwieweit diskursbedingte Faktoren solche Unterschiede beeinflussen. Neben der deutschen Umgangssprache und den Dialekten liegt ein weiterer Fokus auf Kontaktvarietäten und dem Sprachgebrauch in Migrationsgemeinschaften. Als Datengrundlage nutzt das Projekt Sprachkorpora der informellen Umgangssprache/Dialekte und Korpora deutscher Kontaktvarietäten.

Dissertation

Meine Dissertation an der Universität Maastricht (betreut von Prof. Leonie Cornips & Prof. Peter Auer) habe ich im August 2020 eingereicht und im Januar 2021 verteidigt (mit Auszeichnung, das niederländische Cum Laude). In Language Contact in a Mining Community: A Study of Variation in Personal Pronouns and Progressive Aspect in Cité Duits lag mein Schwerpunkt auf den sprachlichen und sozialen Praktiken ehemaliger Bergleute in der belgischen Provinz Limburg. Cité Duits (wörtlich „Bergarbeiterdeutsch“) entstand in den 1930er Jahren als niederländisch-maasländisch-deutsche Kontaktvarietät unter den Söhnen eingewanderter Bergleute im Kohlerevier Eisden. Heutzutage ist diese Varietät mit weniger als ein Dutzend Sprechern moribund. Ausgehend von einem soziolinguistischen und grammatischen Ansatz habe ich den sprachlichen Charakter von Cité Duits mit Fokus auf Personalpronomen und der Verlaufsform analysiert.