Essener Transgender Lebensqualitäts-Inventar (ETLI)

Essener Transgender Lebensqualitäts-Inventar (ETLI)

Als Transgender werden Menschen bezeichnet,  deren Wahrnehmung der eigenen psychosozialen Geschlechtsidentität nicht mit dem bei der Geburt festgelegten, biologischen Geschlecht übereinstimmt. Bei vielen Transgender Personen besteht eine Geschlechtsdysphorie, das heißt, ein Gefühl des Unbehagens und der Nichtzugehörigkeit zum eigenen anatomischen Geschlecht und damit einhergehend, häufig der Wunsch, als Angehöriger des anderen Geschlechts zu leben und anerkannt zu werden. Transgender Personen stoßen in ihrer transidenten Entwicklung häufig auf Unverständnis und Ablehnung oder werden Opfer von Ausgrenzung und Diskriminierung. Der Wechsel in eine neue Identität und Geschlechtsrolle geschieht in einem langen Prozess, der häufig durch immense innerpsychische, interpersonelle und psychosoziale Spannungen begleitet wird, was zu einer deutlichen Einschränkung der Lebensqualität der Betroffenen führen kann. Gleichzeitig können vorhandene Ressourcen, wie eine gute soziale Unterstützung oder schützende Persönlichkeitseigenschaften, die Lebensqualität von Transgender Personen positiv beeinflussen.

Eine systematische und detaillierte Erfassung verschiedener Facetten der Lebensqualität von Transgender Personen dient der Einschätzung des Bedarfs an psychotherapeutischer Begleitung während einer transidenten Entwicklung. Zudem stellt die Verbesserung der Lebensqualität ein zentrales Element und wichtiges Ziel einer erfolgreichen psychotherapeutischen Behandlung dar. Aus diesem Grund ist die systematische und detaillierte Erfassung der Lebensqualität bei Transgender Personen ein wichtiger diagnostischer Schritt, der unter anderem zu Beginn einer psychotherapeutischen Behandlung, sowie zur Verlaufskontrolle bei laufender Behandlung zum Einsatz kommen sollte.
   
Das Essener Transgender Lebensqualitäts-Inventar (ETLI) ist ein Selbstbeurteilungsfragebogen, welcher entwickelt wurde zur Erfassung der spezifischen Lebensqualität von Transgender Personen. Das ETLI bietet neben Verfahren zur Messung der generischen gesundheitsbezogenen Lebensqualität (z.B. SF-36 oder NHP), die Möglichkeit zur Erfassung der spezifischen psychosozialen und gesundheitsbezogenen Lebensqualität dieser Personengruppe. Spezifische Bedürfnisse, Erwartungen, Erfahrungen, Schwierigkeiten, aber auch Ressourcen dieser Personengruppe werden im ETLI berücksichtigt.

Das ETLI wurde aufgrund theoretischer Überlegungen zu verschiedenen Komponenten der Transgender-spezifischen Lebensqualität, sowie durch Erkenntnisse aus der klinisch-therapeutischen Tätigkeit mit Transgender Personen als theorieübergreifendes Messinstrument entwickelt. Die Validierung des Instrumentes erfolgte 2016 anhand einer aus 158 Transgender-Personen bestehenden Stichprobe. Das ETLI erfasst mithilfe der 4 Subskalen psychische, körperliche und soziale Lebensqualität sowie Lebensqualität durch Offenheit im Umgang mit der Transidentität verschiedene Bereiche der transgender-spezifischen Lebensqualität. Es wird davon ausgegangen, dass die verschiedenen Bereiche der Lebensqualität miteinander interagieren und sich gegenseitig beeinflussen.

Anwendung des ETLI

Das ETL umfasst 30 Aussagen, welche die verschiedenen Dimensionen der Lebensqualität abbilden und in Bezug auf die letzten 4 Wochen bewertet werden können. Zudem besteht die Möglichkeit eine erweiterte Version des ETLI anzuwenden, welche zusätzlich eine retrospektive Einschätzung der Lebensqualität zum Zeitpunkt des Coming-Out als transident ermöglicht. Hierdurch kann eine Evaluation von Veränderungen der Lebensqualität im Transitions- und Therapieprozess erfolgen. Das ETLI eignet sich sowohl für den Bereich Versorgung als auch für die Forschung.

Der Fragebogen ist für Erwachsene ab 18 Jahren geeignet und steht in beiden Versionen auf dieser Homepage kostenlos für Sie zum Download bereit.
 
Fragen:

Bei Fragen zum ETLI (z.B. Itemzuordnung, Auswertung) können Sie sich gerne an Herrn PD Dr. Dipl.-Psych. Sefik Tagay wenden:
Tel.: +49 (0) 201 / 7227-326
sefik.tagay@uni-due.de

Kontakt

PD Dr. Dipl.Psych. S. Tagay 

LVR-Klinikum Essen
Kliniken/Institut der Universität Duisburg-Essen
Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
Virchowstr. 174
45147 Essen

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Fax.: +49 (0) 201 / 7227 - 305
sefik.tagay@uni-due.de