Pressemitteilung der Universität Duisburg-Essen

Zu wenig Betreuung für Altersverwirrte in Pflegeeinrichtungen

Freiwilliges Engagement reicht nicht

[19.10.2006] Am kommenden Montag, 23. Oktober, lädt das Institut für Soziologie der Universität Duisburg-Essen zu einem Workshop an den Duisburger Campus ein, um die Ergebnisse des Forschungsprojekts über „Bürgerschaftliches Engagement und Altersdemenz“ vorzustellen. Interessierte sind herzlich eingeladen, Beginn: 10.30 Uhr, Uni-Bereich Lotharstr. 63, Raum LF 310, Rotunde.

Am kommenden Montag, 23. Oktober, lädt das Institut für Soziologie der Universität Duisburg-Essen zu einem Workshop an den Duisburger Campus ein, um die Ergebnisse des Forschungsprojekts über „Bürgerschaftliches Engagement und Altersdemenz“ vorzustellen. Interessierte sind herzlich eingeladen, Beginn: 10.30 Uhr, Uni-Bereich Lotharstr. 63, Raum LF 310, Rotunde.

Unter der Leitung der Professoren Hermann Strasser und Michael Stricker wurde in sieben Pflegeeinrichtungen qualitativ untersucht, ob sich das abnehmende Pflegepotenzial von Angehörigen Altersverwirrter in Pflegeeinrichtungen durch verstärkten Einsatz von Freiwilligen zumindest teilweise ausgleichen lässt.

Ergebnis: Der Arbeitseinsatz lohnt sich zwar für alle Beteiligten, aber der Betreuungsnotstand wird sich künftig noch verschlimmern, weil sich das Freiwilligen-Potenzial kaum steigern lässt. Es zeigte sich sehr deutlich, so Prof. Strasser, dass das traditionelle Rekrutierungsfeld von Freiwilligen für Betreuungsdienstleistungen ausstirbt. Neue, erwerbstätige Gruppen lassen sich allerdings nur erschließen, wenn die Vereinbarkeit garantiert werden kann. Nötig ist in jedem Fall eine Image- und Rekrutierungsverbesserung für bürgerschaftliches Engagement, empfehlen die Forscher.

In die Untersuchung einbezogen waren vier städtische und drei ländlich gelegene Einrichtungen für Altersdemenzerkrankte in vier verschiedenen Bundesländern. In vier Fällen gab es einen konfessionellen Träger. Interviewt wurden u.a. etwa 50 Freiwillige, die sich um Altersverwirrte in den Pflegeheimen kümmern. Dabei handelt es sich meist um Hausfrauen und Rentnerinnen aus der Mittelschicht, die einen Ersatz für nicht oder nicht mehr ausgeübte Erwerbs- oder Familienarbeit suchen. Das freiwillige Engagement bringt ihnen Anerkennung, soziale Kontakte und einen höheren Status in der Gesellschaft.

Das Motiv christlicher Nächstenliebe oder humanistisch geprägter Hilfeleistung spielte bei den Befragten keine besondere Rolle. Sind allerdings dörfliche Strukturen und ein kirchlich geprägtes Milieu vorhanden, steigert dies die Anzahl und Motivation von rekrutierbaren Freiwilligen, hochqualifizierte Betreuung zu erbringen. Das bürgerschaftliche Engagement versetzt die Einrichtungen erst in die Lage, Leistungen anzubieten, die die Lebensqualität der Betroffenen entscheidend steigern helfen und ohne sie gar nicht angeboten werden könnten.

Redaktion: Beate H. Kostka, Tel 0203/379-2430

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