Wenn Frauen und Männer an die Hochschule kommen, haben sie in der Familie, Schule und in der jeweiligen Peer-Gruppe Werte und Bilder vermittelt bekommen, wie eine Frau bzw. ein Mann zu sein hat. Dies geschieht natürlich nicht nach einem durchgängigen Muster, die Lebenslagen sind bekanntermaßen vielfältig - je nach sozioökonomischen Hintergrund, Wohnort usw. Wie zum Teil rigide bestimmte Normen sind, bekommen Jungen und Mädchen, Frauen und Männer zu spüren, wenn sie einem Weiblichkeits- oder Männlichkeitsbild nicht entsprechen. Je jünger sie sind, desto strenger sind bei Normabweichungen die Sanktionen. Dies trifft insbesondere für Jungen zu - wenn diese beispielsweise Tränen vergießen, körperlichen Auseinandersetzungen aus dem Weg gehen usw. Eine ‚klassische‘ Erwartung an Mädchen und Frauen ist es, dass sie ‚später mal‘ Kinder bekommen, dass sie empathischer und ausgleichender im Umgang mit anderen sind usw. Bestimmte Stereotype führen dazu, dass nach wie vor Chancen ungleich verteilt sind - bei Frauen sind das z. B. Erschwernisse im Berufsleben ‚voranzukommen‘, bei Männern in Bezug auf den Anspruch Kindererziehung und Karriere zu vereinbaren.
In der Hochschule haben Lehrende die Möglichkeit diese Normvorstellungen ein Stückweit aufzuweichen, sei es explizit durch die Stoffauswahl oder implizit. Implizit kann dies beispielsweise dadurch geschehen, dass in Anschauungsbeispielen bewusst die weibliche bzw. männliche Form gewählt wird, z. B. „eine Politikerin", „ein Personaler" usw. und das Lehrmaterialien und Folien entsprechend gestaltet werden. Es geht dabei nicht um die Umkehrung von Stereotypen, sondern um das Aufzeigen von Vielfalt. Frauen und Männer als ‚Gruppen‘ sind sehr heterogen - z. B. durch unterschiedliche Muttersprachen, Bildungshintergründe, Lebenspläne usw. Die Unterschiede innerhalb einer Gruppe sind meist größer sein, als zwischen zwei Gruppen.
