Erfolgreiche Karieren von Frauen in den Ingenieurwissenschaften, dies belegen zahlreiche Studien, korrelieren stark mit den Rahmenbedingungen an den Hochschulen (vgl. Wächter 2007) sowie mit unterschiedlichen Sozialisationsbedingungen (Vgl. Heine 2006). Das internationale Projekt "WomEng - Creating Cultures of Success for Women Engineers" im 5. EU-Rahmenprogramm ist eine der größten ländervergleichenden Studien in diesem Bereich. Sie untersuchte in den Bereichen Hochschule und Unternehmen Einflussfaktoren auf Studien- bzw. Berufsverläufe von Ingenieurinnen. Formale Gleichbehandlung bei ungleichen Ausgangs- und Rahmenbedingungen, so die AutorInnen der Studie, reicht daher nicht aus. Vonnöten sind vielmehr neue Ansätze in der Außenrepräsentation der Universitäten, innovative Konzepte in der Lehre und Forschung u.v.m. Die Ergebnisse der Studie werden im "WomEng Synthesis Report" (pdf, 5 MB) zusammengefasst.
Beispielhaft werden gendersensible Lehrkonzeptionen in den Ingenieurwissenschaften im Folgenden vorgestellt.
Forschungsprojekt und mögliches Themenfeld für Lehrende
Männlichkeitsbilder und Technik
Gender und Ingenieurwissenschaften - wie lässt sich das miteinander verknüpfen? In der Datenbank "Gender in gestufte Studiengänge" wird folgende Empfehlung gegeben:
Die Studierenden sollen in die Lage versetzt werden, zu erkennen, dass Technik nicht wertfrei und geschlechtsneutral ist
sondern dass Fragestellungen, Methoden und Lösungsfindung, aber auch Arbeitsorganisation und Mechanismen der Nachwuchsrekrutierung vom subjektiven Erfahrungshintergrund, den Emotionen und Interessen der Akteur/innen beeinflusst werden
und die Beteiligung von Frauen (aber auch älteren Menschen ,Behinderten, Kindern, Menschen anderer Kulturkreise) ... vor allem eine unabdingbare Voraussetzung für Qualität, Umwelt- und Sozialverträglichkeit von Produkten und Produktionsprozessen sowie für die angestrebte Kundenorientierung ist.
Sind technische Fachinhalte tatsächlich gender-relevant, d.h. wirken sie jeweils anders bei Frauen und Männern?
Tanja Paulitz, wissenschaftliche Assistentin am Institut für Soziologie der Karl-Franzens-Universität Graz, beleuchtete in ihrem Forschungsprojekt "Technisches Konstruieren und Geschlecht in der Informationsgesellschaft" das Verhältnis zwischen männlicher Geschlechtsidentität und Ingenieurwesen. Um zu verstehen, wie die symbolische Ebene im Ingenieurbereich strukturiert ist, müssen die historischen Beziehungen zwischen Männlichkeitsbildern und Technik genauer untersucht werden.
Die Ergebnisse weisen auf kein einheitliches Bild hin: Interessant sei dabei, "dass es insbesondere in der Zeit um 1900 intensive Kontroversen über das “richtige” Verständnis der Ingenieurtätigkeit innerhalb des Maschinenbaus gegeben hat, die historisch eine Genderrelevanz zeigen." Strittig sei insbesondere die Frage gewesen, "ob das Erfinden und Konstruieren von Maschinen eine schwerpunktmäßig auf wissenschaftliche Gesetze und Modelle oder eine auf Erfahrungswissen und konstruktivem Gefühl gestützte Tätigkeit" sei. Beide Ausrichtungen jedoch haben gemeinsam, dass sie Ingenieurtätigkeit, insbesondere der Maschinenbau ausdrücklich als Leistung von Männern verstanden wurde und überwiegend verstanden wird.
Was sich in Bremen für die Informatik bewährt hat - die Informatica feminale erfreut sich seit über zehn Jahren einem großen Zulauf - gibt es jetzt auch in den Fächern Maschinenbau und Elektrotechnik.
Die Hochschule Furtwangen am Campus Schwenningen bietet ab nächstes Jahr Studentinnen dieser Fächer vielfältige Workshops, Seminare, Vorträge zu Fachthemen des Maschinenbaus und der Elektrotechnik und auch zu allgemein interessanten Themen rund ums Studium und den Einstieg ins Berufsleben.
Das Konzept umfasst die folgenden Punkte:
5Tage Lehrveranstaltungen auf hohem wissenschaftlichem Niveau
Erfahrungsaustausch außerhalb der eigenen Hochschule
Plattform für fachlichen und persönlichen Austausch
Kontakte von Studentinnen zu Frauen aus der Industrie und Forschung
Vernetzung der Studentinnen untereinander und zu Frauen mit Berufserfahrung
Das Fachgebiet "Gender Studies in Ingenieurwissenschaften" der TU München mit der bislang bundesweit einzigen ingenieurwissenschaftlichen Professur für Gender Studies (Prof. Dr. Susanne Ihsen) befasst sich unter anderem mit folgenden Themen:
Nachhaltigkeitsforschung in der Steigerung und Stabilisierung von Studentinnenanteilen in Ingenieurwissenschaften
Diversity in der Technikentwicklung oder: Wer forscht wie?
In ihrer Vorlesung "Nichttechnische Anforderungen im Ingenieurberuf" des Wintersemesters 2007/2008 reflektiert Prof. Dr. Susanne Ihsen verschiedene Themenkomplexe zu Gender und Diversity:
Einflüsse auf den Ingenieurberuf und das aktuelle Berufsbild sowie die daraus resultierenden Anforderungen an Ingenieurinnen und Ingenieure
Funktionsweise von Unternehmen, besonders in den Bereichen Unternehmenskommunikation und Organisationsentwicklung
Gender und Diversity in der Technikentwicklung
Bedingungen von Teamwork
Innovationen und Netzwerke
Verantwortung in der Technikgestaltung und Technikbewertung
Institute for Advanced Study (IAS) Das "Institute for Advanced Study" (IAS) ist zentraler Bestandteil des im Rahmen der Exzellenzinitiative erarbeiteten Zukunftskonzeptes der TU München. Ein Forschungsprojekt befasst sich mit dem Thema Gender & Technology.
Anlässlich zur Schaffung dieses Projektes eröffnete das IAS im Jahr 2007 die Liesel Beckmann Symposien-Reihe zu Gender- und Diversity-Themen, benannt nach der gleichnamigen ersten Professorin der TU München. Im jährlichen Rhythmus sollen hier zu thematischen Aspekten, die insbesondere die Belange einer Technischen Universität betreffen, namhafte Referentinnen und Referenten eingeladen werden. Inhalte des Auftaktsymposiums waren:
Gender-Kompetenz als
wichtige Qualifikation für den späteren Arbeitsmarkt für Studierende
essentielles Know-how für Führungskräfte von Universitäten