Sprachbildung und Deutsch als Zweitsprache
Sprachbildung und Deutsch als Zweitsprache
Arbeitsschwerpunkt Basiskompetenzen Sprache
Das Teilprojekt Basiskompetenzen Sprache beschäftigt sich mit der Förderung der prozessbezogenen Kompetenzen im Primar- und frühen Sekundarbereich. Der Arbeitsschwerpunkt des Projekts liegt dabei auf der Entwicklung einer Fortbildung zur Förderung mündlicher Diskurs- und Textverstehensfähigkeiten der Lernenden – eine inhaltliche Schwerpunktsetzung, für die bislang nur wenige Fortbildungsansätze vorliegen. Das Sprechen über gelesene Texte ist ein fester Bestandteil des schulischen Alltags und gehört nicht nur im Deutschunterricht, sondern auch in anderen Fächern zur Unterrichtspraxis. Es eröffnet dabei eine doppelte Lerngelegenheit: Schüler*innen entwickeln einerseits ihre sprachlich-diskursiven Fähigkeiten weiter und vertiefen andererseits ihr Textverstehen durch die gemeinsame Auseinandersetzung mit dem Gelesenen. Um diese alltäglichen Gesprächssituationen gezielt für die Förderung beider Kompetenzbereiche nutzen zu können, benötigen Lehrkräfte entsprechende fachliche und didaktische Kenntnisse sowie konkrete Ansätze für deren Umsetzung im Unterricht.
Die geplante Fortbildung zielt deshalb darauf, Lehrkräfte zu befähigen, Unterrichtsgespräche über Sachtexte systematisch als Lerngelegenheiten für fachliches und sprachliches Lernen zu nutzen. Im Rahmen des Fortbildungsangebots werden praxisnahe professionelle Kompetenzen und Strategien vermittelt, die im Deutschunterricht, aber auch fachübergreifend in der täglichen Unterrichtspraxis einsetzbar sind. Das Fortbildungskonzept setzt aktuelle empirische Befunde zu wirksamen Lehrkräftefortbildungen um, indem es Praxisnähe und Kollaboration stärkt. Ziel ist es, die Fortbildung in staatliche Fortbildungsstrukturen nachhaltig zu verankern. Ergänzend wird ein Forschungsdesign entwickelt, um die Fortbildung empirisch zu evaluieren und Ansatzpunkte für ihre Weiterentwicklung zu gewinnen.
Aktueller Arbeitsstand 2026 und nächste Schritte (Ausblick)
Im Teilprojekt Basiskompetenzen Sprache wurden zunächst bestehende Fortbildungsangebote und -materialien für Lehrkräfte in Nordrhein-Westfalen gesichtet und daraus Fortbildungsbedarfe abgeleitet. Auf dieser Grundlage wurde der Schwerpunkt der geplanten Fortbildung festgelegt – die Verbindung der Förderung mündlicher Diskurs- und Textverstehensfähigkeiten. Beide Fähigkeiten sind nicht nur für schulische Lernprozesse von zentraler Bedeutung, sondern bilden auch eine wichtige Grundlage für die Orientierung in und Teilhabe an einer pluralistischen demokratischen Gesellschaft.
Aktuell steht die Konkretisierung der formalen Rahmenbedingungen, insbesondere des Formats und des zeitlichen Umfangs der Fortbildung, im Fokus. Ein weiterer, damit verbundener Schwerpunkt liegt auf der inhaltlichen Konzeption und der Entwicklung der Fortbildungsmaterialien wie Sachtexten mit passenden Gesprächs- und Scaffoldingstrategien. Parallel wird ein Forschungsdesign für die Evaluation der Fortbildung entwickelt.
Arbeitsschwerpunkt DaZ
Der Arbeitsbereich „DaZ/DaF“ des Verbundprojekts ComeNEDeS_NRW ist am Mercator-Institut für Mehrsprachigkeit und sprachliche Bildung der Universität zu Köln angesiedelt. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie neu zugewanderte Schüler*innen mit geringen Deutschkenntnissen erfolgreich am Regelunterricht teilnehmen können.
Ziel ist die Professionalisierung von Lehrkräften aller Fächer, die neu zugewanderte Schüler*innen im Regelunterricht begleiten – insbesondere in der Sekundarstufe I und an Berufskollegs. Sie sollen darin unterstützt werden, sprachliche Bildung auch ohne spezifische DaZ-Qualifikation gezielt in ihren Fachunterricht zu integrieren.
Behandelt werden insbesondere sprachliche Herausforderungen für neu zugewanderte Lernende im Regelunterricht sowie Möglichkeiten, Lesen und Schreiben im Fachunterricht auch bei niedrigen Deutschkenntnissen (Niveau A1–B1) zu fördern. Weitere Schwerpunkte sind die fachspezifische Leistungsbewertung und die KI-gestützte Entwicklung geeigneter Unterrichtsmaterialien.
Auf Grundlage von Bedarfsanalysen und in enger Zusammenarbeit mit Schulpraxis und Bildungsadministration entstehen fachlich angebundene Fortbildungskonzepte. Diese verbinden wissenschaftliche Erkenntnisse zu Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache mit praxisnahen Materialien, Unterrichtsbeispielen und Reflexionsphasen. So werden Lehrkräfte darin gestärkt, sprachbildenden Fachunterricht wirksam umzusetzen und damit die Teilhabe und Bildungserfolge neu zugewanderter Schüler*innen nachhaltig zu unterstützen.
Aktueller Arbeitsstand 2026 und nächste Schritte (Ausblick)
Bis Herbst 2026 wurden zentrale Grundlagen für die Entwicklung der landesweiten Fortbildungsangebote geschaffen. Dazu zählt die phasenübergreifende Vernetzung mit universitären Aus-, Fort- und Weiterbildungsangeboten im Bereich Deutsch als Zweitsprache (DaZ) für (angehende) Lehrkräfte in NRW. Darüber hinaus erfolgte ein kontinuierlicher Austausch mit relevanten Stakeholdern, darunter dem Ministerium für Schule und Bildung des Landes NRW und der Bezirksregierung Köln.
Zur Ermittlung der Praxisbedarfe wurden u.a. Gespräche mit DaZ-Koordinator*innen und Lehrkräften unterschiedlicher Fächer und Schulformen geführt sowie entsprechende wissenschaftliche Erhebungen ausgewertet. Auf dieser Grundlage wurde eine Modulstruktur für die geplanten Fortbildungen entwickelt. Außerdem wurden Literatur- und Materialrecherchen zu den Kernbereichen der Module durchgeführt.
Als nächste Schritte stehen die Festlegung von Umfang und Format der Fortbildungen sowie die Definition der Lernziele und Kompetenzen an. Darauf aufbauend werden Basis- und fachspezifische Vertiefungsmodule entwickelt.
Arbeitsschwerpunkt Deutsch
Sprachliches Gift. Sprache, Argument, Gewalt und ihre Reflexion
Arbeitsschwerpunkt: Sprachliche Gewalt ist mittlerweile fast allgegenwärtig, doch gibt es kaum (deutsch)didaktische Konzepte zu ihrer Reflexion. Diese sind jedoch innerhalb für Demokratien typischer argumentgetragener Diskussionen grundlegend. Das Projekt entwickelt daher eine Lehrkräftefortbildung für den Deutschunterricht der Sek. I und II zur schüler*innenseitigen Sensibilisierung für den Umgang mit sprachlichem Gift und nutzt hierfür die Unterrichtsmethode der Konstanzer Dilemmadiskussion.
Arbeitsstand: Im Rahmen einer explorativ-qualitativen Studie wurden im Sommer 2026 Perspektiven von zwei Expert*innen sowie Erfahrungen von 32 Schüler*innen untersucht. Die erhobenen Daten bilden die Grundlage für die Entwicklung und Erprobung einer forschungsbasierten Fortbildung (2027/28). Die Forschungsdaten dienen dazu, diese Methode gemeinsam mit Lehrkräften zu analysieren und zu reflektieren sowie kollegialen Austausch zu ermöglichen und hinsichtlich ihrer Potenziale für die Sprachbildung im Deutschunterricht zu diskutieren.
Ziel des forschungsbasierten Fortbildungskonzeptes ist es, Lehrkräfte bei der Förderung schüler*innenseitiger sprachlicher, metasprachlicher und ethischer Reflexionskompetenzen zum Umgang mit sprachlicher Gewalt zu unterstützen. Curricular knüpft die Fortbildung an die Kernlehrpläne NRW z.B. wie folgt an: Inhaltsfelder und Bereiche Kommunikation (z.B. „Kommunikationskonventionen“ in den Klassen 5/6), Sprache (z.B. „gesellschaftliche Bedeutung von Sprache beschreiben“ in den Klassen 7/8) und Reflexion über Sprache (z.B. „unterscheiden und reflektieren bei Sprachhandlungen Inhalts- und Beziehungsebenen“ in den Klassen 9/10).
Leitung
Leitung
Prof. Dr. Vivien Heller
Basiskompetenzen Sprache
Bergische Universität Wuppertal
vheller@uni-wuppertal.de
Leitung
Prof. Dr. Nicole Marx
DaZ/DaF
Universität zu Köln
nmarx4@uni-koeln.de
Leitung
Prof. Dr. Miriam Morek
Basiskompetenzen Sprache
Universität Duisburg-Essen
miriam.morek@uni-due.de
Leitung
Prof. Dr. Björn Rohtstein
Deutsch
Ruhr-Universität Bochum
bjoern.rothstein@ruhr-uni-bochum.de
Mitarbeiterinnen
Mitarbeiterin von Prof. Dr. Nicole Marx
Dr. Sonja Eisenbeiß
DaZ/DaF
Universität zu Köln
sonja.eisenbeiss@mercator.uni-koeln.de
Mitarbeiterin von Prof. Dr. Björn Rothstein
Leonie Funda
Deutsch
Ruhr-Universität Bochum
leonie.funda@rub.de
(Mutterschutz/Elternzeit)
Mitarbeiterin von Prof. Dr. Björn Rohstein
Caroline Fussbach
Deutsch
Ruhr-Universität Bochum
Caroline.Fussbach@ruhr-uni-bochum.de
(Mutterschutz/Elternzeit)
Mitarbeiterin von Prof. Dr. Vivien Heller und Prof. Dr. Miriam Morek
Lisa Plange
Basiskompetenzen Sprache
Bergische Universität Wuppertal & Universität Duisburg Essen
plange@uni-wuppertal.de
Mitarbeiterin von Prof. Dr. Björn Rohstein
Teresa Schirmers
Deutsch
Ruhr-Universität Bochum
Teresa.Schirmers@ruhr-uni-bochum.de
Mitarbeiterin von Prof. Dr. Nicole Marx
Veronika Vössing
DaZ/DaF
Universität zu Köln
veronika.voessing@mercator.uni-koeln.de