Exkursionen im Rahmen mediävistischer Lehrveranstaltungen im WS18/19

Exkursion nach Düsseldorf

Exkursionduessdorf Ws2018-19
Was steht da rechts ganz klein am Innenrand? Na klar: „af sprect“. Foto: ULB Düsseldorf

Am 1. Februar 2019 besuchte das altgermanistische Seminar „Die niederrheinische Exempelsammlung“ die Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf, um die Quelle der Arbeit des ganzen Semesters einzusehen: eine am Niederrhein entstandene theologische Sammelhandschrift aus dem späten 15. Jahrhundert, mit einer Sammlung erbaulicher Kurzgeschichten, in denen Gefahren, Sünden, Verbrechen und die allgegenwärtige Hilfe der Gottesmutter Maria auserzählt werden. Im Seminar war der Text aufgrund von Digitalisaten erst editorisch erarbeitet und dann literaturwissenschaftlich analysiert worden.

Ist es überhaupt nötig, das Original zu behelligen, wenn hochauflösende Fotos von der Bibliothek ins Netz gestellt wurden? Dafür machte der Seminarleiter, Prof. Dr. Martin Schubert, vor Ort vor allem zwei Gründe geltend. Zum einen verspürt man hier die Aura des Historischen: Dies ist ebendas Buch, vor dem ein braver Mönch im Kloster Marienfrede bei Xanten in den 1470er Jahren gesessen hat und das seit über 500 Jahren verwahrt wird, bis wir zu Besuch kommen. Die materiale Gestalt, vom hölzernen Buchdeckel mit Lederbezug über die ledernen Daumenregister bis zum Geruch des Papiers, lässt sich nicht in einer technischen Reproduktion erfassen. Zum anderen wurde der Besuch zur Autopsie genutzt, also zur Überprüfung von Lesarten im Original. An ein paar Stellen musste doch noch einmal in die Handschrift gesehen werden. Was steht eigentlich in Mikroschrift am rechten Rand ergänzt? Mit den korrekten Lesungen versehen, konnten wir zufrieden heimfahren. Besonders hat uns die freundliche Aufnahme durch die Mitarbeiter der ULB und die Leitung des Handschriftenlesesaals beeindruckt, die uns die Gelegenheit gaben, anderthalb Stunden lang intensiv an dem alten Original zu arbeiten.

 

Exkursion nach Paderborn

Gruppipader

Vor dem Dom: Gruppenfoto der Exkursion nach Paderborn am 6.2.19. Foto: privat

Auch die Studierenden des Blockseminars zum sog. Paderborner Epos von PD Dr. Simone Loleit hatten Gelegenheit, die besondere Wirkung des Historischen zu spüren (Foto): Am 6. Februar 2019 fand eine Exkursion nach Paderborn statt. Nach einem kleinen Rundgang durch die historische Altstadt wurden das LWL-Museum Kaiserpfalz und der Paderborner Dom ausführlich erkundet. Beide sind Schauplätze des Epos wie auch des historischen Kriminalromans "Mord im Dom" von Jürgen Kehrer, in dem es um die Aufklärung dreier (fiktiver) Mordfälle im Kontext der Entstehung des Epos und der darin thematisierten geschichtsträchtigen Begegnung zwischen Karl dem Großen und Papst Leo III. geht. Besonderen Eindruck hinterließ der originale Quellkeller des Museums, in dem man sich direkt zur Paderquelle hinabbegeben und die Atmosphäre des Wassers und der alten Gemäuer auf sich wirken lassen kann.

14.02.19/ms; sl

Tagung des DFG-Projektes "Edition der in Regenbogens 'Langem Ton' überlieferten Lieder" 3./4.09.2018

Die Tagung stellte eine der umfangreichsten und bedeutendsten Meisterliedsammlungen des späten Mittelalters in den Mittelpunkt, die mittlerweile als farbiges Volldigitalisat zugängliche Kolmarer Liederhandschrift (München, BSB, Cgm 4997). Die Vorträge  widmeten sich sowohl der Entste­hungs- und Wirkungsgeschichte der Hand­schrift sowie ihrem Sitz im Leben als auch editionswissenschaftlichen, texttypologischen und inhaltlichen Aspekten. Das Poster steht nach wie vor als Download hier zur Verfügung, der Veranstaltungsflyer hier.

Die Tagungsbeiträge werden in einem Sammelband zur 'Kolmarer Liederhandschrift' veröffentlicht.

Exkursionen im Rahmen mediävistischer Lehrveranstaltungen im SS 2018

Exkursion nach Xanten

Vom 6. bis zum 8. Juni 2018 fuhren Studierende der germanistischen Mediävistik auf Exkursion nach Xanten. Schon zum zweiten Mal besuchte die Essener Mediävistik die Siegfriedstadt. Dieses Mal ging es bei dem dreitägigen Blockseminar unter der Leitung von Prof. Dr. Martin Schubert allerdings nicht um die Nibelungen, sondern um Iwein, den Ritter mit dem Löwen. Ihm hat das Siegfriedmuseum seine aktuelle Ausstellung gewidmet. Die Unterkunft in historischem Ambiente, Einblicke in Original-Handschriften und ein Minnesänger ließen das Mittelalter lebendig werden. Den ausführlichen Exkursionsbericht von Teilnehmerin Johanna Mett finden Sie als pdf hier.

Exkursion nach Kassel

Ebenfalls auf literaturgeschichtlichen Spuren wandelten die Teilnehmer des fächervernetzenden Seminars Grimmwelt – Wörter, Märchen und mediale Adaptionen von PD Dr. Simone Loleit und Dr. Liane Schüller. Sie fuhren am 27. Juni 2018 nach Kassel, um die dortige Ausstellung "Grimmwelt" zu besuchen. Hier konnten die Studierenden – teilweise interaktiv – ihre Kenntnisse aus den Seminarsitzungen vertiefen und vieles über das Leben, Schaffen und Wirken der Brüder Grimm erfahren. Die Ausstellung zeigt wertvolle literarische und historische Exponate sowie ein eigens für die Grimmwelt gestaltetes Werk des Künstlers Ai Weiwei. Ein lohnender Besuch, der allen Beteiligten viel Spaß gemacht hat!

Fotos

Xanten2 Ss2018



Xanten1 Ss2018
​​

Grimmwelt2
02.07.18/Fotos: 1. Klever Tor, Xanten; 2. vor dem Hexenhäuschen in der Grimmwelt; 3. die TeilnehmerInnen der Kassel-Exkursion; (c) privat

Exkursionen im Rahmen mediävistischer Lehrveranstaltungen im SS 2017

Collage Xanten

16.08.17/Fotos: Buchseite, (c) SiegfriedMuseum; Xantener Dom und Hundsgugel, (c) privat

Exkursion nach Xanten: In der Heimat des Drachentöters, 28.–30.06.17

In der letzten Woche im Juni brachen wir auf, die Nibelungensage zu ergründen, ihre Wurzeln ebenso wie die Schatten, die sie warf. Unser Exkursionsleiter war Professor Dr. Martin Schubert (Germanistik/Mediävistik), der uns, sieben Studentinnen und einem Studenten des Seminars „Mythos und Mythenbildung“, mit Rat und Tat zur Seite stand. So erkundeten wir nach der Ankunft das beschauliche Städtchen Xanten, das einst Geburtsstätte des edlen Helden Siegfried gewesen sein soll, und erreichten nach kurzer Zeit das SiegfriedMuseum. Anke Lyttwin, die Leiterin des Museums, hatte uns eingeladen, dort im Kriemhildsaal zu tagen. Sie empfing uns mit offenen Armen, führte uns durch ihr Museum und nahm an unseren Sitzungen zur Geschichte und Rezeption des Nibelungenlieds teil. Sie kümmerte sich auch um unsere technischen und organisatorischen Belange und sorgte sogar für den einen oder anderen Snack und Getränke.
Die elf Vorträge der TeilnehmerInnen umfassten die Vorgeschichte des Nibelungenliedes in der nordgermanischen Mythologie, die Entstehungsgeschichte und den Aufbau des Werks sowie die Rezeption der Nibelungensage bis heute. So stellte Gunter Grimm, emeritierter Professor der Uni Duisburg-Essen, Nibelungenmotive in der Bildenden Kunst vor und auch sein Projekt „Nibelungenrezeption“, das weiterhin Mitarbeiter und Interessierte sucht (www.nibelungenrezeption.de).
Wir stellten fest, wie viel aus einem faszinierenden Werk wie diesem herauszulesen ist und sonnten uns in unseren neuen Erkenntnissen. Dementsprechend genossen wir es sehr, als Elisabeth Maas vom Stiftsmuseum Xanten uns einlud, das Museum zu besichtigen, und im Stiftsarchiv sogar in einem gesonderten Raum Zugang zu spätmittelalterlichen Handschriften zu erhalten, an denen wir unsere zuvor erworbenen Analyse-Kenntnisse testen konnten. Da bekam man direkt Lust auf mehr.
Doch Wissen allein macht nicht glücklich, also erkundeten wir die Stadt und nutzten insbesondere die Mittagspausen und Abendstunden, um mehr als nur die literarische Ebene zu sehen. Bei kühlen Getränken und Snacks wurde geplaudert und herumgealbert, wir planten gemeinsame Einkaufsmärsche, lernten einander besser kennen. Wir genossen die lockere Atmosphäre nach getaner Arbeit sehr. Höhepunkte der Exkursion waren da vor allem die beiden Abende in der Jugendherberge. Beim Brettspiel „Spiel des Strebens“ erkundeten wir unseren Weg in die Wissenschaft, bei dem sogar eine alleinerziehende Mutter mit 450-Euro-Job und zwei unbezahlten Lehraufträgen es letztendlich schaffte, die heißersehnte Professur zu ergattern. Wenn das kein Grund zur Hoffnung ist!
Beim Spiel „Werwolf“ hingegen beschäftigten wir uns eher mit non-verbaler und verbaler Kommunikation. Das Motto „Wenn Tote blicken könnten“ war nur eines der merkwürdigen Indizien, dass Bluff, unterschwellige Strategie und Nicht-wirklich-tot-Sein in diesem Spiel gang und gäbe waren. Fragen Sie uns bitte nicht nach dem suizidal verliebten Werwolf oder der lebensgefährdenden Aufgabe des Bürgermeisters …
Das letzte Glanzstück unserer Exkursion bildete schließlich das Konzert von Minnesänger Knud Seckel im Siegfried-Museum, der mit seinem außerordentlichen Talent, das Nibelungenlied, Parzival und andere Werke mit Harfe, Drehleier, Trommel und Gesang zu interpretieren, die gesamte Gruppe verzauberte und zum Mitsingen motivierte. Mit Wehmut fuhren wir anschließend heim, verabschiedeten uns voneinander und einigten uns direkt auf ein Nachtreffen – bis zur nächsten Exkursion …?

Besonderer Dank gebührt Frau Lyttwin und dem SiegfriedMuseum, Frau Maas und den Mitarbeitern des StiftsMuseums, Prof. Dr. Gunter Grimm und der QVM-Kommission, die diese Fahrt mit QVM-Mitteln ermöglicht hat.

Im Auftrag der Gruppe
Isabell Boyer