DFG-Netzwerk "Spätzeit des Meistergesangs. Kontinuität und Wandel einer Gattungstradition unter literatursoziologischer Perspektive" 

Start: Februar 2026

 

Beschreibung des Vorhabens:

Obwohl in den letzten Jahren der Meistergesang vermehrt in den Fokus der Forschung gerückt ist, wurden die vielfältigen formalen und inhaltlichen Umbruchsphänomene der Gattung – zum einen um 1520, zum anderen im Laufe des 17. Jahrhunderts – hinsichtlich ihrer performativen, literatursoziologischen und rezeptionsästhetischen Auswirkungen noch nicht hinreichend systematisch aufgearbeitet. Im Zentrum des interdisziplinären Netzwerks steht ein kulturwissenschaftlicher Ansatz, der die Gattung in die Performanzkultur der spätmittelalterlichen Stadt an der Schwelle zur Neuzeit einordnet: ‚Stadt‘ ist hierbei als ein zentraler literatursoziologischer Mikrokosmos aufzufassen, in dessen Koordinaten Stadtpolitik, Gesellschaftsstruktur und Frömmigkeitstheologie sich der Meistergesang je spezifisch einfügt. Zentrale Aspekte sind hierbei die Literarisierung der Laien aus den unterschiedlichen städtischen Gesellschaftsschichten, die Verortung des Meisterliedes in der städtischen Performanzkultur über die Gattungsgrenzen hinaus sowie die Berührungspunkte und Abgrenzungsmomente von anderen innerhalb der Stadt agierenden und organisierten Sozietäten (z. B. die Rederijkers oder die Puy in Rouen). Die Öffnung der Perspektive auf die Rezeption der Gattung bis zum frühen 19. Jahrhundert, die bislang noch ein Forschungsdesiderat darstellt, rundet das Netzwerk thematisch und chronologisch ab. Die geplante Veröffentlichung der Ergebnisse der Arbeitsgruppe am Ende der Laufzeit soll die bereits vorliegende Grundlagenforschung (vgl. Handbuch Spruchsang/Sangspruch) thematisch ergänzen, sodass der Forschungsöffentlichkeit erstmals ein Überblick über die gesamte Entwicklungslinie vom Spruchsang über das meisterliche Lied hin zum Meisterlied und dessen Rezeption vorliegen würde.

 

Übersicht zu den Arbeitstreffen:

Das 1. Arbeitstreffen fand unter dem Titel "Umbruchsphänomene um 1500 (vor- und nachreformatorischer Meistergesang)" an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg vom 26. bis 28. Februar 2026 statt. Zu Gast war Prof. Dr. Dr. Thomas Marschler, Universität Augsburg, Katholisch-theologische Fakultät, Lehrstuhl für Dogmatik.

 

Verantwortliche:

Antragstellung: Dr. Eva Rothenberger

Mitkoordination: Dr. Judith Lange

Projektbeschreibung der DFG-Seite

 

Mitglieder (alphabetisch):

Prof. Dr. Michael Baldzuhn, Universität Hamburg, Ältere deutsche Sprache und Literatur

Prof. Dr. i.R. Horst Brunner, Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Lehrstuhl für deutsche Philologie, Ältere Abteilung

Prof. Dr. Astrid Dröse, Karlsruher Institut für Technologie, Department für Neuere deutsche Literatur- und Medienwissenschaft

Dr. phil. Sandra Hofert, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Ältere deutsche Literatur

Prof. Dr. Oliver Huck, Universität Hamburg, Historische Musikwissenschaft

M. A. Franziska Lallinger, Friedrich-Schiller-Universität Jena, Germanistische Mediävistik

Dr. phil. Judith Lange, Universität Duisburg-Essen, Mediävistik

Dr. phil. Eva Rothenberger, Universität Duisburg-Essen, Mediävistik

Prof. Dr. Holger Runow, Goethe-Universität Frankfurt am Main, Ältere deutsche Literatur

Prof. Dr. Anselm Schubert, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Lehrstuhl für Kirchengeschichte II (Neuere Kirchengeschichte)

Prof. Dr. Martin Schubert, Universität Duisburg-Essen, Mediävistik

Dr. Alexandra Urban, Ludwig-Maximilians-Universität, Mediävistik

M. A. Philip Wetzler, Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar, Musikwissenschaft

Dr. Anna Wilmore, University of Oxford, Stipendiary Lecturer, Great Britain