Kontakte und Kontraste zwischen Revier und Rivieren

Tagung der Germanistischen Institutspartnerschaft Essen - Windhoek Kontakte und Kontraste zwischen Revier und Rivieren

Am 01.07.2019 findet im Rahmen der Germanistischen Institutspartnerschaft zwischen der Universität Duisburg-Essen und der Universität von Namibia die gemeinsame Abschlusstagung "Kontakte und Kontraste zwischen Revier und Rivieren" anlässlich des Endes der Langzeitkonzeption statt. Gegenstand der Tagung sind Beiträge aus den vielfältigen Forschungsprojekten und Lehrkooperationen der beteiligten Fächer, Masterarbeiten mit einem Bezug zu Namibia und studentischen Aufenthalten, sodass ein umfassender Einblick in die Programmarbeit der Germanistischen Institutspartnerschaft gegeben wird.

Programm

  • 10.45 Uhr: Begrüßung
  • 11.00 Uhr: Mehrsprachigkeit in Literatur und Übersetzung (Heinz Eickmans, Marianne Zappen-Thomson)
  • 11.40 Uhr: Schreiben für die Erinnerung - Eine Analyse der Namibia-Krimis von Bernhard Jaumann (Rosa Thomas)
  • 12.20 Uhr: Familienunähnlichkeiten (Herman Beyer, Ute Boonen, Bernhard Fisseni)
  • 13.00 Uhr: Mittagspause
  • 14.30 Uhr: Grenzen überschreiten, Horizonte erweitern - Erfahrungen aus dem Praktikum an der UNAM (Alina Sasdrich)
  • 15.10 Uhr: Afrikaans und Deutsch als gute Freunde (Herman Beyer, Ute Boonen, Bernhard Fisseni)
  • 15.50 Uhr: Präsentationskomptenzen von (Lehramts-)Studierenden (Patrick Voßkamp, Julia Augart)
  • 16.20 Uhr: Afrikaans praat lekker! Nederlands praten is leuk! (Petronella Genis, Gaby Boorsma)
  • 17.00 Uhr: Stadtwahrnehmung in Text und Bild: Das Projekt Windhoek-Essen (Rolf Parr, Julia Augart)
  • 17.40 Uhr: Eine großartige Erfahrung (Marianne Zappen-Thomson)

11.00 Uhr: Heinz Eickmans (UDE), Marianne Zappen-Thomson (UNAM) Mehrsprachigkeit in Literatur und Übersetzung: Zur funktionalen Mehrsprachigkeit in den Romanen des südafrikanischen Autors Deon Meyer und deren Übersetzungen ins Deutsche, Englische und Niederländische

In vielen Romanen begegnen uns neben der Grundsprache auch Elemente einer oder mehrerer anderer Sprachen. Aufgrund des dadurch gegebenen sprachlichen Kontrasts sind solche Elemente stark markiert, wodurch sie auch eine besondere Wirkung entfalten. Der südafrikanische Autor Deon Meyer, der seine Romane auf Afrikaans schreibt, macht sich solche Kontraste zunutze, um ein ‚realistisches‘ Bild der gesellschaftlichen Mehrsprachigkeit Südafrikas zu erzeugen. Dies geschieht hauptsächlich in der Figurenrede, in der es ein funktionales Nebeneinander von Afrikaans und Englisch gibt.

Mit Blick auf die Übersetzungen der weltweit erfolgreichen Romane Meyers stellt sich die Frage, wie diese afrikaans/englische Mehrsprachigkeit in den Übersetzungen wiedergegeben wird bzw. werden kann. Im Vortrag werden anhand des Romans 13 Uur (2008) Funktionen und Wirkungen der Mehrsprachigkeit im afrikaansen Original beschrieben und in ausgewählten Textpassagen mit den Übersetzungen ins Deutsche (Dreizehn Stunden, 2010), Englische (Thirteen Hours, 2010) und Niederländische (13 uur, 2012) verglichen.

Folien zum Vortrag Mehrsprachigkeit in Literatur und Übersetzung (PDF 29,9 MB)

11.40 Uhr: Rosa Thomas (UDE) Schreiben für die Erinnerung - Eine Analyse der Namibia-Krimis von Bernhard Jaumann (MA)

Wie wird Erinnerungskultur in der Literatur festgehalten? Diese Frage zu beantworten, würde sehr umfassend ausfallen. Als Beispiel für das Schreiben für die Erinnerung kann jedoch exemplarisch Bernhard Jaumann herangezogen werden, der in seiner Namibia-Trilogie manchmal direkt und teilweise subtil auf die Schrecken der deutschen Kolonialherrschaft in Südwestafrika hinweist. Mit seiner Hauptfigur, der schwarzen Kriminalkommissarin Clemencia Garises, nimmt Jaumann den Leser mit auf eine Reise in die Vergangenheit und zeichnet gleichzeitig ein aktuelles Bild der Lage Namibias. Dabei baut Jaumann in jedem seiner drei Romane eine Parallelebene ein: In die Stunde des Schakals werden fiktive Zeugenaussagen der mutmaßlichen Attentäter eingefügt, die zur Lösung des Falls beitragen, während in Steinland eine deutsche Siedlergeschichte eingebaut wird. Und schließlich bedient sich der Autor in Der lange Schatten historischer Quellen. Die vorliegende Arbeit „Schreiben für die Erinnerung. Eine Analyse der Namibia-Krimis von Bernhard Jauman“ untersucht, wie Jaumann eine fiktive Welt mit einem realen Diskurs verbindet und zum Erinnern an das Vergangene beiträgt.

12.20 Uhr: Herman Beyer (UNAM), Ute Boonen (UDE), Bernhard Fisseni (UDE) Familienunähnlichkeiten

Der Vortrag wird einige Projekte vorstellen, die Herman Beyer (Afrikaans, UNAM), Ute Boonen (Niederlandistik, UDE) und Bernhard Fisseni (Germanistik, UDE) im Rahmen der Germanistischen Institutspartnerschaft durchgeführt haben. Sie haben gemeinsam, dass sie sich mit den westgermanischen Sprachen Deutsch, Afrikaans und Niederländisch befassen, von denen ein Paar im Kulturraum der Universität Duisburg-Essen schon sehr lange interagiert, ein anderes seit einiger Zeit in Namibia.

Partikeln. Alle drei Sprachen weisen viele, insbesondere modale Partikeln auf, die auch regelmäßig genutzt werden. Während es einige Untersuchungen zum Deutschen und Niederländischen einerseits und zum Afrikaans und Niederländischen andererseits gibt, ist zum Vergleich von Afrikaans und Deutsch diesbezüglich wenig bekannt. Herman Beyer und Bernhard Fisseni haben anhand von Beispielen aus der Forschungsliteratur und gemeinsamer introspektiver Arbeit zwei Interpretationsansätze entwickelt, die die Verwendung der eher epistemischen Partikeln, insbesondere tog, doch, mos, ja modellieren.

Verbalkonversion.  Während man auf Niederländisch voetballen oder appen kann, muss man im Deutschen ganz unökonomisch Fußball spielen oder eine App (Nachricht) schreiben, und auch das Afrikaans muss paraphrasieren. Ute Bonnen präsentiert Vorüberlegungen und Fragen, wie die Konversion sich in den drei Sprachen unterscheidet.

14.30 Uhr: Alina Sasdrich (Studierende UDE) Grenzen überschreiten, Horizonte erweitern - Erfahrungen aus dem Universitätspraktikum an der Universität von Namibia

Der Förderung des studentischen Nachwuchses wird in der Germanistischen Institutspartnerschaft ein hoher Stellenwert beigemessen. Hierbei bilden die wechselseitigen Studienaufenthalte das Kernstück der Förderung. Seither hat eine Vielzahl an Studierenden die Möglichkeit genutzt geographische und persönliche Grenzen zu überschreiten, um den eigenen Horizont im alltäglichen und universitären Leben des jeweils anderen Landes zu erweitern - zum Beispiel innerhalb eines Universitätspraktikums. Hierzu werden im Vortrag werden die Tätigkeit in der Lehre, die Teilnahme an Seminaren sowie die entstandenen Qualifikationsarbeit als zentrale Erfahrungsfelder in den Fokus gerückt. Das Universitätspraktikum an der Universität von Namibia bietet den Studierenden die Möglichkeit zur Weiterentwicklung des professionellen Selbstkonzeptes und der interkulturellen Kompetenz, wobei letzteres durch die multilinguale und -kulturelle Situation in Namibia sowie die Verzahnung der deutsch-namibischen Geschichte gerahmt wird. Neben der Planung und Durchführung von Kursstunden, die in Abhängigkeit des Studienganges eine Orientierung an Sprachanfängern respektive Muttersprachenniveau erfordern, wird den Studierenden die Möglichkeit eröffnet an Seminaren teilzunehmen, die eine kritisch-fundierte Auseinandersetzung mit der Thematik der Interkulturalität im deutsch-namibischen Kontext anleiten. Nicht zuletzt die Teilnahme an Seminaren lieferte einer Vielzahl an Studierenden wertvolle Impulse, die in Qualifikationsarbeiten mit einem Bezug zu Namibia mündeten.

Folien zum Vortrag Grenzen überschreiten, Horizonte erweitern (PDF 21.6 MB)

15.10 Uhr: Herman Beyer (UNAM), Ute Boonen (UDE), Bernhard Fisseni (UDE) Afrikaans und Deutsch als gute Freunde

Deutscher Einfluss auf das Afrikaans. Historisch gesehen hat sich die Sprachgeschichte des Afrikaans oft gefragt, wieso der Einfluss der Deutschsprachigen, die zeitweise die Mehrheit des Personals der Niederländischen Ostindien-Kompanie darstellten, so klein ist. In der Festschrift für Heinz Eickmans haben Ute Boonen und Bernhard Fisseni, unterstützt von Herman Beyer, versucht herauszuarbeiten, dass dies daran liegen kann, dass man eindeutigen deutschen Einfluss suchte, der nicht aus niederländischen Dialekten stammen konnte. Stattdessen schlagen wir vor, nach Aspekten zu suchen, wo Afrikaans und Deutsch einander näher sind als Afrikaans und Niederländisch. Derartige gibt es insbesondere im lexikalischen Bereich, etwa die Trennung von für (vir) und vor (voor), aber auch auf anderen linguistischen Ebenen, so unterscheiden Afrikaans und Deutsch nur zwei stimmhafte labiodentale/labiale Approximanten/Frikative, Niederländisch aber drei. Derartige Unterschiede könnten – unabhängig vom Vorkommen in niederländischen Dialekten – durch die Mitwirkung der Deutschsprachigen verstärkt selektiert worden sein.

Materialien zum Afrikaans für das Deutsche. Im Rahmen der Germanistischen Institutspartnerschaft gab es für Studierende die Möglichkeit, Afrikaans zu lernen, wobei ein auch Niederländisch lernt bzw. studiert. Da es gar nicht so viele deutschsprachige Lerner*innen des Afrikaans gibt, dass kommerzielle Anbieter Interesse an diesem Markt hätten, ist die Menge an Lernmaterialien für diese Zielgruppe begrenzt. Im Umfeld der somerskool (aus namibischer Sicht eigentlich: winterskool) sind Lehr- und Lernmaterialien entstanden. Zum Beispiel gibt es eine Wortliste, die lexikalischen Differenzen nachspürt, in denen die drei Sprachen anders zusammengehen als erwartet, wo also entweder Afrikaans und Deutsch näher beieinander sind als Niederländisch oder Niederländisch und Deutsch einander näher sind als Afrikaans. In dem Beitrag wird eine Webseite auf der Materialien und Berichte zur Sommerschule sowie Hinweise auf die Afrikaans-Forschung an der Universität Duisburg-Essen zusammengetragen wurde, präsentiert.

15.50 Uhr: Patrick Voßkamp (UDE), Julia Augart (UNAM) Präsentationskompetenzen von (Lehramts-)Studierenden - Video-Peer-Feedback

Im Vortrag wird eine von der UNAM und der UDE konzipierte seminar- und disziplinübergreifende Lehrveranstaltung vorgestellt, die das Ziel verfolgte, Kommunikations- und Präsentationskompetenzen von (Lehramts-)Studierenden beider Universitäten auszubilden bzw. zu fördern. Dazu wurden Präsentationen von Germanistikstudierenden an der UNAM gefilmt, um anschließend von Studierenden der UDE transkribiert und gesprächslinguistisch analysiert zu werden.

Das Korpus der Videoaufnahmen diente in diesem Projekt in der eigenen wie der externen Analyse dazu, Studierenden die Möglichkeit zu geben, ihre Präsentationsfähigkeiten zu verbessern – was nicht zuletzt mit Blick auf eine Berufsorientierung zweckmäßig erscheint – sowie Transkriptionsmethoden kennenzulernen und eigenständig anzuwenden und darüber hinaus kritische und konstruktive Rückmeldungen zu formulieren.

Zentral war die Frage danach, welche Rolle die multimodale Handlungsform des Präsentierens in der Universität im Rahmen der mündlichen Kommunikationsförderung spielen kann – etwa im Sinne der Weiterentwicklung mündlicher Interaktions- und Diskursfähigkeit sowie des monologischen Sprechens. So stellt das mündliche Präsentieren (theoretisch) eine Möglichkeit dar, Studierende selbstständig längere, übersatzmäßige Einheiten strukturieren zu lassen. Durch die linguistische bzw. gesprächsanalytische Feinanalyse der transkribierten Präsentationen sollten aber ebenso die Herausforderungen diskutiert werden, vor die das Präsentieren Studierende stellen kann.

Folien zum Vortrag Präsentationskompetenzen von (Lehramts-)Studierenden (PDF 22.1 MB)

16.20 Uhr: Herman Beyer (UNAM), Petronella Genis (UNAM) und Gaby Boorsma (UDE) Afrikaans praat lekker! Nederlands praten is leuk!

Im Rahmen der Germanistischen Institutspartnerschaft fanden zwischen 2016 und 2018 erste Lehrangebote für Afrikaans an der UDE und Niederländisch an der UNAM statt. Beide Lehrangebote umfassten einen Basis-Sprachkurs verbunden mit Grundlagenseminaren zu Kultur, Literatur und Landeskunde. In dem Beitrag wird über die im Somerskool Afrikaans und im Sprachunterricht Niederländisch gemachten Erfahrungen berichtet. Dabei sollen u.a. folgende Aspekte angesprochen werden: Was ist Afrikaans – Das Verhältnis von Afrikaans zum Niederländischen und zum Deutschen, das Lernen einer verwandten Sprache, Eckdaten zu den Lernergruppen, eingesetzte Unterrichtsmaterialien, Feedback und Ausblick.

Folien zum Vortrag Afrikaans praat lekker! Nederlands praten is leuk! (PDF 11.5 MB)

17.00 Uhr: Rolf Parr (UDE), Julia Augart (UNAM) mit UDE- und UNAM-Studierenden Stadtwahrnehmung in Bild und Text: Essen-Windhoek

Wie sehen Friedhöfe in Windhoek aus? Wie verändert sich das Bild einer Kreuzung in der Stadt über den Tag hinweg? Welches Bild geben Schulen in den verschiedenen Stadtteilen ab und wie sieht es jeweils genau gegenüber aus? Und wie spielen Weite und Enge in der Wahrnehmung einer Stadt wie Windhoek zusammen? Fragen wie diesen geht das Projekt »Stadtwahrnehmung in Bild und Text: Windhoek-Essen« nach. Ausgangspunkt ist dabei die Überlegung, dass Bilder von Städten und ihren Topographien nicht an sich da sind, sondern immer dem konstruierenden Blick derjenigen unterliegen, die sie jeweils ganz verschieden wahrnehmen. Jeder Blick auf Städte entwirft daher letzten Endes so etwas wie eine ›mental map‹, die mal eher individueller Art ist, mal eher kollektive Züge trägt;  zudem kommen kulturelle Ordnungsraster ins Spiel, die sich nicht nur in reflektierenden Texten sondern auch im Medium der Fotografie herausarbeiten lassen.

Folien zum Vortrag Stadtwahrnehmung in Bild und Text: Das Projekt Essen-Windhoek (PDF 39.5 MB)

17.40 Uhr: Marianne Zappen-Thomson (UNAM) Eine großartige Erfahrung!

Nach dem Ende des akademischen Jahres an der Universität von Namibia sind im Wintersemester stets Studierende des Studienganges German Studies innerhalb der Germanistischen Institutspartnerschaft für zwei Monate an der UDE, um den Alltag und das Universitätsleben in Deutschland kennenzulernen. Im Rahmen ihres Universitätsbesuches nehmen die Studierenden an Seminaren und Vorlesungen des Instituts für Germanistik und des Instituts für Deutsch als Zweit- und Fremdsprache teil. Seit 2010 nutzten insgesamt achtzehn Studierende der UNAM die Möglichkeit nach Deutschland zu gehen, an der UDE zu studieren und in Essen zu leben. In ihrem Vortrag stellt Marianne Zappen-Thomson alle Studierenden, die den Schritt nach Essen wagten, vor und berichtet, auf Grundlage retrospektiver Kommentare der Studierenden zu ihren Aufenhalten, über die Erfahrungen, die aus dem Aufenthalt entstandenen Zukunftspläne und was nach dem Aufenhalt aus den Studierenden geworden ist.

Folien zum Vortrag Eine großartige Erfahrung! (PDF 148 MB)