Wintersemester 2026/27

BA Grundzüge der Literaturgeschichte II
Gender erzählen. Geschlechterordnungen in Literatur- und Kulturgeschichte
Di 14-16

Die Vorlesung bietet einen literaturhistorischen Überblick über die Darstellung und Konstruktion von Geschlecht vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Ausgehend von zentralen Theorien der Gender Studies werden Gedichte, Dramen und Romane von der Aufklärung bis hin zur Gegenwartsliteratur als Orte gesellschaftlicher Aushandlung von Geschlechterordnungen gelesen. Behandelt werden unter anderem Weiblichkeits- und Männlichkeitsentwürfe, feministische und intersektionale Perspektiven, Queer Theory sowie Trans Studies.

 

MA Freies Mastermodul Literatur II
Sprache, Geschlecht, Literatur: Trans* und nonbinäre Perspektiven in der Gegenwartsliteratur
Di 18-20

Kaum ein sprachliches Thema polarisiert derzeit so stark wie die geschlechtersensible Sprache. Während die einen etwa durch Gendersternchen und Neopronomen alle Geschlechter sprachlich sichtbar machen wollen, kritisieren andere diese Praxis als bevormundend, spaltend oder ästhetisch fragwürdig – darunter auch prominente Stimmen wie der Kulturstaatsminister Wolfram Weimer. Besonders stark entzündet sich die Debatte an der Sichtbarmachung von Geschlechtern jenseits der Kategorien „Mann“ und „Frau“. Die Existenz von trans* oder nonbinären Identitäten stellt dabei nicht nur sprachliche, sondern auch gesellschaftliche Ordnungen in Frage – und wird oft zum Auslöser heftiger Kontroversen.

Das Seminar nähert sich diesem komplexen Diskurs aus literatur- und medienkulturwissenschaftlicher Perspektive. Zunächst klären wir, was unter „Gendersprache“ verstanden wird und welche Deutungen, Ängste und politischen Positionen sich in der öffentlichen Debatte daran knüpfen. Anschließend analysieren wir am Beispiel von Kim de l’Horizons Blutbuch (2022), mit welchen ästhetischen Mitteln trans* und nichtbinäre Identitäten in der Gegenwartsliteratur dargestellt werden – etwa durch Genderzeichen, Neopronomen, experimentelle Erzählperspektiven oder grammatikalische Modifikationen. Im dritten Schritt richten wir den Blick auf die Literaturvermittlung: Wie greifen Literaturkritik, Feuilleton und Medienberichte über Preisverleihungen nicht-binäre Selbst- und Figurenbezeichnungen auf? Welche Formen der Anerkennung, aber auch des Widerstands lassen sich hier beobachten?

Eingebunden in das Seminar wird die Fachtagung für Forschende, Lehrende und Studierende „Himmel voller Sterne. Sprachliche Markierungen von Geschlecht und Diversität in Forschung und schulischer Praxis“ (21.-22.1.2027) in Essen.

 

MA LuM Praxismodul
Literatur an/mit Institutionen

Mi 16-18

Literaturfestivals
Literaturfestivals gehören zu wichtigen Orten der Literaturvermittlung. Das Seminar untersucht verschiedene Festivals der Region als Orte gesellschaftlicher Aushandlungsprozesse, die Literatur nicht nur popularisieren, sondern auch politisch kontextualisieren – insbesondere im Hinblick auf postmigrantische und Schwarze Literatur. Gefragt wird zudem, welche innovativen Vermittlungsformen es neben den klassischen „Wasserglaslesungen“ für Literatur in Präsenz gibt. In enger Zusammenarbeit mit dem Essener Literaturfestival Literaturdistrikt erhalten die Studierenden Einblicke in die Praxis des Festivalbetriebs: von Programmgestaltung und Kuratierung über Organisation, Finanzierung und Öffentlichkeitsarbeit bis hin zum Besuch ausgewählter Festivalveranstaltungen.

 

BA Exemplarische Textanalyse II 
Goethes Faust I neu lesen:
Ein Klassiker im Wandel
Do 10-12

Wer kennt ihn nicht – den Gelehrten, der einen Pakt mit dem Teufel schließt? Im Zentrum des Seminars stehen die verschiedenen Fassungen von Johann Wolfgang Goethes berühmtem Faust I (1770-1808) sowie Fatma Aydemirs feministische Neuinterpretation Doktormutter Faust (2024). Anhand dieser beiden Dramen werden grundlegende Techniken der Dramenanalyse erarbeitet. Zudem bietet das Seminar einen Überblick über die historische Entwicklung des Dramas vom Sturm und Drang bis zur Gegenwart. Begleitend erfolgt eine Einführung in propädeutische Grundlagen des wissenschaftlichen Arbeitens.

 

BA Literaturhistorisches Seminar II
Familiendramen. Dysfunktionale Familien in der Dramatik des 18. Jahrhunderts
Do 14-16

Abwesende Mütter, versagende Väter, ungehorsame Töchter und verfeindete Brüder – die Dramatik des 18. Jahrhunderts kennt keine glücklichen Familien, und entwirft dennoch deren bürgerliches Ideal. Im Seminar werden wir die familiären Konstellationen dramatischer Figuren in Texten von Lessing, Lenz, Klinger, Schiller und Kotzebue vor dem Hintergrund bürgerlicher Familiendiskurse des 18. Jahrhunderts untersuchen.