Väter in Deutschland
Was wir über Väter wissen – und was nicht
Die wissenschaftliche Untersuchung von Vaterschaft ist trotz ihrer Bedeutung nicht umfassend. Bisherige Studien beziehen sich meist auf klassische Kernfamilien mit leiblichen Vätern und basieren oft auf den Aussagen von Müttern oder Kindern. Andere Familienformen – z. B. Trennungs-, Stief- oder Pflegefamilien – werden meist nicht berücksichtigt. Auch das Wohlbefinden von Vätern, die Wahrnehmung ihrer eigenen Vaterschaft sowie das Verständnis von Vaterschaft, sowohl von Vätern als auch Nicht-Vätern, wurden bislang kaum umfassend untersucht. So ist beispielsweise bekannt, dass eine steigende Anzahl an Vätern Elterngeld bezieht und in Elternzeit geht [1]. Inwiefern sich der Wandel auf die Akzeptanz von Vätern in Elternzeit, das Wohlbefinden der Väter etc. auswirkt, ist jedoch noch nicht ausreichend untersucht.
Hier setzt das Projekt an: Es soll belastbare, wissenschaftlich fundierte Informationen liefern, um die Vielfalt von Vaterschaft besser zu verstehen.
[1] BMBFSFJ (12.07.2024): Väterbeteiligung beim Elterngeld erreicht neuen Höchstwert - BMBFSFJ
Gesellschaftliche Leitbilder und wissenschaftliche Konzepte
Es werden gesellschaftlich unterschiedliche Erwartungen an Väter herangetragen. Die gesellschaftliche Vorstellung davon, wie ein Vater sein sollte, entwickelt sich im Zeitverlauf und wird maßgeblich durch gesellschaftliche Entwicklungen geprägt. Sie ist abhängig von zeitlich geltenden, gesellschaftlich verbreiteten Normen, Werten und Leitbilder. Das Vaterideal, welches früher oftmals dem männlichen Alleinversorgers entsprach, wird heutzutage vielseitiger definiert und ist beeinflusst durch zentrale gesellschaftliche Entwicklungen, wie etwa durch die Gleichberechtigung, Fürsorge oder partnerschaftliche Erziehung. Dies zeigt deutlich, dass ein verändertes Vaterbild kein Ergebnis der Änderung individueller Einstellungen ist, sondern als Folge von gesellschaftlichen und politischen Prozessen verstanden werden kann.
Auch in der Wissenschaft ist das Vaterbild und ein möglicherweise stattfindender Wandel ein zentrales Thema. Es wird beispielsweise in soziologischen Konzepte wie „Caring Masculinities“ aufgegriffen. Dieses bezieht sich auf einen fürsorglichen Vater, wobei die Fürsorge zunehmend auch mit Männlichkeit verbunden wird. Dabei werden aber häufig zentrale Aspekte, wie beispielsweise das Wohlbefinden der Väter, außer Acht gelassen.
In der Praxis erleben viele Väter Hindernisse: berufliche Anforderungen, eingeschränkte Vereinbarkeit zwischen Arbeits- und Familienleben, etwa in Form langer Arbeitszeiten und fehlender Möglichkeiten der Arbeitszeitreduzierung, oder strukturelle Hürden. Auch sind befürchtete negative Reaktionen des beruflichen Umfelds und mögliche Karrierenachteile potentielle Einflussfaktoren auf das Wohlbefinden der Väter und deren individueller Ausgestaltung ihrer Vaterschaft.
Dies zeigt deutlich, dass die Vaterschaft nicht nur eine persönliche, sondern auch eine gesellschaftlich geprägte Aufgabe ist. Die Vielseitigkeit des Vaterseins benötigt eine gesellschaftliche und politische Struktur, die diese zulässt.