Förderung des Wissenstransfers für eine aktive Mitgestaltung des Pflegesektors durch Mikrosystemtechnik (WiMi-Care)

Ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF, Förderkennzeichen: 01FC08024-27) gefördertes Verbundvorhaben, welches den Wissenstransfer für eine bedarfsgerechte Entwicklung von Servicerobotik im Pflegesektor untersucht. Laufzeit: November 2008 bis Oktober 2011

Problemstellung:

Der demografische Wandel, die durch eine stetig verbesserte medizinische Versorgung längere Lebenszeit und die gestiegenen Ansprüche an die Lebensqualität sowie insbesondere die auf einem niedrigen Stand stagnierende Fertilitätsrate stellen die sozialen Sicherungssysteme und die Integrationsfähigkeit der Gesellschaft vor große Herausforderungen. Davon ausgehend, dass der demografische Wandel erhebliche Chancen für Wirtschaft und Beschäftigung in sich birgt, stellt sich die Frage, wie durch geeignete mikrosystemtechnische Anwendungen nicht nur die Risiken und Problemlagen ausbalanciert, sondern ebenso die Potenziale der alternden Gesellschaft genutzt werden können. Senioren werden in dieser Sicht als wirtschaftlich bedeutsame, erfahrungs- und kompetenzreiche Gruppe unserer Gesellschaft angesehen, deren Bedeutung in den nächsten Jahren weiter zunehmen wird. Hinsichtlich einer besseren Integration durch einen höheren Grad an Selbständigkeit, aber auch einer Entlastung von Pflegeeinrichtungen stellt im Rahmen mikrosystemtechnischer Innovationen der Bereich der Servicerobotik eine viel versprechende Entwicklung dar. Die international steigenden Absatzzahlen von Servicerobotern und die prognostizierte positive Entwicklung lassen vermuten, dass in diesem Segment erhebliches Potenzial liegt.
Die auf die Entwicklung von Servicerobotern spezialisierten Forschungseinrichtungen sowie die noch jungen unternehmerischen Aktivitäten auf diesem Gebiet sehen sich allerdings mit einer Reihe von Schwierigkeiten konfrontiert: Auf der einen Seite bedarf es einer stärkeren Vernetzung zwischen Forschung, Entwicklung, Produktion und Vertrieb (Geschäftsmodelle), auf der anderen Seite fehlt es an verbindlichen Normen (Standardisierung). Des Weiteren bedarf es einer intensiven Zusammenarbeit mit den Betroffenen, also Senioren und Pflegediensten, die erst eine "bedarfsadäquate" Entwicklung erlaubt. Diese ist jedoch weitestgehend abhängig von einem angemessenen Instrumentarium zur Ermittlung von Desideraten und Bedienfreundlichkeit (Usability- und Nutzerforschung).

Zielsetzung:

Ziel dieses Verbundvorhabens ist die Entwicklung und Herstellung einer "Wissenstransferschleife", die von den Entwicklern über die Hersteller hin zu den Anwendern von Servicerobotik reicht. Diese soll dort, wo sie bereits vorhanden ist, verbessert, dort, wo es sie noch nicht gibt, hergestellt, bzw. durch die Entwicklung geeigneter Erhebungsinstrumente (Usability- und Nutzerforschung) professionalisiert werden. Durch eine sehr frühe Einbindung der potentiellen Nutzer und Anwender und durch die Durchführung intensiver Pilotanwendungen in einem 'realweltlichen' Nutzungskontext (einer Einrichtung für pflegebedürftige Senioren) soll die Entwicklung gezielt in Richtung Bedarfsadäquanz gesteuert und optimiert werden. Die Ergebnisse des Projektes sollen somit zunächst in der konkreten Herstellung einer Transferschleife und der damit ermöglichten effizienten Weiterentwicklung von zwei Servicerobotern (Care-O-bot® 3 (IPA) und CASERO (MLR)) bestehen. Des Weiteren soll diese Wissenstransferschleife auch für andere Innovationen in der Servicerobotik Modellcharakter haben und so mittelbar ebenfalls für die Entwicklung von innovativer Mikrosystemtechnik im Allgemeinen einen Mehrwert bewirken. Die entwickelten Instrumente zur Usability- (Bedienfreundlichkeit) und Nutzerforschung (Bedarfsanalyse) sollen über die fruchtbare Anwendung im Projekt hinaus, allgemein bei der Entwicklung und Verbesserung von Servicerobotern im Pflegesektor anwendbar sein und dadurch einen wichtigen Beitrag für die Standardisierung entsprechender Technologien und deren Anwendungen leisten.

Lösungsweg:

Es existieren zahlreiche Forschungen, die sich in den verschiedensten Zusammenhängen mit Usability-Aspekten befassen. Doch mikrosystemtechnische Dienstleistungsanwendungen für den Health- und Care- Bereich sind ein vergleichsweise junges Feld, weshalb bei der bedarfsgerechten Entwicklung nur sehr begrenzt auf vorhandene Erfahrungswerte zurückgegriffen werden kann. Das WiMi-Care Projekt zielt daher auf die Beleuchtung von Wissenstransferprozessen insbesondere an der Entwickler-Nutzer-Schnittstelle, um die anwenderorientierte Entwicklung von Mikrosystemtechnik zu optimieren. Mit dem Fokus auf Wissensgenerierung und -nutzung kann Innovation von Anfang an bedarfsadäquat und damit chancenreich gestaltet werden. Die Risiken, welche Innovationsbemühungen mit sich bringen, können dadurch minimiert werden. Es geht nicht darum hinterher auszubessern, sondern von vorneherein Produkte und Anwendungen zu entwerfen, deren Akzeptanz sichergestellt ist, da sie von den Nutzern mitentwickelt wurden. Um dieses spezifische Wissen ‚sichtbar' zu machen und in konkrete (mikro)technische Anforderungen zu ‚übersetzen' existieren verschiedene mögliche Ansätze. Unser zentrales Mittel der Wahl stellt das Szenariobasierte Design dar, das eine solche ‚Scharnierfunktion' zwischen potentiellen Anwendern und Entwicklern sein kann. Mit Szenarien lassen sich die Wünsche der Kunden sowie die Rahmenbedingungen der (technischen) Infrastruktur in idealer Weise veranschaulichen, um daraus technische Erfordernisse abzuleiten. Inwiefern dies für die Anwendung von Servicerobotern im Pflegebereich gelingt und an welchen Stellen Verbesserungen nötig oder möglich sind, soll anhand von Bedarfsanalysen und durch den konkreten Einsatz der Geräte untersucht werden. Dabei werden die Erfahrungen und Wünsche der Anwender aufgenommen, technisch umgesetzt und mit den Robotern (Care-O-bot® 3 (IPA) und CASERO (MLR)) getestet. Insbesondere wird hierbei dem Feedback der potentiellen Nutzer die höchste Aufmerksamkeit geschenkt. Die Erfahrungsberichte, Beobachtungen und Rückmeldungen werden anschließend in einem zweiten Iterationsschritt in die weitere Entwicklung der Dienstleistungsanwendungen aufgenommen. Dieses Vorgehen soll eine optimierte Technikgestaltung erlauben, welche explizit auf die Bedürfnisse der Nutzer ausgerichtet ist.

 

Care-o-bot

Care-O-bot® 3 - Mobiler Serviceroboter zur Unterstützung des Menschen im Haushalt - Fraunhofer IPA Stuttgart

 

Casero Transportsystem

CASERO - Fahrerloses Transportsystem der Firma MLR System GmbH Ludwigsburg