Projekt SignEd|Math

Signs of Mathematics:
Fostering the emergence of conceptual gestures among deaf students 

Im Projekt SignEd|Math gehen wir davon aus, dass taube Mathematiklernende Informationen anders aufnehmen und verarbeiten (Grote, Sieprath & Staudt, 2018) und daher Lernmaterialien und Lehrmethoden benötigen, die auf ihre Art zu denken und zu lernen abgestimmt sind (Marschark, Spencer, Adams & Sapere, 2011).
Der Gebrauch von Gebärdensprache spielt hierbei eine zentrale Rolle (Krause, 2016, 2017; 2018; 2019; Krause & Wille, angenommen).

SignEd|Math nutzt Erkenntnisse aus der Mathematikdidaktik, den Learning Sciences, der Gehörlosenpädagogik und der Gebärdensprachforschung und bringt diese als Design Research Projekt zusammen. Hierbei wird eine mathematische Lernumgebung zunächst entwickelt und dann iterativ getestet und weiterentwickelt, die die andere Art des Lernzugangs und der Wissensorganisation und –repräsentation tauber Lernender berücksichtigt und wertschätzt.

Zentrale Fragen sind hierbei zunächst:

  • Was können wirksame Designstrategien zur Konzeption von Lernumgebungen sein, durch die konzeptuell fruchtbarer Diskurs zur Aushandlung neuer mathematische Bedeutungen in Gebärdensprache angeregt werden?
  • Wie können diese Strategien konkret in Lernmaterial umgesetzt werden, das tauben Lernenden sowohl barrierefreien Zugang zum zu lernenden mathematischen Inhalt ermöglicht wie auch eine Strukturierung des Inhalts zulässt, der ihre Art des Denkens und des Lernens berücksichtig.
  • Welche weiteren Einsichten zur Rolle von Sprache und verschiedenen Modalitäten bei der Bildung mathematischer Begriffe können wir aus der Betrachtung der Arbeits- und Lernprozesse in diesem speziellen Kontext erfahren?

Basierend auf theoretischen Vorüberlegungen wird ein zweistufiges Design angestrebt, dass Embodied Design-Prinzipien folgt, in denen eine Phase der Konkretisierung auf eine Phase der Phänomenalisierung folgt (Abrahamson, 2014):

In einem ersten Schritt arbeiten die Lernenden individuell an einem dynamischen ‘Interaction problem’: Sie entdecken und reflektieren hierbei intuitiv auf Basis ihrer zur Verfügung stehenden (körperlicher und kognitive) Ressourcen ein Phänomen, dass einem mathematischen Konzept zugrundeliege Handlungsschemata realisiert. Im zweiten Schritt arbeiten zwei taube Lernende gemeinsam an einem Problem, in dem das mathematische Konzept in einen weiteren (Handlungs-)Kontext eingebunden und mathematisch konkretisiert wird.

In mehreren Design-und-Forschungs-Zyklen wird die Lernumgebung weiterentwickelt und gleichzeitig werden die Arbeitsprozesse bezüglich der dritten Fragestellung untersucht. Während der Fokus darauf liegt, besser auf die Stärken und Bedürfnisse tauber Lernender eingehen zu können, so erhoffen wir uns darüber hinaus außerdem Ergebnisse, die allen Lernenden zugutekommen (siehe, beispielsweise, Krause, 2017b).

 

Die ersten zwei Jahre des Projektes (2019-2021) werden an der University of California in Berkeley durchgeführt. Hier arbeitet Dr. Christina Krause mit Prof. Dor Abrahamson und seiner Arbeitsgruppe im Embodied Design Research Lab (EDRL) der Graduate School of Education, um mehr über den Ansatz des Embodied Design durch die konkrete Arbeit im Projekt zu lernen.

Im dritten Jahr (2021-2022) soll die Lernumgebung in verschiedenen Kontexten in Deutschland angewandt werden um die Reichweite der Ergebnisse auszuweiten

Beteiligte

Dr. Christina Marie Krause

Prof. Dr. Florian Schacht
Advisor an der Universität Duisburg-Essen

Prof. Dor Abrahamson
Advisor an der University of California, Berkeley

Projektförderung

Insgesamt 264.669,12€ (über drei Jahre) durch EU im Programm Horizon2020 (Marie Sklodowska Curie-Individual Fellowship (Global))

Mehr lesen

Abrahamson, D. (2014). Building educational activities for understanding: An elaboration on the embodied-design framework and its epistemic grounds. International Journal of Child-Computer Interaction, 2(1), 1–16.

Krause, C.M. (2019). What you see is what you get? – Sign language in the mathematics classroom. Journal for Research in Mathematics Education, 50(1), 84-97.

Krause, C.M. (2018). Embodied Geometry: Signs and gestures used in the deaf mathematics classroom – the case of symmetry. In R. Hunter, M. Civil, B. Herbel-Eisenmann, N. Planas, D. Wagner (Eds.), Mathematical discourse that breaks barriers and creates space for marginalized learners (pp. 171-193). Rotterdam: Sense.

Krause, C. M. (2017a). DeafMath: Exploring the influence of sign language on mathematical conceptualization. In T. Dooley & G. Gueudet (Eds.), Proceedings of the 10th Congress of the European Society for Research in Mathematics Education (pp. 1316-1323). Dublin, Ireland: DCU Institute of Education and ERME.

Krause, C. M. (2017b). What/How can we learn from the deaf mathematics classroom? In: J. Holm, S. Mathieu-Soucy, S. Oesterle (Eds.), Proceedings of the 2017 Annual Meeting of the CMESG (pp. 259-260). Canada: Montréal: CMESG.

Krause, C. M. (2016). DeafMath – Ein Projekt zum Einfluss der Gebärdensprache auf Mathematikverständnis. Vorträge auf der 50. Tagung für Didaktik der Mathematik (pp. 827-830). Münster: WTM.

Krause, C.M. & Wille, A.M. (angenommen). A semiotic lens on learning math in sign languages. In: Contributions to TSG60 (Semiotics in Mathematics Education) at the 14th International Congress on Mathematics Education (ICME-14) from July 12 to July 19 2020 in Shanghai, China.

Marschark, M., Spencer, P. E., Adams, J., & Sapere, P. (2011). Evidence-based practice in educating deaf and hard-of-hearing children: Teaching to their cognitive strengths and needs. European Journal of Special Needs Education, 26, 3–16.