Gender-Aspekte bei der Einführung und Akkreditierung gestufter Studiengänge - eine Handreichung

AutorIn
Becker, Ruth; Jansen-Schulz, Bettina; Kortendiek, Beate; Schäfer; Gudrun

Jahr
2006

Ort
Dortmund

Typ der Publikation
Journal

Internetseite
www.netzwerk-frauenforschung.de/suche_publ.php?keywords=Studien&showtitle=Studien&highP=1&lang=de

Datum des letzten Aufrufs
1.5.2008

Abstract
Statt Geschlechtergerechtigkeit an den Hochschulen Europas zu fördern, könnte der Bologna-Prozess zur Einführung gestufter (Bachelor-/Master-) Studiengänge das Gegenteil bewirken und zur Verfestigung ungleicher Geschlechterverhältnisse in Hochschule und Wissenschaft beitragen. Erste Zahlen deuten hierauf hin: Frauen beginnen nach Abschluss eines Bachelor-Studiums seltener als ihre männlichen Kommilitonen ein Master-Studium. Auch die Akkreditierungsinstitutionen bieten in Deutschland derzeit ein Bild, das in kaum zu ü-berbietender Deutlichkeit die geringe Repräsentanz von Frauen in den höheren Ebenen der Wissenschaftslandschaft spiegelt: Dem Akkreditierungsrat als dem obersten Organ des Um-stellungsprozesses gehören neben 15 Männern nur zwei Frauen an. Hier setzt die vom Innovationsministerium des Landes NRW in Auftrag gegebene und von der Koordinationsstelle des Netzwerks Frauenforschung NRW bearbeitete Studie an. Gefragt wird: Welche Kriterien zeichnen geschlechtergerechte gestufte Studiengänge aus und wie sind Gender-Aspekte in die Entwicklung und Akkreditierung der neuen Studiengänge zu integrie-ren? Auf der Grundlage einer Bestandsaufnahme und umfangreicher Befragungen der am Um-stellungsprozess Beteiligten werden konkrete Handlungsempfehlungen zur Förderung der Geschlechtergerechtigkeit bei Entwicklung, Akkreditierung und Durchführung gestufter Studiengänge entwickelt. So wird aus der Befragung der Akkreditierungsagenturen deutlich, dass die Vereinbarkeit von Familie und Studium durch die neuen verdichteten Studienstrukturen eher erschwert als erleichtert wird, obwohl mit dem Bologna-Prozess und der Modularisierung das Gegenteil erreicht werden sollte. Auch könnte sich die Empfehlung aus Kreisen der Akkreditierungs-agenturen, Frauen könnte ja nach Abschluss eines BA-Studiums eine „Familienphase“ ein-zulegen, statt als "Frauenfreundlichkeit" leicht als „Frauenfalle“ erweisen. Die Studie erhebt nicht nur Forderungen wie die nach der Beteiligung von Wissenschaftle-rinnen und Gender-ExpertInnen im Akkreditierungsrat und -prozess, sondern liefert konkrete Handlungsempfehlungen. So sollen geschlechtergerechte Studiengänge für weibliche und männliche Studierende gleichermaßen attraktiv und zugänglich sein, unterschiedliche Le-bensbedingungen von Studierenden sowie spezifische Interessen und Lernformen weiblicher und männlicher Studierender berücksichtigen und gleiche Übergangsmöglichkeiten in MA-Studiengänge für Studenten und Studentinnen sichern. Ihr besonderes hochschul- und wissenschaftspolitisches Gewicht erhält die Studie durch die Vorstellung von fachspezifischen Curricula, mit denen für 47 Fächer - von der Elektrotechnik bis zur Kunstgeschichte - exemplarisch zeigt wird, wie Inhalte der Frauen- und Ge-schlechterforschung in Studium und Lehre integriert und damit auch dieses zentrale Kriterium der geschlechtergerechten Gestaltung gestufter Studiengänge umgesetzt werden kann sowie durch die Nennung von über 200 Gender-ExpertInnen aus diesen Fächer, die mit ihrer Expertise die Einführung gestufter Studiengänge fachlich begleiten können.

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