Frauen- und Geschlechterforschung

Gegenstand

Die Geschlechterforschung rückt die Kategorie Geschlecht in das Zentrum ihrer Analysen. Geschlecht wird dabei nicht als etwas Naturgegebenes verstanden, sondern als sozialen und kulturellen und sich historisch verändernden Zuschreibungen unterliegend. Die Kategorie Geschlecht wird dabei nicht als eine allumfassende Kategorie verstanden, sondern in ihrer komplexen Verwobenheit mit anderen Differenzkategorien wie Ethnizität, Klasse, Begehren oder Alter gesehen. Auf Basis dieses Ansatzes untersucht die Geschlechterforschung Geschlechterverhältnisse, ihre Ursachen und Wirkungsweisen in verschiedenen Bereichen wie z.B. Recht, Arbeit, Naturwissenschaft, Medizin, Religion, Organisationen, Literatur, Medien und Politik.<br>
Die Geschlechterforschung ist damit ein hochgradig interdisziplinäres Forschungsfeld und ergänzt Disziplinen der Geistes- und Gesellschaftswissenschaften um Fragen nach der Darstellung und Implikationen von Geschlecht. Aber auch in den Naturwissenschaften und der Medizin gehen Wissenschaftler_innen zunehmend Fragen nach vergeschlechtlichten Zusammenhängen nach.<br>
Eine Übersicht über die grundlegenden Begriffe zur Geschlechterforschung sowie Informationen zur weiteren Recherche finden Sie in folgender Literaturdatenbank und auf der Seite "Was meint Gender?" hier im Gender-Portal.

Entstehung

Die Geschlechterforschung entwickelte sich in den 1990er Jahren mit dem Vorhaben, die Geschlechterverhältnisse in den Blick zu nehmen. Sie entstand aus der Frauenforschung heraus, die sich als Forschung von Frauen über Frauen verstand. Im Kontext der Frauenbewegung seit den 1970er Jahren entstanden, beschäftigte sich die Frauenforschung mit Ausschlussmechanismen von Frauen aus der Wissenschaft sowohl als Wissenschaftlerinnen als auch als Untersuchungsgegenstand. Dies war umso bedeutsamer, weil bis dahin die vielgestaltige Geschichte der Frauen nur selten erzählt wurde und ihre bedeutsamen Beiträge in Politik, Wissenschaft und den Künsten nicht im Kanon berücksichtigt wurden. Das Zutagefördern eben jener Geschichten und Beiträge zeigte umso deutlicher, dass die als objektiv und geschlechtsneutral geltende Wissenschaft als Institution und als Wissensproduzentin einem starken Androzentrismus unterlag bzw. teilweise immer noch unterliegt. Somit verstand sich die Frauenforschung immer auch als feministische Wissenschaftskritik. Die Frauenforschung hat den Blick dafür geöffnet, wie stark die Geschlechterverhältnisse sowohl den Alltag als auch die Wissenschaft prägen. Sie liefert seitdem wichtige Forschungsimpulse und –perspektiven, z. B. das Nachzeichnen des Entstehens von Geschlechterhierarchien. Trotz der unterschiedlichen Schwerpunkte zwischen Frauen- und Geschlechterforschung sind die Grenzen für Impulse in beide Richtungen durchlässig.

Lektüre und Vernetzung

Einführungsliteratur

Braun, Christina von; Stephan, Inge: Gender-Studien. Eine Einführung, Böhlau, Köln, Wien 2013.

Die neue Frauenbewegung in Deutschland. Abschied vom kleinen Unterschied. Eine Quellensammlung, hg. v. .Ilse Lenz, Wiesbaden 2010.

Genderstudies in den Geisteswissenschaften: Beiträge aus den Literatur-, Film- und Sprachwissenschaften, hg. v. Corinna Schlicht, Duisburg 2010.

Handbuch Interdisziplinäre Geschlechterforschung, hg. v. Beate Kortendiek, Birgit Riegraf, Katja Sabisch, Wiesbaden 2017.

Querelles-net. Rezensionszeitschrift für Frauen- und Geschlechterforschung, hg. v. Margherita-von-Brentano-Zentrum Berlin, www.querelles-net.de

Schößler, Franziska: Einführung in die Gender Studies, Berlin 2008.

Schlüsselwerke der Geschlechterforschung, hg. v. Martina Löw, Bettina Mathes, Wiesbaden 2005.


Vernetzung

Essener Kolleg für Geschlechterforschung

Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW

Fachgesellschaft Geschlechterstudien Gender e.V.