UDE-Alumna im Portrait: Monica Maria Guimaraes Savedra

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Prof. Dr. Mônica Maria Guimarães Savedra

Prof. Dr. Mônica Maria Guimarães Savedra ist Prorektorin für Forschung, wissenschaftlichen Nachwuchs und Innovation an der Universidade Federal Fluminense (UFF) in Brasilien. Nach ihrem Studium in Brasilien und einem prägenden Postdoc-Aufenthalt an der Universität Duisburg-Essen leitete sie internationale Forschungsprojekte und baute deutsch-brasilianische Promotionsprogramme auf. Im Interview mit UDE-Redakteurin Juliana Fischer, Rektorin Prof. Dr. Barbara Albert und Prorektorin für Universitätskultur, Diversität und Internationales, Prof. Karen Shire PhD, spricht sie über ihre Zeit an der UDE, über soziolinguistische Forschung, internationale Studienmöglichkeiten an der UFF und darüber, wie Kooperationen zwischen brasilianischen und deutschen Universitäten Innovation und Mobilität vorantreiben.

„Internationale Zusammenarbeit lebt vom persönlichen Austausch“

Juliana Fischer:
Frau Prof. Savedra, Sie sind eine wirklich außergewöhnlich erfolgreiche Alumna unserer Universität und heute Prorektorin für Forschung, wissenschaftlichen Nachwuchs und Innovation an der Universidade Federal Fluminense. Wie verlief Ihr Weg in dieses Amt?

Prof. Dr. Mônica Maria Guimarães Savedra:
Ein entscheidender Abschnitt war mein Postdoktorat an der Universität Duisburg-Essen. Ich kam 2003 erstmals nach Duisburg und kehrte 2004 für mein Postdoc-Projekt zurück. Gemeinsam mit Professor Ulrich Ammon habe ich zur Sprachpolitik geforscht, insbesondere zum Vergleich der beiden regionalen Blöcke Europäischen Union und Mercosur. Diese Arbeit hat mein wissenschaftliches Profil nachhaltig geprägt.

Im Anschluss war ich in der brasilianischen Forschungsförderung tätig, koordinierte internationale Programme sowie deutsch-brasilianische Promotionsprojekte. Diese Erfahrungen führten schließlich 2023 zu meiner Berufung als Prorektorin.

Prof. Dr Barbara Albert:
Darf ich als Fachfremde einmal fragen, ob Sie kurz erklären können, was man als Soziolinguistin macht? Und warum fiel Ihre Wahl auf Duisburg-Essen, als Sie ein Postdoktorat machen wollten?

Prof. Dr. Mônica Maria Guimarães Savedra:
Die Soziolinguistik untersucht Sprache im gesellschaftlichen Kontext. In Brasilien liegt der Fokus stark auf sprachlicher Variation und Sprachkontakt. Ich selbst forsche vor allem zu Minderheitensprachen, insbesondere zu germanischen Minderheitensprachen wie Deutsch, Pommersch oder Hunsrückisch, die durch Einwanderung nach Brasilien gelangt sind. Insgesamt haben wir 13 solcher Sprachen identifiziert.

Nach Duisburg bin ich gekommen, weil mir der Deutsche Akademische Austauschdienst gesagt hat: Gehen Sie zu Ulrich Ammon, das ist der beste Soziolinguist. Ich bin in Rio de Janeiro in das DAAD-Büro gegangen, und man hat mir zur Universität Duisburg-Essen geraten. In Essen hat mich dann außerdem beeindruckt, dass es das Fach „Deutsch als Fremdsprache“ gab.

Juliana Fischer:
Ihre Zeit an der Universität Duisburg-Essen hat Sie nachhaltig geprägt. Was haben Sie aus Deutschland mitgenommen?

Prof. Dr. Mônica Maria Guimarães Savedra:
Besonders prägend waren die Seminarformate. In Deutschland habe ich vor allem im Master- und Promotionsbereich eine intensive, diskussionsorientierte Arbeitsweise erlebt, bei der Studierende ihre eigenen Forschungsthemen aktiv einbringen. Diese Offenheit war für mich neu.
Als ich später selbst ein Postgraduiertenprogramm koordinierte, habe ich dieses Modell bewusst übernommen, weil es aus meiner Sicht einen großen Mehrwert für Studierende bietet.

Juliana Fischer:
Unterscheidet sich auch das Verhältnis zwischen Studierenden und Lehrenden in Deutschland und Brasilien?

Prof. Dr. Mônica Maria Guimarães Savedra:
Ja, durchaus. In Deutschland ist die Betreuung stärker formalisiert, etwa durch feste Sprechzeiten. In Brasilien ist der Kontakt oft informeller – heute zum Beispiel über WhatsApp. Beide Modelle haben ihre Vor- und Nachteile.
Was ich aus Deutschland übernommen habe, ist die stärkere Betonung von Eigenständigkeit und kritischer Diskussion in der Lehre.

UDE

Im Gespräch (v.l.): Wissenschaftsredakteurin Juliana Fischer, Rektorin Prof. Dr. Barbara Albert, Prorektorin Prof. Karen Shire PhD und Prof. Dr. Mônica Maria Guimarães Savedra.

Prof. Dr. Mônica Maria Guimarães Savedra, Prorektorin der Universidade Federal Fluminense (UFF)  in Brasilien.

Juliana Fischer:
Sie haben kürzlich selbst einen wichtigen Karriereschritt vollzogen.

Prof. Dr. Mônica Maria Guimarães Savedra:
Ja, am 14. Oktober dieses Jahres habe ich meine Professur erhalten. An brasilianischen Bundesuniversitäten ist dieser Weg sehr lang – bei mir waren es 16 Jahre intensiver Lehr-, Forschungs- und Verwaltungstätigkeit. Für mich persönlich war das ein bedeutender Meilenstein.

Juliana Fischer:
Die UFF gilt heute als sehr international ausgerichtet. Ist dies das Ergebnis eines Wandels?

Prof. Dr. Mônica Maria Guimarães Savedra:
Definitiv. Wir verfügen über ein starkes International Office, das direkt dem Rektorat zugeordnet ist und internationale Studierende, Forschende sowie binationale Cotutelle-Promotionen betreut.
Neu ist außerdem unser Minor-Programm: Studierende können ergänzend zu ihrem Hauptfach Lehrveranstaltungen aus anderen Disziplinen belegen – auf Englisch, Französisch oder Spanisch. Das hat die internationale Sichtbarkeit der UFF deutlich erhöht.

Prof. Karen Shire:
Brasilien ist ein sehr gutes Zielland für ausländische Studierende, nicht wahr? Würden Sie unseren Studierende aus Duisburg-Essen sagen: "Kommt nach Brasilien, kommt zur UFF!".

Prof. Dr. Mônica Maria Guimarães Savedra:
Ja, auf jeden Fall. Brasilien hat sich in den vergangenen Jahren stark geöffnet. Programme wie CAPES Global fördern gezielt die Internationalisierung. Internationale Studierende finden bei uns ein breites akademisches Angebot und eine enge Betreuung.

Juliana Fischer:
Was würden Sie deutschen Studierenden raten, die über ein Studium in Brasilien nachdenken?

Prof. Dr. Mônica Maria Guimarães Savedra:
Ich würde sagen: Trauen Sie sich. Die UFF liegt in Niterói, einer sehr lebenswerten Stadt am Meer, in unmittelbarer Nähe zu Rio de Janeiro. Fachlich sind wir stark unter anderem in Künstlicher Intelligenz, Umwelt- und Klimaforschung, Chemie, Physik, Ingenieurwissenschaften und Innovation.
Gerade die Verbindung von Wissenschaft, gesellschaftlicher Verantwortung und unternehmerischem Denken empfinden viele Studierende als besonders reizvoll.

Juliana Fischer:
Und warum sollten brasilianische Studierende nach Deutschland gehen?

Prof. Dr. Mônica Maria Guimarães Savedra:
Deutschland ist insbesondere in den Ingenieurwissenschaften, in Chemie, Mathematik, Philosophie und Linguistik sehr attraktiv. Viele unserer Studierenden interessieren sich für gemeinsame Master- oder Promotionsprogramme mit deutschen Universitäten. Die exzellente Forschungsinfrastruktur und die enge Verzahnung von Wissenschaft und Industrie sind große Pluspunkte.

Juliana Fischer:
Die Universitätsallianz Ruhr hat kürzlich ein Verbindungsbüro in São Paulo eröffnet. Welche Bedeutung hat das für die Zusammenarbeit?

Prof. Dr. Mônica Maria Guimarães Savedra:
Das schafft neue Möglichkeiten für einen direkten Austausch und langfristige Kooperationen. Ein lokales Büro erleichtert den Kontakt erheblich – für Studierende, Forschende und Hochschulleitungen gleichermaßen. Ich bin überzeugt, dass die Zusammenarbeit zwischen Brasilien und den Universitäten der UA Ruhr weiter an Dynamik gewinnen wird.

Juliana Fischer:
Was können Universitäten in Deutschland und Brasilien voneinander lernen?

Prof. Dr. Mônica Maria Guimarães Savedra:
Ich sehe großes Potenzial im gegenseitigen Lernen. Unsere Interessen und Stärken ergänzen sich in vielerlei Hinsicht. Wenn wir diese gezielt miteinander verbinden, können sehr nachhaltige und wirkungsvolle Kooperationen entstehen.