Institut für Virologie

 In Kooperation für die Öffentlichkeitsarbeit der DFG:

Forschungsschwerpunkte:

Chronische Virusinfektionen

Immunabwehr von Viren

Nach Schätzungen der WHO sind ca. 500 Millionen Menschen weltweit mit chronischen Viren wie Hepatitis B (HBV) oder Hepatitis C (HCV) sowie mit dem Humanen Immundefizienz -Virus (HIV) infiziert. Oft verlaufen chronische Virusinfektionen zunächst ohne gravierende Krankheitssymptome, jedoch können sich im Laufe der Zeit lebensbedrohliche Krankheiten, wie etwa Leberversagen oder Immunabwehrschwäche entwickeln. Noch weitaus größer ist die Zahl der Menschen, die sich weltweit mit Herpesviren infizieren; auch hier persistieren die Viren ein Leben lang im infizierten Wirt. Herpesviren lösen in gesunden Menschen gewöhnlich keine Krankheiten aus; in Menschen mit gestörter Immunabwehr können sie jedoch zu schwerwiegenden Erkrankungen führen.

Zellen und Moleküle des angeborenen und des erworbenen Immunsystems sind in der Lage, die meisten Viren zu bekämpfen und verhindern daher schwere akute Erkrankungen und chronische Infektionen. Dieser Prozess wird durch semi-spezifische und hoch spezifische Mechanismen zur Erkennung von Krankheitserregern gesteuert; anschließend werden freie Viren und virusinfizierte Zellen effektiv zerstört. Zahlreiche Zelltypen und Moleküle sind in diesen Prozess involviert; dies wiederum verdeutlicht die wichtige Rolle, die dieses System für das Überleben des Wirts einnimmt. Viren, die chronische Infektionen hervorrufen, haben diverse Mechanismen entwickelt, mit denen sie die antiviralen Funktionen der Immunzellen hemmen. Infolgedessen kann die Replikation der Viren nicht mehr vollständig kontrolliert werden, und es kommt zur chronischen Infektion. Am Institut für Virologie in Essen erforschen wir die grundlegenden Mechanismen viraler Immunität und wie chronische Viren, wie etwa Hepatitis-, Retro- und Herpesviren, das Immunsystem täuschen und die Immunreaktion umgehen. Das Ziel unserer Forschung ist es, grundlegende Erkenntnisse über das Wechselspiel zwischen chronischen Viren und Zellen des Immunsystems zu erlangen, und dieses Wissen anschließend für die Entwicklung neuer immuntherapeutischer Strategien und Impfungen einzusetzen. Unsere Forschungsgruppen sind innerhalb des Sonderforschungsprojekts Transregio 60 und des Graduiertenkollegs 1949 angesiedelt.

Heute ist es möglich, mit neuen antiviralen Medikamenten viele Virusinfektionen effektiv zu behandeln. Jedoch können einige Viren aufgrund ihrer hohen genetischen Variabilität Resistenzen gegen Medikamente entwickeln. Daher untersuchen wir Resistenzmechanismen von Viren, insbesondere von HIV, HBV und HCV, und bieten diagnostische Tests zu Virusresistenzen an, die auf dem neuesten Stand der Technik basieren. Forschung und Diagnostik sind im Rahmen des Nationalen Referenzzentrums für HCV und der interdisziplinären Kooperationseinheit Venerologie und Virologie Essen angesiedelt.