Vorab: Berufungsverfahren sind wichtige Prozesse, nicht nur intern, sondern auch für die Präsentation nach außen. Die an einer Berufung interessierten Forscherinnen und Forscher erfahren hier viel über die Werte der Organisation im Umgang mit (noch) 'Externen'. Die Verfahren gelten darüber hinaus als die entscheidende Schwelle für die weitere Karriere von NachwuchswissenschaftlerInnen. Oft entscheiden aber noch informelle Prozesse den Ausgang der Entscheidung für die Neuberufung. Haben Frauen geringere Chancen erfolgreich zu bestehen? Diese Frage ist nicht pauschal zu beantworten.

Fakt ist: Die Situation von Wissenschaftlerinnen an Hochschulen hat sich in den vergangenen Jahren zwar insgesamt deutlich verbessert, aber nach wie vor gibt es eine erhebliche Unterrepräsentanz von Frauen an den Professuren: Die Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung (BLK) weist in ihrer "10. Fortschreibung des Datenmaterials zu Frauen in Führungspositionen an Hochschulen und außerhochschulischen Forschungseinrichtungen" für das Jahr 2004 in Deutschland einen Frauenanteil von 13,6% bei allen Professuren und von 9,2% bei den C4/W3-Professuren aus.

Geschlechtergerechte Berufungsverfahren sollen dazu beitragen, den Frauenanteil an den Professuren nachhaltig zu steigern. Berufungsverfahren sind anspruchsvolle Personalauswahlverfahren, die eine große Bedeutung für die Entwicklung der Universität haben. Diese Verfahren transparent und geschlechtergerecht zu gestalten ist nicht immer einfach.

Auf dieser Seite finden Sie die Materialien des Workshops "Qualität und Geschlechtergerechtigkeit bei Berufungsverfahren", der am 16. März 2007 an der UDE von Dr. Bärbel Rompeltien, ZfH/GB Frauenförderung & Gender Mainstreaming in Kooperation mit der Gleichstellungsbeauftragten Ingrid Fitzek und Susanne Schulz, Sg. Personal- und Organisationsentwicklung durchgeführt wurde. Im Workshop wurden der Gleichstellungsauftrag des Hochschulgesetzes und des Landesgleichstellungsgesetzes in Bezug auf Berufungsverfahren erläutert und die Verfahrenspraxis an der UDE vorgestellt.

 

Leitfaden Anforderungsprofil.pdf            (214.97 KB)
Berufungsworkshop.ppt                         (303.5 KB)
Wissenschaftsrat.pdf                            (231.65 KB)
Landesgleichstellungsgesetz NRW.pdf     (65,56 KB)
Grundordnung UDE                               (58 KB) 
Berufungsordnung UDE                         (66,9 KB)

OnlineCHEck Berufungen

Das CHE bietet für Verantwortliche und Gestalter(innen) von Berufungsprozessen einen Online-Selbsttest, der den Berufungsprozess in all seinen Facetten beleuchten und damit eine Reflexion über das Verfahren ermöglichen soll. Für die Analyse werden sieben Qualitätskriterien zu Grunde gelegt, u.a. Strategieorientierung, Transparenz und Controlling des Verfahrens oder Diversity Management. Die Auswertung ist anonym und kostenlos.

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HIS-Studie zur Qualitätssicherung in Berufungsverfahren unter Gleichstellungsaspekten

Forum Hochschule 2|2011 der Hochschul-Informations-System GmbH (HIS) dokumentiert die Ergebnisse einer Studie zur „Qualitätssicherung in Berufungsverfahren unter Gleichstellungsaspekten“ in Niedersachsen mit Empfehlungen für die Berufungspraxis. So haben die AutorInnen der Studie einen umfangreichen Katalog mit konkreten Handlungsempfehlungen zusammengestellt (ab. S. 42):

  • Rahmenbedingungen schaffen: z. B. Gleichstellungsziele so klar wie möglich im Hochschulentwicklungsplan definieren, Anreize für Fakultäten schaffen, Neuberufungsquoten nach dem Kaskadenmodell schaffen, Sicherstellung der Vermittlung von Verfahrenswissen (nicht bloßes Versenden von Infoblättern o.ä.)
  • Berufungsbeauftragte: eine möglichst von der Wissenschaft unabhängige Person als "HüterIn des Verfahrens" bestellen, die für das Einhalten von Ordnungen, Leitfäden u.ä. zuständig ist, etc.
  • Berufungskommission: Die Leitung des Faches, welches die Professur ausschreibt, sollte nicht den Vorsitz der Kommission besetzen etc. Auch sollte keine zufällige oder interessegeleitete Auswahl der Kommissionsmitglieder erfolgen. Nach Möglichkeit gilt es diese paritätisch mit stimmberechtigten Frauen und Männern zu besetzen, etc..
  • Befangenheiten: Sicherung des transparenten Umgangs mit diesen. Das Thema sollte fester Bestandteil des Verfahrens sein.
  • u.v.m.

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Blick über den Tellerrand

Leifaden der Ruhr-Universität Bochum
Die Ruhr-Universität Bochum hat einen Leitfaden verfasst, der Informationen für eine geschlechtergerechte Ausgestaltung von Berufungsverfahren zusammenstellt. Hier können Sie diesen herunterladen.

Landeskonferenz Niedersächsischer Hochschulfrauenbeauftragter (LNHF)
Nach Abschluss des ersten Benchmarkings an niedersächsischen Hochschulen zum Thema „Qualitätssicherung in Berufungsverfahren unter Gleichstellungsaspekten“ sind nun die Ergebnisse des Prozesses in Form der Broschüre „Gleichstellung als Kriterium in Berufungsverfahren“ erschienen. Anschaulich und pointiert werden in 10 Thesen die wichtigsten Kriterien für gute Verfahren zusammengefasst.

Umgang mit Befangenheit - Handreichungen
... der Leibiz Universität Hannover

Soziale Differentkategorien in Berufungsverfahren
Jennifer Jäckel untersucht im Rahmen eines Forschungsprojektes des Netzwerks Frauen- und Geschlechterforschung die Bedeutung sozialer Differenzkategorien in Berufungsverfahren. In ihrem Vortrag (pdf) des Forschungsforums Gender des EKfG im Wintersemester 11/12 präsentierte Jäckel erste Ergebnisse des Projektes.

Aktuelles Forschungsprojekt an der TU München
Das Fachgebiet Gender Studies in Ingenieurwissenschaften der TU München hat sich erfolgreich um das Kooperationsprojekt Genderation BeSt bemüht. Das vom BMBF im Rahmen der Ausschreibung "Frauen an die Spitze" geförderte und vom Europäischen Sozialfonds (ESF) ko-finanzierte empirische Sozialforschungsprojekt wird von Dezember 2011 bis Ende 2012 durchgeführt. Im Fokus des Projektes stehen Berufungsverfahren und die Drittmittelakquise.
Link: www.komm-mach-mint.de

Bildnachweis

Teller: Bild von MichaelDiederich (http://it.wikipedia.org/wiki/File:Dish_and_Knife.jpg)