Meldungen aus dem Historischen Institut
Mittelalterpreis für Jan-Hendryk de BoerPäpste ohne Rom

Politische Wirren, erbitterte Fehden, rivalisierende Adelsgeschlechter in Rom: Im Jahr 1309 ließ sich Papst Clemens V. daher in Avignon nieder statt im angestammten Sitz des Papsttums. Bis 1377 blieb die Stadt in der Provence Sitz der Kurie. Für seine Habilitationsschrift über diese Ausnahmezeit wird PD Dr. Jan-Hendryk de Boer vom Historischen Institut der Universität Duisburg-Essen nun mit dem Mittelalterpreis der „Michael-und-Claudia-Borgolte-Stiftung“ an der Humboldt-Universität zu Berlin ausgezeichnet. Der Preis wird seit 2016 alle zwei Jahre verliehen und ist mit 10.000 Euro dotiert.
In seiner Monographie Das Avignoneser Papsttum ermöglichen. Zur Legitimation einer angefochtenen Institution untersucht Jan-Hendryk de Boer die Zeit zwischen 1309 und 1377, als insgesamt sieben Päpste überwiegend in Avignon residierten. In Rom war das Oberhaupt der Kirche umgeben von Orten, Ritualen und Symbolen, die seine Stellung untermauerten: Die Gräber der Apostel Petrus und Paulus sowie die zahlreichen Reliquien der römischen Kirchen verliehen dem Amt Würde und Macht. Auch der einzigartige Glanz der Weltstadt Rom trug dazu bei, denn bis heute wird jeder Papst mit seiner Wahl zugleich Bischof von Rom. In Avignon hingegen fehlten diese sichtbaren und unsichtbaren Legitimationen des Amtes gänzlich.
„Das Mittelalter ist eine Zeit, in der Tradition einen sehr hohen Wert hatte“, führt de Boer aus. „Was passiert nun, wenn eine mächtige Institution wie das Papsttum plötzlich die Verbindung zu einem Teil ihrer Traditionen verloren hat? Daraus entstehen ganz neue Handlungsmöglichkeiten, die Päpste und Kurie ebenso kreativ wie wirkungsvoll genutzt haben.“ Päpste kommunizierten vor allem in Briefen, Urkunden und Predigten. Um bei den Adressat:innen, u. a. weltlichen Herrscher:innen, Bischöfen und Städten, die erwünschte Wirkung zu erzielen, hat das Avignoneser Papsttum effektive Techniken und Strategien angewandt: So haben die Päpste etwa in ihren Briefen betont, über besonders gute und verlässliche Informationen zu verfügen, auf deren Grundlage sie der jeweiligen Situation angepasste Entscheidungen treffen konnten. Zudem inszenierten sie sich als Vermittler in Konfliktsituationen und als vorausschauende Akteure, die durch ihr Handeln der Kirche und den Menschen eine gute Zukunft ermöglichen würden.
Für seine nun ausgezeichnete Monographie wurde de Boer dieses Jahr an der Fakultät für Geisteswissenschaften der Universität Duisburg-Essen (UDE) habilitiert. Die prämierte, noch unveröffentlichte Arbeit entstand innerhalb des DFG-Graduiertenkollegs Vorsorge, Voraussicht, Vorhersage. Kontingenzbewältigung durch Zukunftshandeln sowie in der Abteilung von Prof. Dr. Benjamin Scheller am Historischen Institut der UDE.
Im Bild: Bleibulle (Siegel) des von 1342 bis 1352 amtierenden Papstes Clemens VI. in den Archives municipales in Avignon. Für seine Habilitationsschrift über das Papsttum in Avignon wird PD Dr. Jan-Hendryk de Boer mit dem Mittelalterpreis ausgezeichnet.
Weitere Informationen:
PD Dr. Jan-Hendryk de Boer, Historisches Institut, jan-hendryk.de-boer@uni-due.de
Redaktion: Birte Vierjahn, Tel. 0203/37 9-2427, birte.vierjahn@uni-due.de
Stellenausschreibung: Wissenschaftliche Hilfskraft mit Bachelor-Abschluss
Gesucht wird zum 01.07.2026 eine wissenschaftliche Hilfskraft (5 bis 10 Std./Woche) für die Katalogisierung der Bibliotheksbestände des Salomon Ludwig Steinheim-Instituts für deutsch-jüdische Geschichte und den Import der Katalogisate in Primo, das Suchportal der Universitätsbibliothek. Die Einarbeitung erfolgt in Zusammenarbeit mit der UB. Bewerbungsschluss ist der 13.05.2026. Zur Ausschreibung
"Ran an die Quellen" - Studierendenworkshop im Landesarchiv NRW
Auch in diesem Jahr lädt das Landesarchiv NRW Studierende nordrhein-westfälischer Universitäten zum Workshop „Ran an die Quellen!" in die Abteilung Rheinland nach Duisburg ein.
Die Veranstaltung findet am 12. Juni 2026 statt. Sie dient dem Kennenlernen des Landesarchivs NRW und der Arbeit mit archivischen Quellen. Weitere Informationen zur Veranstaltung finden Sie hier.
Stellenausschreibung des Steinheim-Instituts
Am Salomon Ludwig Steinheim-Institut für deutsch-jüdische Geschichte an der Universität Duisburg-Essen ist zum nächstmöglichen Zeitpunkt eine Stelle als wissenschaftliche:r Mitarbeiter:in (m/w/d) in Teilzeit (75 %) befristet für die Dauer von zunächst zwei Jahren zu besetzen. Zur Ausschreibung
The Best of Frenemies - Englischsprachiges Hauptseminar im SoSe 2026

Nachruf auf Prof. Dr. Wolfgang Hartung, 19. Juni 1946 – 27. Januar 2025

Das Historische Institut trauert um sein langjähriges Mitglied Prof. Dr. Wolfgang Hartung.
Wolfgang Hartung wurde 1946 in Simmerberg im Allgäu geboren. Er besuchte die Volksschule in Scheidegg und anschließend das mathematisch-naturwissenschaftliche Gymnasium in Lindenberg, wo er 1966 das Abitur ablegte. Im Wintersemester 1966/67 nahm er das Studium der Geschichte, der Germanistik und der Romanistik an der Ludwig-Maximilians-Universität München auf.
Für den akademischen Werdegang Wolfgang Hartungs wurden die Seminare des Mediävisten Karl Bosl am Institut für Bayerische Geschichte zur entscheidenden Weichenstellung: Dessen neuartige sozialgeschichtliche Ansätze lieferten ihm wertvolle Anregungen für die eigenen Forschungen und sollten sein wissenschaftliches Oeuvre entscheidend prägen. Dies zeigt bereits seine 1971 bei Karl Bosl entstandene Dissertation „Lindenberg im Allgäu. Herrschaftliche, gesellschaftliche und wirtschaftliche Strukturen von den Anfängen bis in das 20. Jahrhundert“, die sich unter verschiedenen Aspekten mit der Dynamik der sozial- und wirtschaftsgeschichtlichen Entwicklung des Ortes zwischen dem 8. und dem 19. Jahrhundert befasst.
Nach kurzzeitiger Tätigkeit im Schuldienst trat 1974 Wolfgang Hartung eine Assistentenstelle an der damals gerade im Aufbau befindlichen Universität-Gesamthochschule Duisburg an, an der er bis zu seiner Pensionierung im Jahre 2011 (nunmehr der fusionierten Universität Duisburg-Essen) fast vier Jahrzehnte lang als Akademischer Rat und apl. Professor Mittelalterliche Geschichte lehrte.
Im Wintersemester 1979/80 habilitierte sich Wolfgang Hartung am Fachbereich 1 der Universität Duisburg mit einer ebenfalls auf Anregung Karl Bosls entstandenen Arbeit, die die Stammesbildung der Alemannen und Baiern im frühen Mittelalter zum Gegenstand hat. Sie erschien 1983 unter dem Titel „Süddeutschland in der frühen Merowingerzeit. Studien zu Gesellschaft, Herrschaft, Stammesbildung bei Alamannen und Bajuwaren“.
Mit den beiden Qualifikationsschriften sind zwei wichtige Themenschwerpunkte der Forschungen Wolfgang Hartungs angesprochen, die sein wissenschaftliches Werk in besonderer Weise kennzeichnen: Regionalgeschichtliche Arbeiten zur Geschichte Vorarlbergs und des Westallgäus sowie Veröffentlichungen zur Genese und Entwicklung der frühmittelalterlichen gentes. Dazu gesellen sich Untersuchungen zur Geschichte des frühmittelalterlichen Adels und Publikationen zu Randgruppen in der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Gesellschaft. In den Zusammenhang der Beschäftigung mit gesellschaftlichen Außenseitern gehört auch sein 2003 erschienenes Buch „Die Spielleute im Mittelalter. Gaukler, Dichter, Musikanten“. Als Mitbegründer und Leiter des 1986 gegründeten „Memminger Forums für schwäbische Regionalgeschichte e. V.“ organisierte er eine ganze Reihe von Tagungen zu verschiedenen Themen der süddeutschen Landes- und Adelsgeschichte, deren Vorträge in mehreren Tagungsbänden veröffentlicht wurden.
Wolfgang Hartung war ein leidenschaftlicher akademischer Lehrer, der die Hörer in Vorlesungen und Seminaren mit seinem großen Engagement und seiner Begabung, komplexe Sachverhalte plastisch dazustellen, zu begeistern wusste. Er scharte einen großen Kreis von ihm treu ergebenen Schülern um sich, die der „Meister“, wie ihn viele anerkennend nannten, erfolgreich zum Staatsexamen und zu akademischen Abschlüssen führte. Gastprofessuren führten Wolfgang Hartung nach Russland (Saratow) und nach Marokko. Legendären Ruf genossen seine immer stark nachgefragten wissenschaftlichen Exkursionen, die in die Provence, ins Elsass, nach Oberitalien, nach Spanien und nach Marokko, aber auch in die ihm besonders vertrauten heimatlichen Gefilde rund um den Bodensee führten: Hier konnte er den Studierenden die Einbettung geschichtlicher Vorgänge in natürliche und vom Menschen geformte Räume verdeutlichen und ihnen historische Kenntnisse und Methoden in situ vermitteln, was ihm immer ein besonderes Anliegen war. Es traf sich daher gut, dass er zum Ende seiner Dienstzeit im Juli 2011 von Studierenden und Kollegen im Rahmen einer Exkursion an der Via Appia vor den Toren Roms mit einer Feier in den Ruhestand verabschiedet werden konnte, in der seine Verdienste als Forscher und Lehrer gebührend gewürdigt wurden.
Nach seiner Pensionierung kehrte Wolfgang Hartung nach Scheidegg im Allgäu zurück, wo er sich wieder intensiver mit der Geschichte und Kultur seiner Heimat beschäftigte und unter anderem der Neuordnung des örtlichen Archivs widmete. Am 27. Januar 2025 ist Wolfgang Hartung hier im Alter von 78 Jahren gestorben. Das Historische Institut der Universität Duisburg-Freiburg wird dem geschätzten Kollegen stets ein ehrendes Andenken bewahren.
Zulassungsfreie Einschreibung zum Wintersemester 2025/26
Zum WiSe 2025/26 sind im Fach Geschichte die Studiengänge 2-Fach-Bachelor, LA Bachelor GyGe und LA Bachelor HRSGe zulassungsfrei. Die Einschreibung in zulassungsfreie Studiengänge erfolgt online über das HISinOne-Portal. Weitere wichtige Informationen zur Einschreibung und den erforderlichen Unterlagen für zulassungsfreie Studienfächer finden Sie hier.
Neue Prüfungsordnungen in den Bachelorstudiengängen ab dem WiSe 2025/26 - Möglichkeiten zur vorzeitigen Umschreibung
In den BA-Studiengängen 2-Fach, LA GyGe, LA HRSGe, LA SoPäd gelten ab dem WiSe 2025/26 neue Prüfungsordnungen. Diese sind auf den entsprechenden Studiengangsseiten und dem Reiter Studienstart bereits verlinkt. Weitere Informationen zu den wichtigsten Änderungen in den Prüfungesordnungen finden Sie hier.
Vorzeitige Wechsel aus den derzeitig gültigen Studienordnungen in die neuen Studienordnungen sind problemlos möglich. Wenn ein solcher Wechsel für Sie infrage kommt, melden Sie sich bitte bis zum 31.08.2025 per Mail unter Angabe Ihres Namens und Ihrer Matrikelnummer bei Daniela Rittkwoski oder Dr. Sonja Richter.
Neues vom 2-Fach-Masterstudiengang "Geschichtspraxis interkulturell"
Einladung zur Informationsveranstaltung zum 2-Fach-Masterstudiengang "Geschichtspraxis interkulturell" am 2. Juli 2024 von 10 bis 12 Uhr in Raum R12 V02 D20. Studierende der aktuellen Praxisphase berichten u. a. über ihre Erfahrungen in verschiedenen Kultureinrichtungen.
Bei Rückfragen wenden Sie sich an Frau Dorothea Bessen (dorothea.bessen@uni-due.de).
Erlebnis ArchivStudierende beschnuppern die Archivarbeit
Am 20. Oktober fand die diesjährige Abschlusssitzung der Veranstaltung „Erlebnis Archiv“ in der Abtei Brauweiler bei Köln statt. Die Kooperation zwischen den rheinischen Universitäten und dem Landschaftsverband Rheinland besteht seit über 15 Jahren, sie vermittelt Studierende in Archivpraktika und ermöglicht ihnen einen umfassenden Einblick in den Bereich der Archivkunde. Erfreulicherweise gehören auch Duisburg und Essen – und damit das Historische Institut – zum Gebiet des LVR, dessen Grenze inmitten des Ruhrgebiets verläuft. Neben der UDE beteiligen sich auch die Universitäten Bonn, Düsseldorf, Köln und Wuppertal.
Das vielfältige Programm der Abschlusssitzung rundete die Vorstellung der Archivarbeit ab: Dr. Wolfgang Rosen vom LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte in Bonn zeigte am Beispiel der Rheinischen Landes- und Regionalgeschichte den Zusammenhang von historischer Forschung und Archiven. Dr. David Hecken vom Landesarchiv NRW stellte Berufswege ins Archivwesen vor. Die Berichte der Praktikumsteilnehmenden vermittelten anschließend einen Eindruck von der Bandbreite und Aufgabenvielfalt der im Rheinland und darüber hinaus existierenden Archive – ob auf Stadt-, Kreis- oder Landesebene, ob Konzern- oder Adelsarchiv.
Komplettiert wurde die Abschlusssitzung schließlich durch einen Einblick in die Geschichte der Abtei selbst und ihre Nutzung als Arbeitsanstalt Brauweiler im 19. und 20. Jahrhundert, besonders auch zwischen 1933 und 1945.