Geschichte

Das Institut für translationale HIV-Forschung befindet sich auf dem Campus des Universitätsklinikums Essen (UK Essen) und ist eingegliedert in die Medizinische Fakultät der Universität Duisburg-Essen. Gegründet wurde es im Jahr 2016 durch Prof. Dr. Hendrik Streeck als Institut für HIV Forschung und es war damit das erste virologische Institut in Deutschland, welches sich ausschließlich der Erforschung des humanen Immundefizienzvirus (HIV) widmete. Nach dem Wechsel von Prof. Dr. Hendrik Streeck an die Universität Bonn im Jahr 2019, wurde die Institutsleitung an den bekannten Virologen Prof. Dr. Ulf Dittmer und den erfahrenen HIV-Mediziner PD Dr. Stefan Esser übergeben. Unter der neuen Doppelspitze wurde das Institut in Institut für translationale HIV-Forschung (ITHF) umbenannt um den Fokus der wissenschaftlichen Arbeit auf anwendungsbezogene Forschung zu betonen. Im Anschluss wurde das ITHF umstrukturiert und vollständig neu besetzt, sodass es jetzt durch die Einbindung mehrerer Nachwuchsgruppen, sowie einer Juniorprofessur, ein Inkubator für neue und innovative translationale HIV-Grundlagenforschung ist. Am ITHF wird zudem ein breites Portfolio an klinischer Forschung im Zusammenhang mit HIV durchgeführt, sodass translationale Grundlagenforschung und klinische Forschung im ständigen Austausch miteinander stehen.

Vision

Das ITHF dient als Kompetenzzentrum für angewandte HIV-Forschung. Zu diesem Zweck wird translationale Grundlagenforschung eng mit klinischer Forschung am Standort verknüpft. Die durchgeführten Forschungsarbeiten dienen der Generierung eines Impfstoffs gegen HIV, der Verbesserung der Behandlung von HIV-infizierten Patienten und der Entwicklung von neuen Ansätzen zur Heilung von HIV-Infizierten. Um bestmögliche Ergebnisse zu erzielen wird ein enger Austausch mit anderen HIV-Forschern, Forschern anderer Fachrichtungen, der angewandten Medizin und der biomedizinischen Industrie angestrebt. Zusätzlich wird das ITHF durch einen wissenschaftlichen Beirat unterstützt, der sich aus renommierten Experten der verschiedenen Forschungsschwerpunkte zusammensetzt (Prof. Dr. Dunja BruderProf. Dr. Klaus Überla, Prof. Dr. Georg Behrens und Prof. Dr. Jan Münch). Das ITHF hat sich zudem der Förderung von Nachwuchswissenschaftlern verschrieben und vermittelt Grundlagen- und Fachwissen über HIV an Biologen, Biomediziner und Mediziner im Rahmen ihrer Ausbildung weiter.

Translationale Grundlagenforschung

Die translationale Grundlagenforschung am ITHF widmet sich der Untersuchung der Immunantwort gegen HIV mit dem Ziel eine Infektion mit HIV zu verhindern, besser kontrollieren oder heilen zu können. Untersucht wird in der Arbeitsgruppe von PD Dr. Kathrin Sutter die durch Interferon I vermittelte Immunantwort gegen HIV, die direkt nach der Infektion erfolgt. Die Arbeitsgruppe von Frau Dr. Elisabeth Littwitz-Salomon widmet sich der Erforschung der antiviralen Funktion von Natürlichen Killerzellen und ob diese Zellen für therapeutische Zwecke moduliert werden können. Es wird zudem analysiert, was eine gegen HIV schützende Immunantwort im Detail ausmacht. Dafür wird einerseits mit Hilfe des Maus-Leukämie-Virus-Modells (Prof. Dr. Ulf Dittmer) geforscht und andererseits die nicht-neutralisierenden Antikörperantwort nach HIV-Infektion untersucht (Prof. Dr. Christina Karsten). Basierend auf den gewonnenen Erkenntnissen werden neue Strategien zur Impfstoffentwicklung getestet, bei denen die Zucker bedeckte Oberfläche von HIV-Immunogenen modifiziert wird (Prof. Dr. Christina Karsten). Weiterhin widmet sich die Arbeitsgruppe von Dr. Roland Schwarzer der Entwicklung von neuen Strategien zur Auslöschung des HIV Reservoirs, welches die größte Barriere zur Heilung einer HIV-Infektion darstellt.

Die translationale Grundlagenforschung findet in modernen Laboratorien der Sicherheitsstufe S1/B2 und S2/B3** statt, sowie über eine Zusammenarbeit mit dem Institut für Virologie in einem Labor der Sicherheitsstufe S3. Die Labore am TIHF sind u.A. ausgestattet mit 6 hochwertigen Zellkulturbänken, sowie Spezialgeräten zur Proteinproduktion und -aufreinigung, Zell-Metaboliten-Analyse und zur Durchführung von Hochdurchsatz-Durchflusszytometrie und –ELISAs. Zugang zu weiterer hochwertiger Infrastruktur für z.B. Tierhaltung, hochauflösende Bildgebung oder Genomanalyse, ist möglich über diverse Technologiezentren des UK Essen.

Klinische Forschung

Seit 1985 werden im der Universitäts-Klinikum Essen sowohl stationär als auch ambulant Menschen, die mit einer HIV-Infektion leben, betreut. Seither hat sich die HIV-Schwerpunktambulanz mit jährlich rund 2000 medizinisch versorgten HIV-Infizierten zum größten Zentrum für HIV- und AIDS-Patienten im gesamten Ruhrgebiet und zur größten, an der nordrhein-westfälischen AIDS-Vereinbarung teilnehmenden Klinik entwickelt. Die ambulante Betreuung von HIV-Patienten erfolgt in der HPSTD-Ambulanz (Ambulanz für HIV/AIDS, Proktologie, STD (Geschlechtskrankheiten)) (Leiter: Priv.-Doz. Dr. med. Stefan Esser) der Klinik für Dermatologie und Venerologie (Klinikdirektor: Prof. Dr. med. Dirk Schadendorf), während die stationäre Versorgung überwiegend auf den Stationen der Klinik für Infektiologie (Klinikdirektor: Prof. Dr. med. Oliver Witzke) durchgeführt wird. Sowohl klinisch und psychosozial als auch wissenschaftlich arbeitet die HPSTD Ambulanz interdisziplinär, interinstitutionell und breit vernetzt mit verschiedenen Kooperationspartnern zusammen.

Vernetzung

Am UK Essen ist das ITHF Teil des Westdeutschen Zentrums für Infektiologie (WZI). Das WZI ist eine übergeordnete Organisation, die alle Institute und Kliniken am UK Essen bündelt, die sich mit der Erforschung, Prävention, Diagnostik und Therapie von Infektionskrankheiten beschäftigen. Die Einbindung des ITHF in das WZI verstärkt daher den aktiven Austausch und die gemeinsame Forschung mit anderen Bereichen, insbesondere der Virologie, Immunologie und Infektiologie am Standort. Überregional ist das ITHF über Forschungsprojekte mit dem Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) assoziiert, einem breit aufgestellten Netzwerk von in Deutschland tätigen Virologen, Mikrobiologen und Immunologen. Das ITHF arbeitet weiterhin direkt mit der biomedizinischen Industrie zusammen, einschließlich ViiV Healthcare, Gilead Sciences, MSD, Janssen und GSK. In diesem Zusammenhang werden von Forschern am ITHF initiierte Forschungsprojekte durch die Industriepartner gefördert und zusätzlich Auftragsforschung zur Verbesserung der Therapiemöglichkeiten von HIV-infizierten Patienten durchgeführt. Die Institutsmitglieder am ITHF sind außerdem einer Vielzahl von Fachgesellschaften zugehörig (ASMDAGNÄ, DDG, DGFI, DGI, SFG) und bei einigen in dessen Vorstand vertreten (DAIG, DSTIG, GfV). Weiterhin wird durch den Institutsleiter PD Dr. Stefan Esser die Landeskommission AIDS NRW im Vorstand unterstützt, an der Arbeit des KV Prüfungsausschuss AIDS Vereinbarung mitgewirkt und die AIDShilfe Essen in die Betreuung von Patienten eingebunden.