Master/Bachelor
Einfluss der Quaggamuschel auf die Nahrungsverfügbarkeit von Fischen in der Möhnetalsperre – Lösungsansätze für ein angepasstes, fischereiliches Management
In Kooperation zwischen der Universität Duisburg-Essen und dem Ruhrverband
Hintergrund:
Die aus dem Schwarzmeerraum stammende invasive Quaggamuschel (Dreissena rostriformis bugensis) wurde im Jahr 2025 gesichert in der Sorpe- und Möhnetalsperre des Ruhrverbands nachgewiesen. Das Auftreten von Massenpopulationen in beiden Gewässern deutet darauf hin, dass die initiale Besiedlung bereits mehrere Jahre zuvor erfolgt sein muss.
Aufgrund ihrer hohen Filtrationsleistung ist die Quaggamuschel in der Lage, bei entsprechenden Populationsdichten das trophische Gefüge aquatischer Ökosysteme maßgeblich zu verändern. Durch die intensive Filtration von Phytoplankton wird dem Zooplankton eine wesentliche Nahrungsgrundlage entzogen, was kaskadenartige EVekte bis in höhere trophische Ebenen zur Folge hat. Darüber hinaus führt die Aktivität der Muscheln zu einer Umlagerung von NährstoVen aus dem Pelagial in benthische Kompartimente. In Kombination mit den durch die Massenbestände entstehenden, riVartigen Strukturen ergeben sich zusätzliche Habitatangebote für Makrozoobenthos-organismen, die oVenbar von der Präsenz der Quaggamuschel profitieren, da sie sich von den Ausscheidungen der Muscheln ernähren.
Die Talsperren des Ruhrverbands werden durch die Fachgruppe Fischwirtschaft/Fischökologie mit dem Ziel eines ausgewogenen Fischbestands bewirtschaftet, um die ökologische Funktionsfähigkeit und eine hohe Wasserqualität nachhaltig zu sichern. Bei den meisten Fischarten wird jedoch in der Möhnetalsperre ein sogenannter FlaschenhalseVekt in frühen Juvenilstadien beobachtet, der auf das stark reduzierte Zooplanktonangebot zurückzuführen ist. Ebenso ist zu sehen, dass präadulte und adulte Individuen verschiedener Fischarten sich vermehrt von Gammariden ernähren.
Ziel:
Ziel der ausgeschriebenen Abschlussarbeit ist es, vor allem am Beispiel der Fischarten Große Maräne (Coregonus lavaretus), Flussbarsch (Perca fluviatilis), Rotauge (Rutilus rutilus) und Brasse (Abramis brama) zu untersuchen, ab welcher Alters- bzw. Größenklasse ein Wechsel von der planktivoren zu benthivoren Ernährung erfolgt und in welchem Umfang Makroinvertebraten, insbesondere Gammariden aus den Muschelbänken als Nahrung genutzt werden. Zudem soll die planktivor lebende kleine Maräne (Coregonus albula), auf den Konsum von Quaggamuschellarven untersucht werden.
Hierzu werden Wildfänge in der Möhnetalsperre im Zeitraum September und Oktober 2026 durchgeführt. Die Fische sollen mittels stabiler Isotopenanalyse (Muskel- und Lebergewebe) hinsichtlich ihrer Ernährungsweise untersucht werden, als potenzielle Nahrungsquellen werden Phyto- und Zooplankton, Makrozoobenthosorganismen (insbesondere Gammariden) sowie Quaggamuschellarven untersucht.
Zusätzlich sollen visuelle Magenanalysen, die Untersuchung des Korpulenzfaktors und des hepatosomatischen Indexes weitere Informationen über den Ernährungs- und Gesundheitszustand der Fische liefern. Darüber hinaus sind fischparasitologische Untersuchungen geplant.
Die Ergebnisse sollen dazu beitragen, Bewirtschaftungsstrategien zu optimieren, insbesondere im Hinblick auf eine angepasste Aufzucht von Besatzfischen, um den identifizierten trophischen Engpass in frühen Entwicklungsstadien gezielt zu überbrücken.
Anforderungen an Bewerbende:
- Studium im Bereich Fischereibiologie, Aquatische Biologie, Umweltwissenschaften oder einem erwandten Fachgebiet
- Grundkenntnisse in Fischökologie und trophischen Interaktionen aquatischer Systeme
- Interesse an experimenteller Arbeit sowie Bereitschaft zur Durchführung von Freiland- und Laboruntersuchungen
- Selbstständige, strukturierte Arbeitsweise sowie Teamfähigkeit
- Erfahrung im Umgang mit statistischen Auswertungsmethoden (z. B. R, Python oder vergleichbare Software) ist von Vorteil
Betreuung und Rahmenbedingungen:
- Praktische Betreuung durch die Fachgruppe Fischwirtschaft/Fischökologie des Ruhrverbands in Kooperation mit der Universität Duisburg-Essen, Arbeitsgruppe Aquatische Ökologie
- Durchführung der praktischen Arbeiten am Standort der Fischerei am Möhnesee, Durchführung der Laborarbeiten an der Universität Duisburg-Essen
- Enge fachliche Begleitung sowie Einbindung in laufende Monitoring- und Bewirtschaftungsprogramme
- Beginn zum frühestmöglichen Zeitpunkt
Kontakt:
Universität Duisburg-Essen
Prof. Dr. Bernd Sures, Aquatische Ökologie
Ruhrverband
Abt. Flussgebietsmanagement
Fischwirtschaft / Fischökologie
Seestraße 48
59519 Möhnesee
Markus Kühlmann
mkh@ruhrverband.de