Jennifer Tyralla, M. A.

Arbeitstitel der Promotion

Jugendliche in Esssituationen in unterschiedlichen nicht-institutionalisierten und institutionalisierten Alltagssettings

 

Erstgutachterin: Prof.in Dr.in Nina Thieme

Zweitgutachterin: Prof.in Dr.in Katharina Gosse

Kontakt

Universität Duisburg-Essen
Universitätsstraße 2
45141 Essen

E-Mail: jennifer.tyralla@stud.uni-due.de

Abstract

Die Dissertation untersucht Esssituationen im Alltag Jugendlicher und rückt Jugendliche als aktive (Mit-)GestalterInnen ins Zentrum der Untersuchung. Während bisherige Studien primär institutionalisierte Kontexte wie Familie oder Schule adressieren, verfolgt die Forschung einen lebensweltorientierten Ansatz, der Jugendliche als Subjekte adressiert, welche Esssituationen in unterschiedlichen Alltagssettings eigenständig prägen (vgl. Thiersch et al., 2012).

Esssituationen werden dabei nicht lediglich als Rahmen der Nahrungsaufnahme gefasst, sondern als soziale und kulturelle Praktiken, in denen Aushandlungsprozesse, Beziehungskonstellationen und Distinktionsstrategien sichtbar werden. So zeigt sich etwa in familiären Mahlzeiten „das soziologische Gebilde der Mahlzeit“ (Simmel, zit. nach Kramme & Rammstedt, 2001, S. 140), was für Jugendliche Stabilität und Orientierung bieten kann, während in Peer-Kontexten flexible, kreative und häufig snackorientierte Praktiken auf kollektive Zugehörigkeit und soziale Aushandlung verweisen (Shaw et al., 2023; Kaufmann, 2006; Setzwein, 2004). Und auch das scheinbar beiläufige Essen alleine trägt eine individuelle Bedeutung (vgl. Kaufmann, 2006; Bartsch, 2011).

Methodisch basiert die Dissertation auf einem ethnografischen Design mit beobachtender Teilnahme (vgl. Hitzler & Gothe, 2015). Das Forschungsdesign ermöglicht nicht nur ein Verstehen situativer Eigenlogiken einzelner Mahlzeiten, sondern durch die Begleitung Jugendlicher im Alltag ebenfalls eine Untersuchung von sozialen Dynamiken, in denen Jugendliche Esssituationen aktiv (mit)gestalten.

Die Thematik lässt sich in Abgrenzung zu defizitorientierten Diskursen verorten. Esssituationen werden als Spiegel jugendlicher Lebenswelten und Identitätsarbeit konturiert (vgl. Hurrelmann & Quenzel, 2022), sodass die Dissertation theoretische wie empirische Impulse hin zu einem Perspektivwechsel sinnbehafteter Handlungspraktiken im Kontext Alltag bietet.

 

Literatur

Bartsch, S. (2011): Familienmahlzeiten aus Sicht der Jugendlichen, in: Schönberger, G., Methfessel, B. (Hrsg.): „Mahlzeiten“, VS.

Hitzler, R., Gothe, M. (2015): Zur Einleitung: Methodologisch-methodische Aspekte ethno graphischer Forschungsprojekte, in: Hitzler, R., Gothe, M. (Hrsg.): Ethnographische Erkundungen: Methodische Aspekte Aktueller Forschungsprojekte, Springer, S. 9-18.

Hurrelmann, K., Quenzel, G. (2022): Lebensphase Jugend: Eine Einführung in die sozialwissenschaftliche Jugendforschung, 14. überarbeitete Auflage, Beltz Juventa.

Kaufmann, J.-C. (2006): Kochende Leidenschaft: Soziologie vom Kochen und Essen, UVK-Verl.-Ges.

Kramme, R., Rammstedt, A. (2001): Georg Simmel-Aufsätze und Aushandlungen 1908-1918, Band I, Suhrkamp.

Setzwein, M. (2004): Ernährung - Körper - Geschlecht: Zur sozialen Konstruktion von Geschlecht im kulinarischen Kontext, Vol. 199, VS.

Shaw, S. et al. (2023): The interplay between social and food environments on UK adolescents' food choices: implications for policy, Health Promotion International, 38 (4), S. 1-13.

Thiersch et al. (2012): Lebensweltorientierte Soziale Arbeit, in: Thole, W. (Hrsg.): Grundriss Soziale Arbeit: Ein einführendes Handbuch, 4. Auflage, VS, S. 175-198.