Lernen durch Engagement im Praxissemester des Lehramtsstudiums | Educational Research and Schooling

Service Learning Lernen durch Engagement im Praxissemester

Für die durch Studierende und Lehrerausbildende an Schulen eingeschätzte hohe Wirksamkeit von Praxisphasen, fehlten lange Zeit empirische Nachweise. Aktuellere Studien zeigen, dass sich die Wirkungen und Wahrnehmungen zwischen Studierenden vor, während und nach den Praxisphasen unterscheiden (z.B. Hascher 2006). Dies gilt es auch für das Praxissemester zu überprüfen, insbesondere mit Blick auf die professionelle und allgemeine Kompetenzentwicklung sowie Wahrnehmung und Einstellung der Studierenden.

Die Lehr-Lernform Service Learning (in Deutschland auch als „Lernen durch Engagement“ benannt) verbindet als demokratiepädagogischer Ansatz in spezifischer Weise die Kompetenzvermittlung mit gesellschaftlichem Engagement (Backhaus-Maul/Roth 2013) und erzielt hinsichtlich verschiedener Kompetenzen Wirkungen, die sich grob drei Bereichen zuordnen lassen (Billig 2000, Seifert 2011):

  1. Akademisches Lernen: Studierende, die Service Learning betrieben, zeigten deutlich bessere Leistungen, als jene, die dies nicht taten (Davila/Mora 2007; Furco 2007; Furco 2002; Klute 2002; Klute/Billig 2002; Melchior/Bailis 2001; Billig/Meyer 2002; Billig 2000; Eyler/Giles 1999; Melchior 1999),
  2. Soziale und persönliche Kompetenzen: Die Teilnahme an Service Learning Projekten verbessert soziale Kompetenzen und steigert das Selbstwirksamkeitsgefühl (Billig 2000; Martin et al. 2006; Meyer/Billig 2003; Morgan/Streb 2001; Scales et al. 2000; Yates/Youniss 1996).
  3. Zivilgesellschaftliche Einstellungen und Bürgerschaftliches Engagement: Service Learning schafft eine höhere Sensibilität für Probleme in der Gemeinde  und steigert die Identifikation mit der eigenen Gemeinschaft und demokratischen Werten sowie das generelle Interesse an politischen Teilhabemöglichkeiten (Billig 2002; Meyer 2006; Meyer 2003; Yamauchi et al. 2006).

Diese Befunde stützen sich auf die Kompetenzentwicklung derjenigen, die selbst den Service durchführen, den Service-Gebern. Kaum untersucht wurde hingegen die Wirksamkeit für diejenigen, die Service Learning Projekte anleiten, den Service-Geber-Anleitern. Zudem wurden hauptsächlich die Wirkungen auf Schülerinnen und Schüler untersucht. Es gilt zu prüfen, wie es sich bei Lehramtsstudierenden verhält. Dies soll im vorliegenden Forschungsvorhaben überprüft werden.

Fragestellung

Die übergeordnete Fragestellung ist, inwiefern sich die professionsbezogenen und allgemeinen Kompetenzen sowie die Berufsmotive von Studierenden über das Praxissemester unter divergierenden Vorbereitungs- und Durchführungsvorgaben beim Einsatz von Service Learning unterscheiden. Zwei Gruppen von Studierenden werden in ihrem Praxissemester Service Learning in unterschiedlichen pädagogischen Rollen umsetzen: als (1) Service-Geber oder als (2) Service-Geber-Anleiter. Diese werden wiederum mit (3) Studierenden kontrastiert, die in ihrem Praxissemester kein Service Learning anbieten.

Methode

Den Rahmen der Untersuchung bildet das in NRW in die Lehramtsausbildung aufgenommene Praxissemester. Dieses wird an der Universität Duisburg-Essen erstmals im WiSe 2014/2015 anhand einer vorbereitenden Veranstaltung, der Forschungswerkstatt Bildungswissenschaften, eingeführt und im SoSe 2015 realisiert.

Zur Untersuchung der Wirksamkeit ist ein quasi-experimentelles Design mit drei, jeweils um rund sechs Monate auseinanderliegenden Messzeitpunkten (Pretest, Posttest und Follow-Up, jeweils als Onlinebefragung) vorgesehen. Dabei bildet die Art der Maßnahme die quasiexperi-mentelle unabhängige Variable ((1) Studierende als Service-Geber vs. (2) als Service-Geber-Anleiter). Als Kontrollgruppe dienen Lehramtsstudierende aus anderen Veranstaltungen.

Die Studierenden der Experimentalgruppe (angestrebtes N=120) werden zunächst allgemein und später in getrennten Forschungswerkstätten speziell auf ihre Rollen als Service-Geber-Anleiter bzw. Service-Geber im Praxissemester vorbereitet. Durch Rollenzuweisung per Losverfahren, soll eine gewisse Randomisierung erreicht werden.

Eine qualitative Follow-Up-Untersuchung mit semistrukturierten themenzentrierten Leitfadeninterviews von vier Akteursgruppen (Studierende, anleitende Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler, Schulleitung) soll vertiefende Erkenntnisse bringen. Im Sinne einer kontrastierenden Fallstudie sollen anhand einer Gegenüberstellung von erfolgreichen und weniger erfolgreichen Service Learning-Maßnahmen (ausgehend von der Kompetenzentwicklung) Hinweise auf Gelingensbedingungen von Service Learning im Praxissemester erfasst werden.

Projektteam

Prof. Dr. Marten Clausen
Prof. Dr. Hermann Josef Abs
Christina Funke
Daniela Langolf

Kooperationspartner

Karsten Altenschmidt für UNIAKTIV, Koordinations- und Entwicklungsstelle des Service Learn-ing-Lehrangebots der Universität Duisburg-Essen (UDE)

Finanzierung

Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen (2014 bis 2017)

Veröffentlichungen und Präsentationen

  • Funke, C./ Langolf, D./ Clausen, M./ Abs, H.J. (angenommen):  Lernen durch Engagement im Praxissemester – Eine quasiexperimentelle Wirksamkeitsstudie.  Posterbeitrag zur 3. Tagung der Gesellschaft für Empirische Bildungsforschung in Bochum.
  • Langolf, D./ Funke, C./ Clausen, M./ Abs, H.J. (2014): Lernen durch Engagement im Praxissemester. Vortrag auf der Tagung Engagement in der Lehre anlässlich der Auszeichnung von UNIAKTIV als „Ort des Fortschritts“ durch NRW ‐ Wissenschaftsministerin Svenja Schulze in Essen.

Link zur Arbeitsgruppe Unterrichtsforschung