Literaturwissenschaftliches & literaturdidaktisches Kolloquium

Das Literaturwissenschaftliche & literaturdidaktische Kolloquium ist eine langjährige etablierte Vortragsreihe, in der eine Vielzahl von renommierten Mitgliedern der Scientific Community und jüngere Nachwuchswissenschaftler*innen ihre Forschungen zur Diskussion stellen.

Aktuelles

Das literaturwissenschaftliche Kolloquium am germanistischen Institut der Universität Duisburg-Essen findet im Sommersemester mittwochs (18:00 c.t.) im Raum R11 T04 C45 statt. Externe Gäste sind herzlich eingeladen.

 

Termine Sommersemester 2026



29.04.2026: Dr. Nora Ramtke (Ruhr-Universität Bochum): Im Papierkorb der Redaktion? Amateur-Lyrik und literarische Partizipation um 1870

„Selbst der Lyriker ist jetzt zu einem Arbeiter geworden, der seines Lohnes werth ist, denn es ist ja bekannt, daß er gewöhnlich gar nichts bezahlt bekommt“, spottet Oscar Blumenthal in seinem satirischen Entwurf einer „Allgemeinen literarischen Börsenzeitung“ im Jahr 1876. Gedichte werden dennoch geschrieben und publiziert. Da Einsendungen von nicht-professionell Schreibenden einen wesentlichen Baustein im ökonomischen Fundament vieler literarischer Zeitschriften und Anthologien bilden, wirft das spannungsreiche Verhältnis von Ökonomie und Lyrik auch ein Licht auf die Geschichte literarischer Partizipation. Der Vortrag geht einem Geschäftsmodell nach, das im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts aus dem verbreiteten Wunsch entsteht, die eigenen Gedichte gedruckt zu sehen.

10.06.2026: Prof. Dr. Tanja Nusser (University of Cincinnati): "(K)ein Mensch sei mit sich identisch". Friedrich Dürrenmatts Der Auftrag und Der Winterkrieg aus differenztheoretischen Perspektiven gelesen

01.07.2026: Aynaz Salami (derzeit International Visiting Scholar an der UDE): Eine didaktische Untersuchung anhand ausgewählter Werke Bertolt Brechts im Bachelorstudiengang Deutsche Literatur im Iran

Der Vortrag thematisiert Herausforderungen des Literaturunterrichts im Bachelorstudiengang Deutsche Literatur im Iran, insbesondere im Bereich der Lehrveranstaltung „dramatische Literatur“. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass Studierende häufig Schwierigkeiten haben, dramatische Texte – insbesondere Werke Bertolt Brechts – in ihrer ästhetischen und performativen Dimension zu erfassen.

Vor diesem Hintergrund stellt die Präsentation zentrale Fragestellungen zum Medieneinsatz im Dramaunterricht und zeigt exemplarisch, wie dadurch neue Zugänge zu dramatischen Texten im DaF-Kontext eröffnet werden können. Im Fokus steht dabei die Frage, inwiefern der Einsatz von Medien den Zugang zu dramatischen Texten im DaF-Kontext erleichtern kann und welche didaktischen Potenziale sich daraus ergeben. Dabei werden unterschiedliche Medienformate – darunter audiovisuelle Materialien, Theateraufzeichnungen und digitale Lernumgebungen sowie digitale Tools (z. B. Kahoot) – berücksichtigt und in den Lehr-Lernprozess integriert. Exemplarisch anhand der Dramen Leben des Galilei und Mutter Courage und ihre Kinder Bertolt Brechts wird ein didaktisches Unterrichtsmodell für den universitären Kontext entwickelt, das eine aktive sowie handlungs- und produktionsorientierte Auseinandersetzung mit dramatischen Texten ermöglicht. Theoretisch stützt sich die Arbeit auf Ansätze der Literaturdidaktik (insbesondere handlungs- und produktionsorientierter Literaturunterricht) sowie der Mediendidaktik (vgl. Kerres 2018) und bezieht zudem zentrale Konzepte des epischen Theaters ein, insbesondere den Verfremdungseffekt.

Im Zentrum der Präsentation steht eine exemplarische intermediale Analyse der Dramen Leben des Galilei und Mutter Courage und ihre Kinder. Dabei wird gezeigt, wie der dramatische Text in Beziehung zu unterschiedlichen Medienformaten – etwa Theateraufführungen oder digitalen Umgebungen – gesetzt werden kann. Untersucht wird, inwiefern diese intermediale Perspektive das Textverständnis von Studierenden im DaF-Kontext unterstützt und zugleich neue Formen von Komplexität eröffnet. Im Rahmen eines empirischen Forschungsdesigns wird perspektivisch die Wirksamkeit dieses Modells durch den Vergleich zwischen traditionellem und mediengestütztem Unterricht untersucht. Die Datenerhebung erfolgt anhand von Pre- und Post-Tests sowie durch qualitative Verfahren wie Interviews und Fragebögen. Die Präsentation lädt zur Diskussion über mediengestützte Zugänge zu dramatischen Texten im DaF-Kontext ein.

08.07.2026: Prof. Dr. Nicolas Detering (Universität Bern): Das Rätsel der unbekannten Herkunft: Literatur und Waisenfürsorge um 1800

In der Literatur um 1800 erfährt das weltliterarische Motiv der unbekannten Herkunft eine Wendung ins Enigmatische und Dämonische. Anhand von Waisenerzählungen von Goethe, Kleist und Tieck wird der Vortrag zunächst die Sozial- und Gattungsgeschichte des Motivs nachzeichnen, um dann zu argumentieren, dass es just in dem Moment an Brisanz gewinnt, als die genealogische Ordnung des Ancien Régime zerbricht. Wie blickt die (vermeintlich) postgenealogische Kultur der Moderne auf Figuren, deren familiäre Zugehörigkeit und soziale Abkunft ungeklärt ist? Mit welchen institutionellen, sozialpolitischen und erzählerisch-sinngenerierenden Mitteln reagiert sie auf das Rätsel der Herkunftslosigkeit? 

15.07.2026: Dr. Christina Rossi (Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt): Normalität - eine narrative Struktur?

Im Vortrag wird zunächst die These, dass Normalität – bislang primär in soziologischen, biologischen und kulturwissenschaftlichen Diskurssträngen beheimatet und theoretisiert – grundsätzlich narrativ ist, also keine stabile kulturelle Kategorie ist, sondern durch narrative Strukturen und Praktiken entsteht, aufgestellt und dann anhand von Gegenthesen geschärft und diskutiert. Zunächst wird aus der kulturwissenschaftlichen Normalitätsforschung her argumentiert und anschließend im interdiskursiven Rückgriff auf Erzähltheorie und Rechtstheorie reflektiert, inwiefern Literatur als Modellraum für eine narrative Struktur fungiert, die Normalität nicht nur inszeniert, sondern auch produziert.

 

Das Programm-Archiv der vergangenen Jahre im Überblick

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