Literaturwissenschaftliches Kolloquium

Programm im Sommersemester 2019

Literaturwissenschaftliches Kolloquium an der Universität Duisburg-Essen

Sommersemester 2019
Jeweils mittwochs, 18-20 Uhr
Institut für Germanistik
Raum WST-C.02.12
Weststadttürme, Berliner Platz 6-8, 45127 Essen

 

„Interpretieren sollte man nicht allein“ (Klaus Weimar)

Das Literaturwissenschaftliche Kolloquium ist eine langjährige etablierte Vortragsreihe, in der eine Vielzahl von renommierten Mitgliedern der Scientific Community und jüngere Nachwuchswissenschaftler*innen ihre Forschungen zur Diskussion stellen.

 

Veranstaltet von Prof. Dr. Rolf Parr, Prof. Dr. Alexandra Pontzen, Prof. Dr. Jörg Wesche und den wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen der Neueren deutschen Literaturwissenschaft und -didaktik

Termine im Überblick

 10.04.2019  
Prof. Dr. Till Dembeck (Universität Luxemburg): Die Anderssprachigkeit der Romantik

 17.04.2019
 Prof. Dr. Isabelle Stauffer (Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt): Populäres Wissen um 1700: Die ersten deutschsprachigen Zeitschriften

05.06.2019
Dr. Nicolas Detering (Universität Konstanz): Kafkas Hungerkünstler und die Martyrologie des 19. Jahrhunderts

 19.06.2019  
Dr. Thomas Emmrich (Goethe-Universität Frankfurt): Das Subjekt der Lyrik: Hegel – Hölderlin – Adorno – Foucault

 26.06.2019  
Prof. Dr. Andrea Polaschegg (Universität Siegen): Randständigkeiten der Literatur. Medienpoetische und „praxeologische“ Überlegungen zu literarischen Verzeichnissen
 

Abstracts

10.04.2019

Prof. Dr. Till Dembeck (Universität Luxemburg)

Die Anderssprachigkeit der Romantik

Gemeinhin gilt die Romantik als diejenige intellektuelle Bewegung, die Einsprachigkeit im modernen Sinne instituiert hat, nämlich die Vorstellung, es sei für den Einzelnen natürlich, genau eine Sprache als Muttersprache zu beherrschen, der gegenüber alle anderen Sprachen nur Nebenrollen spielen können und die zugleich Quelle von Originalität und Definiens der Nation ist. Entsprechend wurde die ganz offenkundige Mehrsprachigkeit der (literarischen) Texte der europäischen Romantik eher als Randphänomenverstanden und kaum zum Gegenstand eigenständiger Forschungsanstrengungen gemacht. Der Vortrag versucht anhand konkreter Beispiele aus der sogenannten deutschen, englischen und französischen Literatur abzuschätzen, welchen Gewinn man aus einer Analyse der Anderssprachigkeit der Romantik ziehen könnte.

 

17.04.2019

Prof. Dr. Isabelle Stauffer (Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt)

Populäres Wissen um 1700: Die ersten deutschsprachigen Zeitschriften

Die Entstehung der deutschsprachigen Zeitschriften und die Verbreitung aufklärerischen Gedankengutes wurden bisher immer mit den Moralischen Wochenschriften verbunden. Dabei wurde vergessen, dass es schon rund dreißig Jahre vorher, mit den bekannten Monatsgesprächen (1688/89) von Christian Thomasius und den Relationes Curiosae von Eberhard Werner Happel (1683-1691) erste deutschsprachige Zeitschriften gab, die ebenfalls ein breiteres Publikum als nur Gelehrte erreichten. Auf der Grundlage neuester Forschung zur Entstehung der Zeitschrift sollen einige dieser Zeitschriften exemplarisch auf die für sie relevanten Kategorien der Neuheit und der Aktualität sowie auf die Wissensgebiete, die sie popularisieren, untersucht werden.

 

05.06.2019

Dr. Nicolas Detering (Universität Konstanz)

Kafkas Hungerkünstler und die Martyrologie des 19. Jahrhunderts

Der Vortrag ordnet Kafkas letzte Erzählung Ein Hungerkünstler zunächst in eine Reihe von Prosafragmenten ein, in denen Kafka das Problem der Heroischen und des heldenhaften Leidens in der Moderne reflektiert. Der Hungerkünstler soll dann als Aktualisierung einer bislang wenig erforschten ‚Martyrologie‘ gelesen werden, die sich im ästhetischen Denken vor allem des 19. Jahrhunderts ausbildete. Im Lichte dieser kunstreligiösen Tradition erscheint die Erzählung nicht mehr lediglich als zeitkritische Positionsbestimmung von Dichter und Gesellschaft, sondern als ironischer Kommentar zu den Märtyrerentwürfen früherer Poetologien, denen Kafka hier wie an anderen Stellen eine Kunst des Verschwindens entgegensetzt.

 

19.06.2019

Dr. Thomas Emmrich (Goethe-Universität Frankfurt)

Das Subjekt der Lyrik: Hegel – Hölderlin – Adorno – Foucault

Die Kunst, so lautet Hegels provokantes Diktum in den „Vorlesungen über die Ästhetik“, „ist und bleibt […] nach der Seite ihrer höchsten Bestimmung für uns ein Vergangenes“. An die Stelle der antiken attischen Tragödie, in der das lebendige Verhältnis zwischen Subjektivität und Substantialität mit seinem ganzen destruktiven Potenzial ausgestellt wurde, tritt in Hegels Systemlogik die Lyrik als literarisches Paradigma der Moderne. Vor dem Hintergrund der These, dass die Substantialität nicht länger in mehr oder weniger heroischen Individuen, sondern im modernen Staatswesen samt seinen Institutionen und dem kodifizierten Recht seine angemessene Repräsentation findet, dient die Lyrik Hegel lediglich als Medium subjektiver Selbstvergewisserung oder, um es in seinen Worten zu formulieren, der „Expektoration des eigenen Herzens“. Es soll dargelegt werden, dass Hölderlin die Prämissen der Hegelschen Ästhetik durchaus teilt, in seiner Verschränkung von Geschichtsphilosophie und Gattungspoetik indes zu einem diametral entgegengesetzten Lyrikverständnis gelangt: Nicht allein eine Reflexionsform subjektiver Vereinzelung und Versprengung ist die Lyrik für ihn; sie ist zugleich ein Medium des Erinnerns, des geduldigen Ausharrens und Schreibens gegen die „exzentrische Bahn“, auf der es den einstigen Zusammenhang von Subjektivität und Substantialität zu rehabilitieren gilt, damit die Kunst „nach der Seite ihrer höchsten Bestimmung“ eben kein „Vergangenes“ bleibt. Auch Adorno und Foucault verbinden mit der Lyrik der Moderne – bezeichnenderweise nicht zuletzt in ihrer Auseinandersetzung mit der lyrischen Spracherosion des späten Hölderlin – ein Freiheitsversprechen, lassen dieses sich aber in zwei unterschiedliche Richtungen verzweigen: Befreiung des Subjekts durch seine Überwindung in einer radikal intransitiven Sprache – dies ist die Offerte von Foucaults Hölderlin; Befreiung des Subjekts durch eine Rückkehr zu sich selbst, vermittelt durch eine parataktisch organisierte Sprache ohne sinnstiftendes, damit ohne sinnunterwerfendes Zentrum, diejenige von Adornos Hölderlin.

 

26.06.2019

Prof. Dr. Andrea Polaschegg (Universität Siegen)

Randständigkeiten der Literatur. Medienpoetische und „praxeologische“ Überlegungen zu literarischen Verzeichnissen

Wer sich je – aus Neigung, Forschungsinteresse oder didaktischer Not – mit lyrischen Texten beschäftigt hat, weiß um ihre Unverzichtbarkeit: Gäbe es keine alphabetischen Verzeichnisse von Gedichtanfängen und –titeln, ließe sich in keiner Lyrikanthologie und auch in keiner Werkausgabe das Gewünschte finden. Enthält der Lyrikband allein ein Inhaltsverzeichnis, erschwert das die Suche nach dem einzelnen Gedicht schon beträchtlich. Fehlt selbst das, bleibt nur das mehr oder minder zielgerichtete Blättern im Buch. Im Falle einer Novellen- oder Erzählsammlung wäre es dagegen völlig abstrus, ein alphabetisches Verzeichnis der Titel zu erwarten, ganz zu schweigen von einer Liste der „first lines“, die in keinem Fall dazu dienen würde, einen Text auch nur zu identifizieren. Und um einen Roman lesen zu können, bräuchte es wiederum überhaupt kein Verzeichnis. Hier decken sich schließlich Buch und Text. Gleichwohl ist den meisten Neuerscheinungen in diesem Gattungssegment ein Inhaltsverzeichnis beigegeben, das ohne vorherige Lektüre des Textes völlig opak bleibt und sicherlich nicht als Aufforderung zu verstehen ist, die Lektüre mit dem dritten oder letzten Kapitel zu beginnen.

Der Vortrag setzt sich diesem verwirrenden Einsatz literarischer Verzeichnisse auf die Spur, die bislang – trotz (oder womöglich gerade wegen) einer avancierten Paratext-Forschung strukturalistischer Provenienz – im toten Winkel der literaturwissenschaftlichen Aufmerksamkeit liegen. Dabei wird es um die Gebrauchsgeschichte literarischer Texte ebenso gehen wie um die Macht des Konzepts „Werk“ und schließlich um Fragen nach gattungspoetischen Eigengesetzlichkeiten im Horizont der – leserseitig so zentralen – Indizierung von Literatur.

Literaturwissenschaftliches Kolloquium Programm vorheriger Semester

Literaturwissenschaftliches Kolloquium an der Universität Duisburg-Essen

Programm SoSe 2019

Wintersemester 2018/19
Jeweils mittwochs, 18-20 Uhr
Institut für Germanistik
Raum WST-C.02.12
Weststadttürme, Berliner Platz 6-8, 45127 Essen

 

„Interpretieren sollte man nicht allein“ (Klaus Weimar)

Das Literaturwissenschaftliche Kolloquium ist eine langjährige etablierte Vortragsreihe, in der eine Vielzahl von renommierten Mitgliedern der Scientific Community und jüngere Nachwuchswissenschaftler*innen ihre Forschungen zur Diskussion stellen.

 

Veranstaltet von Prof. Dr. Rolf Parr, Prof. Dr. Alexandra Pontzen, Prof. Dr. Jörg Wesche und den wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen der Neueren deutschen Literaturwissenschaft und -didaktik

 

7. November 2018

Prof. Dr. Jochen Vogt (Universität Duisburg-Essen)

High or Low? Modern oder vormodern? Über den Kriminalroman als „mittlere Literatur“ – mit diesem oder jenem Beispiel aus den 1930er Jahren

 

Seit der Kriminalroman als eigenständige literarische Form wahrgenommen wird, also seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, wird über seinen Wert oder Unwert in literarischer, moralischer und bisweilen sogar gesellschaftspolitischer Hinsicht gestritten. Aber nur selten verdichten sich die außerordentlich diffusen Geschmacksbekundungen und oft willkürlichen  Urteile zu erkenntnisfördernden Diskursen oder fokussierten Kontroversen. Ich möchte zwei Fragen aufgreifen, die Ende am Ende des sog. Golden Age, also Anfang der 1930er Jahre in der Produktion sichtbar und in kritischen Äußerungen manifest werden. Ist dieses junge Genre auch ein modernes – oder bleibt es in einem vormodernen Schema gefangen? Und:  Wo findet es zwischen Hochliteratur und Massenunterhaltung seinen Ort im literarischen Feld? Vor allem diese zweite Frage möchte ich mit Hilfe der Herren Eco, Bourdieu, Jacques Dubois und Robert Scholes einer vorläufigen Klärung zuführen und dies zur Erholung von der theoretischen Anstrengung auch an einem Beispiel oder zweien veranschaulichen.

 

 

5. Dezember 2018

Dr. Hanna Engelmeier (Kulturwissenschaftliches Institut Essen)

Ein Text geht auf die Reise. David Foster Wallaces This is Water auf YouTube und anderswo

 

Am 21. Mai 2005 sprach David Foster Wallace vor den Absolventen des Kenyon College, eines sogenannten Liberal Arts College. Diese commencement address ist unter dem Titel This is Water: Some Thoughts, Delivered on a Significant Occasion, about Living a Compassionate Life veröffentlicht und berühmt geworden. Von dem Text gibt es eine Tonaufnahme, die als YouTube Video in unterschiedlichen Versionen angehört werden kann, eine Bildaufnahme liegt (so weit ich weiß) nicht vor. This is Water ist der Text von Wallace, der am stärksten von seiner eigenen Lektüre von Selbsthilfebüchern ausgeht und er ist derjenige, der am deutlichsten eine bestimmte Gruppe von Leuten adressiert. Der Text richtet seine Aufmerksamkeit nicht auf ein bestimmtes Problem, sondern setzt sich allgemeiner mit dem Verhältnis von Intellektualität und Glücksversprechen durch Bildung auseinander, er fragt danach, wie ein Leben gelingen kann, in dem das gewöhnliche Unglück des Alltags die neurotische Verzweiflung überwindet, das in der Intellektualität zu lauern droht.

Durch die Form, in der dieser Text vorliegt (als Datei) wird die Situation der direkten Ansprache, die Adressierung der College Absolventen a) rekonstruierbar, b) wiederholbar und c) übertragbar (bspw. auf die eigene Situation, die möglicherweise mit der einer College Absolventin wenig bis nichts gemein hat). Mein Beitrag soll sich damit beschäftigen, wie durch diese Möglichkeiten der beständigen Aktualisierung der Text mobilisiert wird und in ganz verschiedenen Milieus oder Umwelten oder eben Umgebungen einsatzbereit wird. Daraus ergibt sich zunächst die These, dass durch die Möglichkeit, ihn immer wieder in ganz unterschiedlichen Umgebungen zum klingen zu bringen die Stimme des Autors David Foster Wallace zu einem quasi religiösen Medium wird, das selbst eine Anrufung betreibt (die des „compassionate life“), aber eben auch als Trost angerufen werden kann.

Mein Beitrag soll die Methode eines close listenings erproben und beschreiben, wie der Text in der Form dieser Datei in beliebigen Situationen und Kontexten wie einen Soundtrack funktionieren kann. Das scheint in einer so großen Anzahl von Umgebungen, in so einer großen Anzahl von Situationen der Fall zu sein, dass sich die Frage stellt, inwiefern die Anpassungsfähigkeit des Textes durch die Stimme des Autors, durch die Trivialität von Wallaces Thesen oder durch die universelle Gültigkeit des Vorgetragenen erzeugt wird. Als Gegenprobe soll die Frage gestellt werden, ob nicht allgemein durch die Mobilität von Texten, die als Hörversionen vorliegen, die Möglichkeit der Abnutzung oder Trivialisierung immer gegeben ist, weil sich der Höreindruck gewissermaßen an den Umgebungen abschleift. Befragt wird hierzu die vorliegende Forschung zur Medientheorie der Stimme, die auf eine Theorie der Stimme des Autors zugespitzt werden soll, und die Frage, welche (Text-)Umgebungen sie braucht, um als solche beschrieben und evtl. sogar wirksam werden zu können.

 

 

12. Dezember 2018  

Prof. Dr. Dieter Martin (Albert-Ludwigs-Universität Freiburg)

Autorenbibliotheken digital

 

Die Bildungswelt und das geistige Profil von Gelehrten und Schriftstellern spiegeln sich auf besondere Weise in deren Bibliotheken wider. Aus dieser Erkenntnis heraus hat man schon seit langem die Buchbestände bedeutender Personen der Kulturgeschichte bewahrt, bibliographisch dokumentiert und erforscht. Die Erkundung historischer Bibliotheken, die in den letzten Jahrzehnten zu einem wichtigen Zweig sozial- und kulturhistorischer Forschung im Schnittfeld von Buchwissenschaft und philologisch-editorisch orientierter Literaturwissenschaft geworden ist, erlebt im Zuge der ›Digital Humanities‹ derzeit eine von medialen Innovationen beförderte Blüte.

Als Beiträge zu diesem Forschungsfeld verstehen sich das 2014 bis 2016 von der Thyssen-Stiftung geförderte Projekt ›Wielands virtuelle Bibliothek‹ (WvB) sowie das daran anschließende Projekt ›Catalogus Bibliothecae Gryphianae‹ (CBG), in denen die postum versteigerten Bibliotheken des Aufklärers und Klassikers Christoph Martin Wieland (1733–1813) sowie der gelehrten Barockdichter Andreas Gryphius (1616–1664) und Christian Gryphius (1649–1706) erschlossen und im Internet zugänglich gemacht werden. Im Vortrag werden an diesen Beispielen die Möglichkeiten (und auch die Grenzen) der virtuellen Rekonstruktion von Autorenbibliotheken präsentiert und zur Diskussion gestellt.

 

 

16. Januar 2019

PD Dr. Christoph Jürgensen (Bergische Universität Wuppertal)

Kino für Leser. Zur Inszenierung von Autorschaft in Buchtrailern

 

Der Buchtrailer gehört zu denjenigen Praktiken der Autorinszenierung, mittels derer Schriftsteller (und ihre Verbündeten, die Verlage) öffentlichkeitsbezogen für ihre eigene Person, für sich und/oder für ihre Produkte Aufmerksamkeit zu erzeugen versuchen. Oder stärker noch: Wenn wir davon ausgehen, dass Autorschaft im Zusammenspiel der jeweiligen literarischen Konzeption mit der zugehörigen Konzeption des Dichterlebens, das heißt in der Konfiguration von Texten, Paratexten und Kontexten, immer neu performativ hervorgebracht werden muss, dann gehören Buchtrailer zur Antwort auf die Frage, wie zeitgenössische Formen der Autorschaft aussehen. Über den Buchtrailer kommen daher mehr oder minder alle relevanten Größen der literarischen Kommunikation in den Blick, also die Akteure und Medien der Produktion, Distribution und Rezeption. Diese Zusammenhänge will der Vortrag diskutieren, u.a. anhand der Trailer zu Bücher von Christian Kracht, Tino Hanekamp und Benjamin von Stucktrad-Barre

 

 

30. Januar 2019 (!geänderter Termin!)

Prof. Dr. Peer Trilcke (Universität Potsdam)

Verteilungen. Ein philologischer Beitrag zur vergleichenden Netzwerkforschung

 

Die Netzwerkanalyse literarischer Texte hat in jüngster Zeit eine gewisse Dynamik entwickelt. Dabei stammen die Beiträge zu diesem Forschungsfeld nicht nur aus der digitalen Philologie – auch Informatiker, Physiker und Mathematiker haben (semi-)automatisierte Techniken der Netzwerkanalyse, die in ihren Disziplinen gang und gäbe sind, auf literarische Texte angewendet. Anhand basaler Netzwerkmetriken zu über 450 deutschsprachigen Dramen aus der Zeit 1730 bis 1930, die im Rahmen der dlina-Arbeitsgruppe gewonnen wurden, diskutiert der Vortrag, worin der Beitrag der Philologie zu einer vergleichenden Netzwerkforschung liegen könnte: ein Beitrag, der sich zwar auf die Beobachtungsperspektive der Netzwerkforschung einlässt, zugleich aber die strukturelle Eigenart literarischer Artefakte behauptet.