Vergangene Jahrepartnerschaften

2018/2019Jahrepartnerschaft mit Museum Schloss Horst in Gelsenkirchen

Bericht über die Jahrespartnerschaft des InKuR mit Museum Schloss Horst

Am 23. Mai 2018 wurde in Gelsenkirchen die erste Jahrespartnerschaft des InKuR begründet. Partner für das Sommersemester 2018 und das Wintersemester 2018/19 war das Museum Schloss Horst. Den Vertrag unterzeichneten der Rektor der UDE, Prof. Dr. Ulrich Radtke, Prof. Dr. Ralf-Peter Fuchs und, für die Stadt Gelsenkirchen, die Kulturdezernentin, Frau Annette Berg und der Museumsleiter, Herr Hans-Joachim Siebel.

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Die Kooperation manifestierte sich in

  1. zwei gemeinsam veranstalteten Vorträgen,
  2. gemeinsamen Besichtigungen der Ausstellung des Museums und anschließenden Diskussionen,
  3. einer Lehrveranstaltung der Professur für Landesgeschichte (Hauptseminar) mit engem Bezug zur Geschichte von Haus Horst in der Frühen Neuzeit und anschließenden Erörterungen der Ergebnisse von Studierenden mit den Experten vor Ort.
  4. Zudem ist für 2019/20 eine Veröffentlichung der bereits gehaltenen Vorträge und weiterer Beiträge in einem Band der Reihe „Horster Beiträge zur Geschichte und Kunstgeschichte“ fest eingeplant. In diesem Rahmen soll auch eine mit den Studierenden gemeinsam im Hauptseminar erstellte Transkription eines Zeugenverhörprotokolls aus dem Jahre 1577 publiziert werden.

Jahrepartnerschaft Horst Zeugenverhörprotokoll

  1. Den Beginn der Zusammenarbeit markierte ein Vortrag von Prof. Dr. Ralf-Peter Fuchs am 23. Mai 2018 in Gelsenkirchen zu „Schloss Horst im Geflecht kleinerer Adelsherrschaften am Niederrhein und in Westfalen während der Frühen Neuzeit“. Ausgehend vom Phänomen der in Westfalen, am Niederrhein und auch in den östlichen Niederlanden oft vorzufindenden „Unterherrschaften“ wurde untersucht, inwieweit die Herrschaft Horst sich für die Epoche der Frühen Neuzeit dieser Kategorie zuordnen lässt. Darüber hinaus wurden Forschungsperspektiven im Hinblick auf rechts- und alltagsgeschichtliche Aspekte diskutiert. Im Gegenzug hielt Elmar Alshut, der den Ausbau von Haus Horst von baufälligen Überresten zu einer Kulturstätte maßgeblich wissenschaftlich begleitet und mitgestaltet hat, am 29. November 2018 an der UDE in Essen einen Vortrag über „Schloss Horst - ein Schlossbau im Zeitalter der Renaissance als handwerkliche und logistische Herausforderung“. Darin standen der Adelige Rutger von der Horst als Bauherr des Renaissanceschlosses und seine Netzwerke in den Niederlanden und am Niederrhein im Blickpunkt, die die Umgestaltung des Herrensitzes zu einem bedeutenden Schloss erst ermöglichten.
  2. Noch am Abend der Begründung der Jahrespartnerschaft wurden die Gäste der Universität durch die Ausstellung von Haus Horst geführt, in deren Zentrum ebenfalls die außerordentlich gut dokumentierte Baugeschichte des Renaissanceschlosses stand. Zudem wurde das Haus mit Studierenden im Wintersemester 2018/19 besucht.
  3. Diese Studierenden waren Teilnehmer des Hauptseminars „Adelsherrschaften an der Ruhr und am Niederrhein“, in dem Haus Horst eine wichtige Rolle spielte. Im letzten Drittel jeder Sitzung wurde ein Verhör von Untertanen über ihre Herrschaft aus dem Jahre 1577, dessen Protokoll als Handschrift vorliegt, gelesen und transkribiert. Der Zugang zu diesem Dokument wurde durch das freundliche Entgegenkommen des Besitzers des Adelsarchivs Hugenpoet, Herrn Maximilian Frhr. v. Fürstenberg, ermöglicht. Das Verhör dokumentiert wichtige Praktiken der Herrschaft, von der Glockenschlagsfolge über den Mühlenzwang bis zur Kriminaljustiz und wirft ein neues Licht auf die frühneuzeitliche Geschichte des Hauses und des Ortes.
  4. Die Ergebnisse dieser Forschungen, an denen auch Studierende der UDE beteiligt waren, werden in einem neuen Sammelband der Reihe „Horster Beiträge zur Geschichte und Kunstgeschichte“ veröffentlicht werden, an deren Herausgabe auch der Förderverein Schloß Horst e.V. beteiligt ist. Eingeplant ist die Publikation der beiden gehaltenen Vorträge. Auch wird Benjamin Bork M.A., wissenschaftlicher Mitarbeiter des Museums, darin seine Forschungen zu sozialgeschichtlichen Aspekten des Schlossbaus präsentieren. Letztlich soll auch die Transkription des Verhörs von 1577 ediert werden. Es ist geplant, die an der Transkription des Verhörprotokolls beteiligten Studierenden bei Erscheinung des Bandes noch einmal auf Haus Horst zu versammeln, um die neuen Erkenntnisse zu diskutieren: Viele Zeugen sagten 1577 aus, dass sie sich erinnerten, vor mehreren Jahren an der Hinrichtungsstelle am „Moitbroiche“ Skelettreste von Hingerichteten gesehen zu haben, die noch in der Herrschaftszeit des Urgroßvaters von Rutger von der Horst, Dietrich von der Horst, exekutiert worden waren. Überdies wurde berichtet, dass der Galgen mittlerweile zusammengebrochen war. Dies alles verweist auf eine eher milde Justiz der Herren von der Horst im 16. Jahrhundert. Offensichtlich hatte es bis 1577 auch keine Hexenprozesse mit Todesurteilen gegeben. Die Zurückhaltung des Rutger von der Horst im Hinblick auf die eigene Strafjustiz mag auf seine starke Beschäftigung mit dem Schlossbau und seine häufige Abwesenheit als Droste von Rheinberg etc. zusammenhängen, vielleicht auch mit seinem Bemühen, sich gut mit den Landesherren, den Kurfürsten von Köln, zu stellen. Dies sollte sich unter der Adelsfamilie von der Recke im frühen 17. Jahrhundert, die Nachfolger als Herren von der Horst wurden, ändern.

Auch nach der Jahrespartnerschaft wird die Zusammenarbeit des InKuR und des Museums Haus Horst nicht abreißen. Nicht nur der Sammelband, sondern auch weitere Vorträge sind eingeplant.