Vergangene Lehre

WiSe 2020/21Proseminar „Ruhrkrieg“ in Kooperation mit dem Zentrum für Erinnerungskultur, Menschenrechte und Demokratie (ZfE) in Duisburg

Die Lehre im diesjährigen Sommersemester wurde durch die Corona-Pandemie gehörig durcheinandergebracht: etliche Lehrveranstaltungen mussten ad hoc vom universitären Seminarraum in das digitale „world-wide-web“ verlegt werden. Sowohl Dozenten als auch Studenten mussten sich mit neuen Methoden des Lehrens und Lernens vertraut machen. Das Proseminar „Ruhrkrieg“ war als Blockveranstaltung in Kooperation mit dem Zentrum für Erinnerungskultur, Menschenrechte und Demokratie (ZfE) in Duisburg geplant und sollte ursprünglich im Mai 2020 stattfinden. Dieser Termin wurde jedoch aufgrund der stark steigenden Infektionszahlen im Frühjahr immer unrealistischer. Daher wurde das Seminar nach Rücksprache mit dem Leiter des ZfE Dr. Andreas Pilger in den August verschoben, in der Hoffnung, dass das Infektionsgeschehen bis zu diesem Zeitpunkt eingedämmt sein würde. Und tatsächlich: die Infektionszahlen sanken im Verlauf des Sommers, sodass die Lehrveranstaltung erfreulicherweise in Präsenz in den Räumlichkeiten des ZfE stattfinden konnte – freilich unter der Beachtung der AHA-Regeln.

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Wie der Titel des Seminars schon verrät, waren die blutigen Auseinandersetzungen zwischen bewaffneten Arbeitern und Reichswehr- bzw. Freikorpseinheiten, die sich infolge des Kapp-Lüttwitz-Putsches im Ruhrgebiet zwischen März und April 1920 ereigneten, Thema der Lehrveranstaltung. Dass die Deutung dieser dramatischen Ereignisse immer noch umstritten ist, spiegelt sich auch in den widerstreitenden Etikettierungen „Ruhraufstand“, „Märzrevolution“ bzw. „Ruhrkampf“ wieder. Im Verlauf des Seminars wurden daher die Träger der politischen Gewalt sowie deren Zielvorstellungen und Praktiken genauer untersucht. Ein weiterer Untersuchungsgegenstand bildete die nach 1920 einsetzende literarische Rezeption des „Ruhrkriegs“. Anhand von Forschungsliteratur und Quellenmaterial, das von Seiten des ZfE zur Verfügung gestellt wurde, bearbeiteten die Studierenden Fragestellungen zu den Themenkomplexen „Revolution“, „Bürgerkrieg“ und „literarische Rezeption“. Besonders interessante Quellen waren u. a. der Rotgardisten-Roman „Sturm auf Essen“, der 1930 von Hans Marchwitzka verfasst wurde, und die kommunistische Perzeption des Ruhrkriegs widerspiegelt; der Freikorps-Roman „Peter Mönkemann“, der 1936 von Tüdel Weller geschrieben wurde, und die militaristisch-nationalistische Perspektive auf den „Ruhrkrieg“ beleuchtet; sowie ein Schriftwechsel zwischen dem Duisburger Oberbürgermeister Karl Jarres und dem Soziologen Gerhard Colm, welcher Einblicke in frühe Deutungsversuche der bürgerkriegsähnlichen Kämpfe gibt. Colm publizierte wenig später – genauer gesagt 1921 – eine bemerkenswerte Studie, die bis heute als erste wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema „Ruhrkrieg“ gilt. Abschließend sei an dieser Stelle dem ZfE – insbesondere Andreas Pilger und Michael Kanther – sowie den Studierenden für die engagierte Zusammenarbeit gedankt, die dieses Seminar erst möglich machte.

von Benedikt Neuwöhner

Studierende mit Dozent der Übung zur Überblicksvorlesung (UDE / Historisches Institut) zu Gast im Grafschafter Museum im Moerser Schloss der Leiterin Diana Finkele.
InKuR

Moers, 13. Januar 2020 „Liebesnest“ und Belagerungszustände – Bericht zur Exkursion nach Moers

Die Universität Duisburg-Essen hat für das laufende Kalenderjahr 2020 eine Jahrespartnerschaft mit der Stadt Moers abgeschlossen, die vom Institut für niederrheinische Kulturgeschichte und Regionalentwicklung (InKuR) und dem Grafschafter Museum im Moerser Schloss getragen wird.

In diesem Rahmen durften dort am letzten Montagnachmittag nun 10 Studierende mit ihrem Dozenten der Übung (zur Überblicksvorlesung) Die Spanier am Niederrhein um 1600, insbesondere in der Grafschaft Moers (Universität Duisburg-Essen / Historisches Institut) zu Gast sein.

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Graf Adolf von Moers unterstützte die Liaison des Kölner Erzbischofs Gebhard Truchseß von Waldburg-Trauchburg mit der lutherischen Stiftsdame Agnes von Mansfeld-Eisleben. Beide trafen sich heimlich im Moerser Schloss, das im Verlaufe des Truchsessischen Krieges von katholischen Spaniern belagert wurde.

Nach der Flucht des Grafen Adolf mit seiner Ehefrau Anna Walburga von Neuenahr in die Niederlande entschied sich bald die Gräfin Walburgis die Grafschaft ihrem Verwandten Moritz von Oranien zu schenken. Erst belagerte dieser Moers, dann zwang er die Spanier zum Abzug. So begann die hundertjährige Herrschaft der Oranier über die Stadt, die den Ausbau zum am Besten befestigten Ort am Niederrhein befahlen.

Studierende saßen zu Tisch der Herren von Moers inklusive der Geschmacksprobe von frühneuzeitlichem Bier/Likör und konnten mit der jugendgerechten Nachbildung einer Miniatur-Armbrust ins Schwarze treffen.

Zweck der Exkursion nach Moers war, also, das emotionale Nacherleben des Lebens in und um die Ringburg, genauso, wie die greifbare Inaugenscheinnahme des Ortes, über den in der Fachliteratur von bisher sehr wenigen Wissenschaftlern im Zuge von zwölf Sitzungen während der Übung gesprochen worden ist.

Die TeilnehmerInnen stehen um den Dozenten herum und hören ihm bei seinem Vortrag zu
ZfE Duisburg

SoSe 2019Bericht über die Exkursion des Blockseminars zur Geschichte des Nationalsozialismus in Duisburg

Im vergangenen Sommersemester fand im Mai und Juni an der Universität Duisburg-Essen und im Zentrum für Erinnerungskultur, Menschenrechte und Demokratie in Duisburg (kurz ZfE) ein mehrtätiges Blockseminar zur Geschichte des Nationalsozialismus in Duisburg statt. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Deutschen Reich begann auch in Duisburg die systematische Ausgrenzung und Verfolgung von Oppositionellen und ethnischen Minderheiten. Dennoch waren nur wenige Menschen zum aktiven Widerstand gegen die NS-Diktatur bereit. Ziel der Lehrveranstaltung war es, die Bedingungen von Verfolgung und Widerstand in Duisburg zu rekonstruieren und bestehende Narrative zur Alltagsgeschichte der NS-Herrschaft auf den Prüfstand zu stellen. Anhand von ausgewählten Biographien von Verfolgten, Widerständlern und Tätern untersuchten 20 Studierende deren individuelle Lebenswege wie auch Handlungsoptionen unter den Bedingungen der nationalsozialistischen Diktatur.

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Stellvertretend für das Thema Widerstand wurde die Biographie einer sozialdemokratischen Lehrerin und eines lokalen kommunistischen Parteikaders untersucht. Zum Thema Verfolgung wurden Quellen und Forschungsliteratur zum NSDAP-Kreisleiter Wilhelm Loch und einem Beamten der Duisburger Kriminalpolizei, der u. a. in die Verfolgung und Ermordung von Sinti und Roma verstrickt war, ausgewertet. Darüber hinaus wurde die Biographie einer beim Duisburger Gesundheitsamt angestellten Ärztin untersucht, die im Rahmen der NS-Gesundheitspolitik, der sog. „Rassenhygiene“, an der Anordnung von Zwangssterilisationen beteiligt war. Um Lebenswege und Handlungsoptionen der vom NS-Regime Verfolgten zu rekonstruieren, wurden Quellen und Forschungsliteratur über Sinti, Roma und Juden ausgewertet, die zur Zeit des Nationalsozialismus in Duisburg wohnten und zum Opfer des NS-Verfolgungsapparat wurden. Nachdem die Studierenden in der ersten Blocksitzung Grundlagenwissen zur NS-Verfolgungspolitik, NS-Herrschaft sowie zum Widerstand gegen das NS-Regime erarbeitet und Fragestellungen zu den genannten Themenkomplexen entwickelt hatten, wurden die vom ZfE zur Verfügung gestellten Quellen in mehreren arbeitsintensiven Tagen von den Studierenden, die sich zuvor in Gruppen aufgeteilt hatten, ausgewertet und analysiert. Hierbei wurden die Studierenden von den Mitarbeitern des ZfE und dem Dozenten des Seminars unterstützt. Die Arbeit im ZfE wurde von einem Besuch im Stadtarchiv und einer Führung durch die Dauerausstellung des Duisburger Stadtmuseums eingerahmt. Am letzten Termin des Blockseminars, der an der Universität Duisburg-Essen stattfand, präsentierten die Studierenden ihre Ergebnisse in einem mündlichen Vortrag. Abschließend ist festzuhalten, dass die Kooperation mit dem ZfE den Studierenden eine unmittelbare und intensive Auseinandersetzung mit der Geschichte des Nationalsozialismus vor Ort ermöglichte.

 

Weitere Informationen zum ZfE und dessen Tätigkeitsfeldern sind auf folgender Homepage zu finden:

https://www2.duisburg.de/micro2/zek/index.php

Münster, 1. Juli 2019Zwischen erwartetem Weltuntergang und erfolgter Befreiung – Bericht zur Exkursion ins Münster der Täufer

Das Täuferreich von Münster (1534-1535) wurde von radikal-reformatorischen Gläubigen aus dem HRR und den Provinzen der heutigen Niederlande gegründet; von Landsknechten eingekesselt sowie ausgehungert, aber die Autoritäten der Täufer wirkten gewaltbereit sowie gleichzeitig motivierend auf ihre Gefolgsleute ein, bis dass die Stadt im 3. Versuch durch eine katholisch-evangelische Allianz zurückerobert werden konnte.

Zweck der Exkursion in die Innenstadt von Münster der Gegenwart war das ansatzweise Nacherleben und sogar konkrete Besichtigen der Orte oder der Überbleibsel, über die in der Fachliteratur von verschiedenen Wissenschaftlern mit unterschiedlicher Perspektive im Rahmen des Proseminars gesprochen worden ist.

Einen vollstäündigen Bericht zur Exkursion finden Sie in der Ausgabe 02/2019 des Niederrhein-Magazins.