ESSENZ - Essener Zentrum für Essstörungen

Das Essener Zentrum für Essstörungen – ESSENZ – bildet eine zentrale Schnittstelle für interdisziplinäre Forschung und hochspezialisierte Behandlung über die gesamte Lebensspanne hinweg. Als Kooperation zwischen der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie sowie der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie an der LVR-Universitätsklinik Essen bietet es eine lückenlose Versorgung für Betroffene jeden Alters.

Das Behandlungs- und Forschungsspektrum umfasst sämtliche relevanten Krankheitsbilder, insbesondere Anorexia nervosa (Magersucht), Bulimia nervosa (Ess-Brech-Sucht) sowie Binge-Eating-Störungen und Adipositas.

Durch die enge Verzahnung von ambulanter, stationärer, tagesklinischer und aufsuchender (HoT - Hometreatment) Behandlung ermöglicht ESSENZ eine individuelle Begleitung, die sowohl biologische als auch psychosoziale Faktoren der Erkrankung nachhaltig adressiert.

Ein Schwerpunkt unserer Forschung sind die zu Grunde liegenden Mechanismen bei der Entstehung und Aufrechterhaltung von Essstörungen. Dabei ist von einer ca. 50-60% Rolle von Genen auszugehen, die eine grundsätzliche Verletzlichkeit für Essstörungen bedingen, die bei Stress besonders zum Tragen kommen. Bei Anorexia nervosa scheinen diese Gene auch eine Gewichtsabnahme körperlich zu begünstigen. Dabei nimmt nicht nur der Körper, sondern auch das Gehirnvolumen ab. Unsere neue Metaanalyse aller weltweiten Studien zu diesem Thema finden Sie hier: (Studie Keller et al., 2026). Leptin ist dabei ein entscheidendes Hormon, dass sowohl aktiv beforscht wird (Graute-Oppermann Graduierten-Kolleg zu Leptin, STARLET-Studie) und auch als Metreleptin für experimentelle Therapieversuche genutzt werden kann.

Ein besonderer Fokus unserer Forschung gilt der Mikrobiom-Darm-Gehirn-Achse und deren Auswirkungen auf die Gewichtsentwicklung, Darmdurchlässigkeit, Entzündungsprozesse im Körper und Einflüsse auf das Gehirn und das Verhalten (Studien MiGBAN 2.0 und Panther). Zu diesen Studien suchen wir auch noch gesunde Kontrollen von 12-18 Jahren. Die Mikrobiom-Darm-Gehirn-Achse untersuchen wir auch in unserer Arbeitsgruppe zur Translationalen Essstörungsforschung im Tiermodell (beispielsweise Link Artikel).

Als überregionales Essstörungszentrum im LVR-Klinikverbund sowie als Teil Universitäts Duisburg-Essen haben wir uns zum Ziel gesetzt, neue Therapiekonzepte zu erforschen und in unsere Behandlung zu integrieren, wie z.B. die Dialektisch Behaviorale Therapie (DBT) in der stationären Behandlung und im Anschluss das Hometreatment. Hierzu führen wir gerade verschiedene Ergänzungsstudien, z.B. zur Rolle von Geschwistern. Ein weiterer Forschungsschwerpunkt ist der Einsatz von virtueller Realität bei der Behandlung (ESCAPE-AN). Unsere Patient:innen profitieren daher von aktuellen nationalen und internationalen Forschungsprojekten zu Essstörungen, die in unserem Zentrum ESSENZ entwickelt und durchgeführt werden. Regelmäßig fließen daher neue und evidenzbasierte Forschungsergebnisse in unsere therapeutische Praxis mit ein.

Aktuell besteht auch die Gelegenheit an einer randomisiert-kontrollierten Studie zur online Familien-Basierten Therapie (FBT) teilzunehmen, bei der stationäre Behandlung und online FBT im häuslichen Setting verglichen werden (zur FIAT-Studie).

Ein besonderer Fokus liegt auf den altersübergreifenden Angeboten, die einen reibungslosen Übergang (Transition) von der Jugend- in die Erwachsenenmedizin sicherstellen, um Brüche in der therapeutischen Biografie zu vermeiden. Das Zentrum verknüpft dabei klinische Versorgung, Wissenschaft und Lehre auf universitärem Niveau, wodurch neueste Forschungsergebnisse direkt in die leitliniengerechte Therapie einfließen.

Die interdisziplinäre Zusammenarbeit im Zentrum ESSENZ ist für Betroffene essenziell, da sie eine lückenlose Kontinuität der Behandlung garantiert. Da eine Essstörung nicht mit dem 18. Geburtstag endet, verhindert die enge Kooperation gefährliche Brüche in der Versorgung beim Wechsel der Zuständigkeiten. Durch den direkten Austausch zwischen Kinder-, Jugend- und Erwachsenenmedizin wird die Transition sicher gestaltet und wertvolles Therapiewissen bleibt erhalten. Zudem können so verschiedene alters- und entwicklungsbezogene Therapieansätze optimal kombiniert werden, die sowohl die familiäre Dynamik bei Jüngeren als auch die Autonomie Erwachsener berücksichtigen. Dieser ganzheitliche Blick stellt sicher, dass die Behandlung präzise an den individuellen Reifegrad und die jeweilige Lebensphase der Patienten angepasst wird. Letztlich führt diese Vernetzung zu einer höheren Behandlungssicherheit und verbessert die langfristigen Heilungschancen für Menschen jeden Alters nachhaltig. Um die Transitionsprozesse noch weiter zu verstehen und zu verbessern, planen wir gerade eine Fragebogenstudie mit Patient:Innen von 16-25 Jahren und deren Eltern zur Transition, die von der Anorexia-Nervosa Stiftung gefördert wird (zur Studie BRIDGE-ED).

Essenz-Seite des LVR-Universitätsklinikums Essen