Projekt: Crowdsupporting als Gabentausch. Zur Verbindung von Konsum, Engagement und Gemeinschaft im Crowdfunding

Projekt: Crowdsupporting als Gabentausch. Zur Verbindung von Konsum, Engagement und Gemeinschaft im Crowdfunding

 

Ziel und Erkenntnisinteresse

Ziel des Forschungsvorhabens ist es, die eigentümliche Verbindung von Markttausch und Spende im Crowdsupporting unter einer gabentauschtheoretischen Perspektive zu erforschen. Crowdsupporting ist die ursprüngliche Form des Crowdfunding, welches verschiedene Formen der über Internet-Plattformen eingeworbenen Finanzierung von Projekten verschiedenster Art durch kleine Geldbeträge vieler Unterstützer*innen umfasst. Crowdsupporting lässt sich in Kurzform beschreiben als Sponsoring mit einer nicht-geldlichen Belohnung und wird deshalb auch als reward-based crowdfunding bezeichnet. Häufig ist eine der Belohnungen ein Exemplar des Produkts, dessen Herstellung das Ziel des betreffenden Projekts ist. Häufig besitzt die Belohnung Merkmale, die eine besondere Nähe zu der Sache zum Ausdruck bringt, etwa ein handsigniertes Exemplar. Auffällig ist, dass die Finanzierung im Crowdsupporting häufig sowohl den Charakter des Kaufes eines Konsumproduktes als auch den Charakter der Förderung einer guten Sache hat. Diesem Doppelcharakter des sozialen Austausches im Crowdsupporting gilt das Interesse des Forschungsvorhabens. Das Forschungsvorhaben geht von der Annahme aus, dass der Schlüssel zum Verständnis des Crowdsupporting in einem dreiseitigen Zusammenhang von Konsum, Verbundenheit mit einer Sache von tieferer Bedeutung und Bezogenheit auf eine Gemeinschaft Gleichgesinnter besteht. Demnach kommt die Verbindung von Markttausch und Spende im Crowdsupporting dadurch zu Stande, dass die Unterstützer*innen einerseits zwar durchaus als Konsument*innen agieren, mit dem Gegenstand des Konsums andererseits aber eine tiefere Bedeutung verbinden, die sie motiviert, sich für diesen Gegenstand zu engagieren, und die Grundlage dafür bildet, sich Gleichgesinnten verbunden zu fühlen. Dieser dreiseitige Zusammenhang soll auf der sozialtheoretischen Grundlage des Gabentausch-Theorems empirisch erforscht werden.

 

Vorgehen

Die empirische Untersuchung basiert auf web-ethnographischen Fallstudien einzelner Crowdsupporting-Projekte, die nach Kriterien des Theoretical Sampling ausgewählt werden. Untersucht werden erstens die Austauschbeziehungen zwischen Initiator*innen und Unterstützer*innen sowie der soziale Zusammenhang aller Beteiligten, zweitens deren Interpretierbarkeit im Lichte des Gabentausch-Theorems und drittens die Rolle tatsächlicher oder vorgestellter Gemeinschaften im Kontext temporärer Einzelprojekte. Datengrundlage sind zum einen die fortlaufend erfassten projektbezogenen Web-Kommunikate, zum anderen komplementäre umfassende Befragungen der an Crowdfunding beteiligten Akteur*innen. Damit sollen gleichermaßen die Deutungsmuster wie auch die Prozessdynamiken von Crowdsupporting empirisch erfasst und die Wechselwirkungen zwischen beidem in den Blick genommen werden.

 

Rahmendaten

Laufzeit:
05/2018 – 04/2021

Projektleitung:

Professor Dr. Frank Kleemann
Universität Duisburg-Essen
Fakultät für Gesellschaftswissenschaften
Institut für Soziologie

Professor Dr. Ingo Schulz-Schaeffer
Technische Universität Berlin
Institut für Soziologie

Projektmitarbeiter*innen:

Eltje Gajewski, M.A.
Universität Duisburg-Essen
Fakultät für Gesellschaftswissenschaften
Institut für Soziologie

Dipl.-Soz.-Wiss. Dennis Kirschsieper
Technische Universität Berlin
Fakultät VI: Planen Bauen Umwelt
Institut für Soziologie

Studentische Hilfskräfte:

Medine Yavuz
Leonie Bremm
Milan Wevelsiep

 

Fachliche Zuordnung:
Empirische Sozialforschung

Finanzierung:
Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft

Bisherige projektbezogene Publikationen:

  • Schulz-Schaeffer, I., 2017: Crowdsupporting als Gabentausch. Zur soziologischen Analyse des Crowdfunding. Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 69(1): 27-50.
    Einsehbar hier.