Der Vortrag "Mobilität - Wissenschaft - Geschlecht. Transnationalisierung und Intersektionalität" von Dr. Carola Bauschke-Urban muss leider entfallen.
Vortragsreihe des Essener Kollegs für Geschlechterforschung
Forschungsforum Gender - WS 2011/12
Im Wintersemester 2011/12 stellen erneut Mitglieder und KooperationspartnerInnen des EKfG im Rahmen der Vortragsreihe "Forschungsforum Gender" ihre Forschungsergebnisse im Bereich der Geschlechterforschung vor. Sie eröffnen damit einen Einblick in die zentralen Arbeitsschwerpunkte des Kollegs. Das Programm sowie Abstracts zu den Vorträgen finden Sie >> hier.
Donnerstags 16.00-17.30 Uhr (s.t.), Bibliothekssaal R09 R11 am Campus Essen.
einheitspreis 2011 - Bürgerpreis zur Deutschen Einheit
Auszeichnung für Dr. Sibylle Plogstedt
Das EKfG freut sich mit Dr. Sibylle Plogstedt: Die Journalistin, Filmemacherin und Soziologin ist für ihr Buch "Knastmauke - Das Schicksal von politischen Häftlingen der DDR nach der deutschen Wiedervereinigung" von der Bundeszentrale für politische Bildung ausgezeichnet worden. Am 2. Oktober 2011 wird ihr in Bonn der einheitspreis 2011 - Bürgerpreis zur deutschen Einheit in der Kategorie "Menschen - Akteure der Einheit" verliehen. Die PreisträgerInnen wurden von einer unabhängigen Jury unter dem Vorsitz von Dr. h.c. Joachim Gauck ausgewählt.
Mit dem „einheitspreis - Bürgerpreis zur Deutschen Einheit" zeichnet die Bundeszentrale für politische Bildung seit 2002 engagierte Bürgerinnen und Bürger aus, die das Zusammenwachsen von Ost und West zu ihrer Sache gemacht haben.
Eine wichtige Grundlage des Buches "Knastmauke" war eine Studie zur sozialen Situation von ehemaligen politischen Häftlingen in der DDR unter Berücksichtigung des Gender-Aspekts (2007-2010) in Kooperation mit dem Essener Kolleg für Geschlechterforschung. >> Mehr zur Essener Studie
Rückblick auf die International Summer School in Migration Research, Essen, 20.-23. September 2011
"If everyone can participate in the dialogue, you can approximate the truth"
33 DoktorandInnen aus Europa und Kanada verbrachten vier gemeinsame Tage zum Thema „Classifications and the Construction of Belonging" am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) im Rahmen der 4. International Summer School in Migration Research, organisiert durch die Fakultät für Sozialwissenschaften (UDE), das Institut für Sozialwissenschaft (RUB) und das Essener Kolleg für Geschlechterforschung (UDE).
Als ReferentInnen waren die international renommierten WissenschaftlerInnen Prof. Nira Yuval-Davis, PhD (University of East London), Prof. Dr. María do Mar Castro Varela (Alice Salomon Hochschule Berlin), Prof. Dr. Nikita Dhawan (Goethe Universität Frankfurt a.M.), Dr. Jeroen Doomernik (Universität Amsterdam) und Prof. Anne Green, PhD (University of Warwick) eingeladen, deren Vorträge die Komplexität der Konstruktion von Zugehörigkeiten anschaulich machten. In der anschließenden Diskussion hatten die TeilnehmerInnen die Gelegenheit, sich gemeinsam und im persönlichen Gespräch mit den ReferentInnen über ihre Promotionsvorhaben auszutauschen.
Deutlich wurde, dass Identität und Zugehörigkeit immer im Dialog mit anderen konstruiert wird. Dabei geht es auch immer darum, das eigene Tun und die Grenzen des eigenen Wissens kritisch zu hinterfragen und sich die stets vorhandene Vielfalt innerhalb von Gruppen bewusst zu machen. Sobald wir sprachliche Zuschreibungen vornehmen, wie „MigrantInnen", „Frauen", „Europäer" stellen wir eine Homogenität her, die tatsächlich nicht gegeben ist. Sich diesen Prozess bewusst zu machen, ist deshalb so wichtig, weil wir einerseits auf Worte zur gegenseitigen Verständigung angewiesen sind, andererseits Worte als tatsächlich definierte gesellschaftliche Situationen ganz reale soziale Folgen nach sich ziehen. Eine Annäherung an die wirkliche Sachlage lässt sich nur über eine Beteiligung aller Stimmen im Dialog erzielen.
In methodischen Workshops gab es in der zweiten Hälfte der Summer School die Gelegenheit, unter der Leitung ausgewiesener WissenschaftlerInnen methodische Fragen zu klären und am letzten Tag im kleinen Kreis die eigenen Forschungsprojekte zu diskutieren.
Bei der Besichtigung des Duisburger Stadtteils Marxloh und der dortigen Moschee entstand ein lebendiger Eindruck der Vielfalt im Zusammenleben verschiedener Religionen und Kulturen, sowie von deren erfolgreichem Dialog, in dem es immer wieder gelingt, Kategorien zu hinterfragen und Festlegungen aufzubrechen.
Seitens der TeilnehmerInnen der Summer School wurde die Zusammenstellung des Programms einschließlich der gemeinsamen Exkursion nach Marxloh sehr geschätzt. Besonders positiv betont wurde zudem die Möglichkeit zur offenen Diskussion mit den ReferentInnen und OrganisatorInnen der Summer School einerseits und den anderen TeilnehmerInnen andererseits.
Interdisziplinärer Workshop zur Fachkulturforschung: Fachkultur und Vergeschlechtlichung im Visier - ein Rückblick
Welche Rolle spielen Herkunftskultur, Fach- und Studienkultur sowie die erwartete Berufskultur für Studiengangsentscheidungen? Wie attraktiv stellen sich Studiengänge für Frauen oder Männer dar? Wer oder was übernimmt die Einsozialisation in ein Fach? Welche Bildungs- und Fördermöglichkeiten gibt es in einem Studiengang bei ungleichen Ausgangsbedingungen?
Im Rahmen eines interdisiziplinär zusammengesetzten Workshops zur Fachkulturforschung, veranstaltet vom Fachgebiet Erwachsenenbildung/ Bildungsberatung der Universität Duisburg-Essen (UDE) und dem Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW am 9. September 2011 in Essen wurde diesen und weiteren Fragen der Fachkulturforschung nachgegangen.
Nach einer Einleitung von EKfG-Vorstandsmitglied Prof. Dr. Anne Schlüter, UDE und Sprecherin des Netzwerks Frauen- und Geschlechterforschung NRW, zur aktuellen und wachsenden Bedeutung der Fachkulturforschung angesichts der Umstrukturierung der Hochschulen im Zuge der Einführung von Bachelor- und Masterprogrammen, bildeten Beträge von Expertinnen zur Situation in der Erwachsenenbildung (Meike Hilgemann und Ricarda Serritelli, UDE), der Psychologie (Prof. Dr. Gisela Steins, UDE), dem interdisziplinären Studiengang Komedia (Prof. Dr. Nicole Krämer, UDE) und den Musikwissenschaften (Prof. Dr. Rebecca Grotjahn, Detmold/ Paderborn) die Grundlage der Diskussion. Betont wurde, wie wichtig eine Bewusstwerdungder mit der Konstruktion von Geschlechterunterschieden einhergehenden stereotypisierenden Bewertungen in den einzelnen Fächern ist, damit geschlechterhierarchisierenden Kategorisierungen und Bewertungen abgebaut werden können. Ein so verstandenes undoing gender wurde als notwendiger Prozess im Hinblick auf eine gleichstellungsorientierte Veränderung von Fachkulturen und deren gendersensible, Chancengleichheit vermittelnde Darstellung nach innen wie nach außen begriffen.
Der Workshop diente dem überfachlichen wissenschaftlichen Austausch und der Vernetzung mit dem Ziel, eine längerfristige, interdisziplinäre Kooperation anzuregen, gemeinsame Forschungsprojekte zum Thema zu entwickeln und die Möglichkeit eines Promotionskollegs zur Fachkulturforschung zu sondieren.
An einer Zusammenarbeit interessierte WissenschaftlerInnen können sich melden bei Prof. Dr. Anne Schlüter unter: anne.schlueter@uni-due.de.
Prof. Dr. Pernille Arenfeldt
Internationaler EKfG-Workshop mit Prof. Dr. Pernille Arenfeldt, 15. Juli 2011 - Ein Rückblick
Women and Leadership - Explorations from a Historical and Cultural Studies Perspective
Jedes Semester lädt das Essener Kolleg für Geschlechterforschung (EKfG) die aktuelle Marie-Jahoda-Gastprofessorin für Internationale Frauenforschung an der Ruhr-Universität Bochum (http://www.sowi.rub.de/jahoda/index.html.de) nach Essen ein. Mitglieder des EKfG sowie weitere interessierte WissenschaftlerInnen der Universität Duisburg-Essen erhalten so die Gelegenheit, eine internationale Kollegin in einem kleinen Kreis zum Austausch über gemeinsame Forschungsinteressen zu treffen. Die Diskussionsthemen stammen jeweils aus dem Forschungsfeld der Gastprofessorin und werden in Dialog gebracht mit den Forschungsthemen von WissenschaftlerInnen der Universität Duisburg-Essen.
In diesem Sommersemester war die Marie-Jahoda-Gastprofessorin Prof. Dr. Pernille Arendfeldt von der American University of Sharjah (Vereinigte Arabische Emirate) zu Gast im Essener Kolleg. Ziel des gemeinsamen Workshops "Women and Leadership - Explorations from a Historical and Cultural Studies Perspective" war es, Reflexionen zum Thema Frauen und Macht aus eine historischen und einer kulturwissenschaftlichen Perspektive zu präsentieren und herauszufinden, welche Einsichten gewonnen werden können, wenn wir diese Perspektiven auf die gegenwärtige Diskussion über Frauen und Führung heute übertragen. Zentrale Fragen dabei waren: Inwieweit bereichern die Erkenntnisse der Vorträge unser Verständnis von der heutigen Wahrnehmung weiblicher Führungspersonen? In welchem Ausmaß bleiben historische und kulturelle Wahrnehmungen von Frauen und Macht bestehen und beeinflussen unsere heutige Wahrnehmung? Inwiefern zeigen sie können sie einen Weg zeigen, sie zu überwinden?
In ihrem Vortrag "Princely Women and Politics in Early Modern 'Germany'. Conceptual Reflections" untersuchte Prof. Dr. Pernille Arenfeldt weibliche Führung aus einer historischen Perspektive und diskutierte, auf welche Weise Gender als analytische Kategorie ein genaueres Verständnis von Politik in der Frühen Neuzeit herstellen kann. Einen besonderen Schwerpunkt setzte Prof. Dr. Pernille Arenfeldt dabei auf ideengeschichtliche und konzeptionelle Fragestellungen: Welche Vorstellungen von Politik und Geschlecht herrschten im Europa der frühen Neuzeit, wie sind sie entstanden, wie und warum haben sie sich seither verändert und wo liegen Unterschiede zum heutigen Verständnis dieser Begriffe? In diesem Zusammenhang verwies sie besonders auf das Zusammenspiel von Territorium ("Territory"), Dynastiezugehörigkeit ("Dynasty") und Hof ("the Court") und betonte die "relational dimensions" der verschiedenen Ebenen, die oft besonders für Herrscherinnen Quellen von Einfluss und Macht darstellten.
In ihrem Beitrag mit dem Titel "Güzel Sultanum. Women and Power in Early Eighteenth-Century Orientalism" ging Prof. Dr. Patricia Plummer, seit April 2011 Lehrstuhlinhaberin für Postcolonial Studies am Institut für Anglophone Studien (UDE), Aspekten weiblicher Führung aus einer kulturwissenschaftlichen Perspektive nach. Die englische Aristokratin Lady Mary Wortley Montagu (1689-1762) reiste Anfang des 18. Jahrhunderts nach Konstantinopel und inszenierte sich nach ihrer Rückkehr in der (imaginierten) Rolle einer Sultanin, d.h. als osmanische 'Herrscherin'. Auch ihr Reisebericht ist ein Diskurs über die Rolle der Frau, besonders der privilegierten Frau bis hin zur Herrscherin (z.B. österreichische Kaiserin), in unterschiedlichen Kulturen. Hier ist besonders interessant das Spannungsfeld zwischen der maskulinen westlichen Perspektive, in der orientalische Frauen traditionell als Opfer wahrgenommen wurden, und Montagus Umdeutung sowie ihre differenzierte Wahrnehmung weiblicher 'Führungspersönlichkeiten', z.B. im osmanischen Harem, den sie zur Kritik an ihrer eigenen Kultur nutzte.
Die Reflektionen in der Abschlussdiskussion des Workshops beinhalteten Bezüge zum Mittleren Osten der Gegenwart und zu den arabischen Frauenbewegungen.
Nach einer Einleitung von EKfG-Vorstandsmitglied, Prof. Karen Shire, der Sprecherin des Graduiertenkollegs, hielt Prof. Mari Osawa, Universität Tokio und Marie-Jahoda-Gastprofessorin 1994/95 als Keynote Speaker den ersten Vortrag des internationalen Mentoring-Workshops. Osawa referierte über die soziale und ökonomische Situation von Frauen und Männern angesichts der Wirtschaftskrise 2008 und veranschaulichte, wie die Förderung von Geschlechtergerechtigkeit auf dem Arbeitsmarkt neue wirtschaftliche Stabilität begünstigt.
Begleitet durch die Expertise von Prof. Dr. Ilse Lenz (Gender Studies, RUB), Prof. Dr. Dr. h.c. Michiko Mae (Institut für Modernes Japan, HHU Düsseldorf), Dr. Doris Fischer (Deutsches Institut für Entwicklungspolitik, Bonn) und Prof. Karen Shire stellten DoktorandInnen des Graduiertenkollegs und der Universität Tokio ihre Forschungsprojekte vor, die im Kontext aktueller Themen lebendig und bereichernd diskutiert wurden. Das vollständige Programm finden Sie >> hier.
Den Abschluss der Veranstaltung bildete ein Besuch des Sanaa-Hauses auf Zollverein, das von den japanischen Architekten Kazuyo Sejima and Ryue Nishizawa entworfen wurde, mit anschließender Vernetzungsmöglichkeit.
Die aktuelle Situation in Japan ist auch Thema im Blog des DFG Graduiertenkollegs 1613 "Risk and East Asia".
Professorin Dr. Ute Klammer
Erster Gleichstellungsbericht der Bundesregierung
Handlungsempfehlungen für eine innovative Gleichstellungspolitik
Die Sachverständigenkommission für den ersten Gleichstellungsbericht der Bundesregierung hat unter Vorsitz von Prof. Dr. Ute Klammer, Prorektorin für Diversity Management an der Universität Duisburg-Essen und Vorstandsmitglied des Essener Kollegs für Geschlechterforschung, am 25. Januar 2011 ihr Gutachten dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend überreicht und liefert damit zum ersten Mal eine umfassende Bestandsaufnahme der Gleichstellung in Deutschland.
Die Analyse umfasst die Schwerpunkte Lebensverläufe, rechtlich verankerte Rollenbilder, Bildung, Erwerbsarbeit, Zeitverwendung und soziale Sicherung von Frauen und Männern im Alter. Die Kommission gibt darüber hinaus zahlreiche konkrete Empfehlungen für eine zukunftsweisende Gleichstellungspolitik, die dem großen wirtschaftlichen Potenzial von Geschlechtergerechtigkeit und ihrer stabilisierende Wirkung für das Sozial- und Steuersystem Rechnung trägt.