Aquatische Ökologie

Probenahme auf der Lippe

Voller Erfolg des GEO-Tages der Artenvielfalt

Der GEO-Tag der Artenvielfalt an der Lippemündung in Wesel am 18. Juni zeigte deutlich, dass sich Renaturierungsmaßnahmen in einem vergleichsweise kurzen Zeitraum von 7 Jahren sehr positiv auf die Artenvielfalt auswirken können. Ca. 60 Forscher waren an diesem Tag zusammengekommen, um den renaturierten Abschnitt an der Lippemündung genauer unter die Lupe zu nehmen. Trotz der eher ungünstigen Hochwassersituation konnten rund 1000 Pflanzen- und Tierarten erfasst werden - 86 der vorgefundenen Arten stehen auf der so genannten „Roten Liste“ von Tierarten, die in ihrem Bestand gefährdet sind. Besonders artenreich zeigte sich mit 197 Arten die Gruppe der Käfer, aus der viele auentypische Arten gefunden wurden. Herausragend ist hier der Fund des „Gestreiften Ahlenläufers“ (Bembidion striatum) als typische Art dynamischer Sandufer, der mittlerweile vom Aussterben bedroht und damit sehr selten geworden ist.

Weitere Informationen und Details finden Sie unter den nachfolgenden Links:

Zum GEO-Tag an der Lippemündung:

PM EGLV    Blog EGLV: Bembidion    Blog EGLV: Lichtfang

Bericht RP Online    Bildergalerie bei flickr

Zur Umgestaltung der Lippemündung im Allgemeinen

 

18. Juni 2016

GEO-Tag der Artenvielfalt

An der Lippemündung in Wesel wird die Artenvielfalt am 18. Juni im Fokus des allgemeinen Interesses stehen: Zum „GEO-Tag der Artenvielfalt“ werden nicht nur zahlreiche Forscher erwartet, die in diesem neu entstandenen Naturraum die Tiere und Pflanzen unter die Lupe nehmen. Ein vielfältiges Programm zwischen 13 und 17 Uhr lädt zum Mitmachen ein. Unter anderem werden Befischungen und Exkursionen angeboten.

Die Aquatische Ökologie beteiligt sich, wie schon in den letzen Jahren, zusammen mit dem NABU, der Universität Köln, der Biologische Station Kreis Wesel, der Stadt Wesel und dem Kreis Wesel sowie der Firma Hülskens aus Wesel an der Aktion. Besucherinnen und Besucher haben am 18. Juni ab 13 Uhr nicht nur die Gelegenheit, den Forschern aus nächster Nähe über die Schulter zu schauen. Bei Führungen vor Ort können Interessierte auch eigene Beobachtungen anstellen. Die teilnehmenden Institutionen sorgen mit Infoständen dafür, dass es gerade für Familien kurzweilige Angebote gibt, an denen auch Kinder ihre Freude haben.

Ort der Veranstaltung: Büdericher Insel, 46485 Wesel

(auf Google maps anschauen)

Erster Wiederansiedlungsversuch erfolgreich durchgeführt

Die Abteilung aquatische Ökologie der Universität Duisburg-Essen hat in Zusammenarbeit mit der AG Gewässerökologie & Naturschutz der Universität Oldenburg erfolgreich den ersten Umsetzungsversuch einer Makrozoobenthosgemeinschaft in Deutschland durchgeführt.
Für dieses Experiment wurden in einem Spendergewässer in der Kirchheller Heide Laubsäckchen als Besiedlungssubstrate für 4 Wochen ausgebracht. Diese Laubsäckchen wurden in einer konzertierten Aktion von 14 Helfern vorsichtig entnommen und zum Empfängergewässer in der Nähe von Düsseldorf transportiert und dort anschließend vorsichtig wieder ausgebracht.
Eine Doktorarbeit und mehrere Masterarbeiten dokumentieren dabei wissenschaftlich die einzelnen Arbeitsschritte und prüfen die Vitalität der umgesetzten Makrozoobenthosgemeinschaft.
Dieser erste Umsetzungsversuch ist Teil eines 3-jährigen Projektes in dem die Möglichkeit einer Umsetzung einer gesamten Makrozoobenthosgemeinschaft von einem vitalen Gewässer in ein verarmtes Gewässer getestet und evaluiert wird. Dieses Pilotprojekt leistet somit einen Beitrag, um im Sinne der EU-Wasserrahmenrichtlinie verarmte Gewässer mit natürlichen Lebensgemeinschaften wieder zu besiedeln.

Einige Impressionen von den Arbeiten sehen Sie hier:

EGLV Projekt bei den GreenTec Awards

Online-Voting: Ihre Stimme für Dülmen

Emschergenossenschaft/Lippeverband haben sich mit Ihrem Projekt "DSADS – Den Spurenstoffen auf der Spur im Wasserkreislauf" für die GreenTec Awards beworben und sind bereits unter den TOP10 deutschlandweit. In einem Online-Voting bis zum 13.01.2016 kann das Projekt es noch unter die TOP3 schaffen. Die Abstimmung dauert nicht lange und jede Stimme zählt. Hier geht es direkt zum Voting

Darum geht es im Projekt: Arzneimittelwirkstoffe werden in nahezu allen deutschen Gewässern in Spuren nachgewiesen. Sie werden nach Einnahme nicht vollständig im Körper abgebaut. Durch Ausscheidung und unsachgemäße Entsorgung gelangen Rückstände ins Abwasser. Viele Wirkstoffe werden in Kläranlagen gar nicht, andere nur zum Teil entfernt. So gelangen sie in die Flüsse und Seen sowie ins Grund- und Trinkwasser. In noPILLS/DSADS wird mit einer Kombination von verbesserter Abwasseraufbereitung sowie Sensibilisierung von Bevölkerung und medizinischen Akteuren die Gewässerbelastung durch Arzneimittelrückstände reduziert. Auch die AÖ bearbeitet einige Fragestellungen im Projekt. 

Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Limnologie

Gewässer im Wandel


„Gewässer im Wandel“— dieses Motto wird im Ruhrgebiet anschaulich gelebt: Die Emscher, für 100 Jahre ein offener Abwassersammler, wird aufwendig naturnah umgestaltet, das größte Projekt zur ökologischen Verbesserung eines Flusses weltweit. Essen war daher ein idealer Treffpunkt für rund 400 Fachleute – insbesondere Gewässerbiologen und Ingenieure – die vom 21.–25.09.2015 zur Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Limnologie zusammengekommen sind.

Eingeladen hatte die Universität Duisburg-Essen (Abteilung Aquatische Ökologie und Zentrum für Wasser- und Umweltforschung) in Zusammenarbeit mit der Emschergenossenschaft, dem Lippeverband und dem Ruhrverband. Pünktlich zur ersten Zielerreichungs-Frist der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie, die einen guten ökologischen Zustand für die Seen und Flüsse in Europa fordert, wurde das Erreichte – und bisher Unerreichte – präsentiert und diskutiert und es wurden neue Forschungsergebnisse ausgetauscht.

Die DGL 2016 findet in Wien statt.

 

Studie der Arbeitsgruppe Aquatische Ökologie im Rahmen des EU-Projektes BIOFRESH

Natürliche und anthropogene Einflussfaktoren der aquatischen Biodiversität lassen sich oft nicht trennen

Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Arbeitsgruppe Aquatische Ökologie, die im Rahmen des EU-Projektes BIOFRESH durchgeführt wurde. Ziel der Studie war es, den Einfluss der menschlichen Landnutzung und Bebauung auf die Diversität von insgesamt elf Organsimengruppen (u.a. Fische, Amphibien, Insekten, höhere Pflanzen) zu quantifizieren. Ein internationales Forscherteam untersuchte dazu Biodiversitätsdaten zu Flüssen, Seen, Auen und Feuchtgebieten, Teichen und Grundgewässern aus ganz Europe. Die Ergebnisse sind trotz der unterschiedlichen Charakteristik der betrachteten Ökosysteme eindeutig: natürliche Einflussfaktoren wie Temperatur, Niederschlag oder Höhenlage wirken zusammen mit anthropogenen Landnutzungen und bestimmen somit gemeinsam die Diversität der Organismen. Dabei lassen sich die Einflüsse nicht vollständig trennen, zumal nicht, wenn man auf kontinentaler Ebene analysiert. Das Ergebnis mag zunächst trivial erscheinen, liefert bei genauerer Betrachtung jedoch wichtige Hinweise für zukünftige Studien zur aquatischen Diversität. Die Studie ist in der Fachzeitschrift Ecological Indicators erschienen.
 

Sogenannte Substratexponate nach dem Vorbild natürlicher Holzlagen im Bach

Ziel: Gewässertypische Arten an Bächen aktiv wieder ansiedeln

Neues Forschungsprojekt entwickelt "Wohnmobile" für Insekten

Tierarten in einer Art "Wohnmobil" in ihre natürliche Umgebung an Bächen zurückbringen und dort wieder ansiedeln: Das ist Ziel eines neuen Forschungsprojekts unter der Leitung der Oldenburger Gewässerökologin Prof. Dr. Ellen Kiel mit Beteiligung der Abteilung Aquatische Ökologie der Universität Duisburg-Essen. Drei Jahre lang werden im Auftrag des nordrhein-westfälischen Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) geeignete Methoden für die Wiederansiedlung von Insekten und anderen Wassertieren entwickelt.
Bäche und Flüsse dienen dem Menschen seit Jahrhunderten in vielfacher Weise. Man nutzte sie als Trinkwasserlieferant ebenso wie zum Beseitigen von Brauchwasser. Als zentrales Element ausgeklügelter Drainagesysteme halfen sie, Wasser aufzunehmen und abzuführen, und ermöglichten dem Menschen vielerorts erst dadurch die Besiedlung und Bewirtschaftung nasser oder zeitweise überfluteter Gebiete.

Weit jünger ist das differenzierte Wissen um die Ökologie aquatischer Systeme und die negativen Effekte einer rein funktionalen Betrachtung und Bewirtschaftung von Gewässern. Allerdings reichen für eine erfolgreiche Renaturierung allein eine verbesserte Wasserqualität und Gewässerstruktur nicht aus, wie Studien belegen. Auch die gesetzlich vorgeschriebene Bewertung von Fließgewässern zieht somit die jeweils spezifischen Tiergemeinschaften als zentralen Indikator für das "ökologische Funktionieren" und die Qualität von Wasserläufen heran. "Die gewässerspezifische Fauna fehlt oft in ‚kaputten‘, lange malträtierten Bächen und kehrt eben nicht immer von selbst dorthin zurück", sagt Kiel.
Daher beauftragte das LANUV nun die Universität Oldenburg mit dem Forschungs- und Entwicklungsprojekt, um typischen Arten kleiner und mittlerer Bäche bei der Wiederansiedlung in ihrem natürlichen Lebensraum zu helfen. In dem Projekt in Kooperation mit der Universität Duisburg-Essen und mehreren regionalen Wasserverbänden können Kiel und ihr Team bereits auf Erkenntnisse früherer Arbeiten zurückgreifen. Gemeinsam mit Studierenden der Umweltwissenschaften und Landschaftsökologie haben sie eine geländetaugliche Methode entwickelt, die zugleich wissenschaftlichen Standards genügt.

Die Studierenden verglichen in Feldstudien und Abschlussarbeiten etwa unterschiedliche Materialien wie Holz oder Kies, die eine intakte Bachsohle charakterisieren. Mithilfe von Netzmaterial lassen sich daraus kleine Päckchen schnüren, die etwa Eintags- und Köcherfliegen oder Käfern als Transportmittel zu einem neuen "Wohnort" dienen. Weitere Vorstudien erprobten etwa, wie und wie schnell sich die tierischen "Probanden" am besten wieder aussetzen lassen und verglichen Besiedlungserfolge im zeitlichen Verlauf. Dabei zeigte sich, dass die gewässertypischen Tiere die "Umzugsangebote" gut annehmen. Darauf aufbauend kann das Biologen-Team im neuen Projekt nun gezielt Materialien für "Wohnmobile" auswählen, um etwa Larven verlustfrei zu einem bestimmten Gewässer transportieren und dort ansiedeln zu können.
 

Wien/Berlin/Essen/Brüssel, 6. Mai 2015

Erste europaweite Informationsplattform für Binnengewässer online

Vier europäische Forschungseinrichtungen haben am 6. Mai 2015 eine Onlineplattform veröffentlicht, die erstmals Informationen und Ergebnisse aus der Süßwasserökosystemforschung bündelt. Sie stellt Daten und Kartensysteme frei zugänglich zur Verfügung und soll neue Forschungsansätze auf diesem Gebiet anregen. Die Plattform bietet damit eine einzigartige und umfassende Wissensgrundlage für ein nachhaltiges und evidenzbasiertes Management unserer bedrohten Binnengewässer und der Ressourcen, die sie bereitstellen.

www.freshwaterplatform.eu

Durch Verschmutzung, Landnutzung und Klimaveränderungen geraten Binnengewässer und ihre biologische Vielfalt in ganz Europa zunehmend unter Druck. Zahlreiche Forschungsprojekte haben sich deshalb in den letzten Jahren mit den Ursachen und Folgen für Flüsse, Seen und Feuchtgebiete befasst und Renaturierungsstrategien für sie entwickelt. Trotz der Fülle an potenziell vorhandenen Informationen und Daten sind diese für die Öffentlichkeit, politische Entscheidungsträger, Behörden und Wassermanager nur schwer zugänglich. Das liegt zum Teil daran, dass Forschungsdaten nicht immer systematisch publiziert werden bzw. in einer Fülle von unterschiedlichen wissenschaftlichen Publikationen und Projekt-Webseiten eingebettet sind.

Um diesen Umstand zu ändern haben die Universität für Bodenkultur in Wien, die Universität Duisburg-Essen, das Königliche Belgische Institut für Naturwissenschaften in Brüssel, sowie das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei in Berlin ein neues Informationsportal entwickelt. Auf der nun eingeführten „Freshwater Information Platform“ (www.freshwaterplatform.eu) werden Ergebnisse verschiedener abgeschlossener und laufender Forschungsprojekte zusammengefasst und öffentlich zugänglich gemacht. Die Plattform setzt sich aus mehreren komplementären Teilen zusammen, die entweder einen leichten Zugriff auf Originaldaten ermöglichen oder eine Zusammenfassung von Forschungsresultaten in leicht verständlicher Weise bieten. Alle Inhalte werden laufend aktualisiert und ergänzt.

Ausführliche Pressemitteilung

Beteiligte Institutionen und Kontakt:
Universität für Bodenkultur, Wien (Österreich), BOKU

Astrid Schmidt-Kloiber (astrid.schmidt-kloiber@boku.ac.at), +43 1 47654 5225

Universität Duisburg-Essen, Aquatische Ökologie (Deutschland), UDE
Daniel Hering (daniel.hering@uni-due.de), +49 201 183 3084 & Jörg Strackbein

Königliches Belgisches Institut für Naturwissenschaften, Brüssel (Belgien), RBINS
Koen Martens & Aaike De Wever (adewever@naturalsciences.be), +32 2 627 43 90

Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei, Berlin (Deutschland), IGB
Klement Tockner (tockner@igb-berlin.de), +49 30 64181 601 & Vanessa Bremerich

Mehr auf www.freshwaterplatform.eu

Neue Webseite

Deutschlands Natur – Pflanzen, Tiere, Lebensräume

Deutschlands Natur ist vielfältig und steckt voller Überraschungen. Als „online-Naturführer“ beschreibt deutschlands-natur.de die Lebensräume von der Küste bis zu den Alpen, ihre Pflanzen- und Tierwelt mit wunderbaren Fotografien und einer grossen Fülle an Informationen.

Wälder, Wiesen, Bäche, Seen: die Gruppen von Lebensräumen sind allgemein bekannt. Boden, Klima, Höhenlage und Nutzung führen jedoch zu sehr unterschiedlichen Ausprägungen. Bergwälder aus Fichten und Tannen haben wenig mit Buchenwäldern des Tieflandes gemein, kleine Bäche unterscheiden sich grundlegend von großen Flüssen. Es werden eine Auswahl von Lebensräumen in Steckbriefen vorgestellt: Merkmale und Standortbedingungen werden ebenso berücksichtigt wie typische Pflanzen und Tiere. Darüber hinaus wird über aktuelle Themen der Natur und des Naturschutzes informiert.

www.deutschlands-natur.de

Wasserläufer

AÖ/ZWU Team "Wasserläufer"

Erfolgreiche Teilnahme Essener Firmenlauf

Das Team "Wasserläufer" der Aquatischen Ökologie und des ZWU hat am 10. September sehr erfolgreich am 4. Essener Firmenlauf teilgenommen. Bestplatziertes Teammitglied war Mark Schumann mit einer Zeit von 21:48 für die 5,1km Strecke. Damit landerte er auf Platz 222 von insgesamt knapp 9000 Teilnehmern. Beachtlich ist auch der Platz 424 mit einer Zeit von 23:05 von Daniel Hering. Aber auch die übrigen 24 Teammitglieder haben sich tapfer geschlagen. Mit Platz 74 zählte das Damenteam der Wasserläufer (Nadine Ruchter, Henrike Hamer und Veronica Dahm) zu den besten und auch die schnellsten Herren der Wasserläufer landeten auf einem eindrucksvollen Platz 81. Im kommenden Jahr hoffen die Wasserläufer auf Zuwachs für dieses schöne Teamevent.

Flohkrebs mit markiertem Parasit @Nadine Ruchter

Forscher von UDE und RUB untersuchen den Emscherumbau

Von der Kloake zum Fluss

[15.08.2014] Europas größte Kloake wird wieder zu dem, was sie einmal war: ein Fluss. An vielen Stellen sind die Emscher und ihre Nebenbäche schon sauber, dort ist Leben ins Wasser zurückgekehrt. Verschiedene Arten von Schnecken, Insektenlarven und Flohkrebsen sind wieder zu finden und mit ihnen auch Parasiten, die in diesen Tieren leben. Diese für ein Ökosystem wichtigen Gemeinschaften interessieren Biologen der Universitäten Duisburg-Essen (UDE) und Bochum (RUB). An ihnen wollen sie die Folgen des ökologischen Umbaus ablesen. Dafür untersuchen sie bis Ende 2015 wiederbesiedelte Emscherzuläufe. Das Mercator Research Center Ruhr (MERCUR) unterstützt das Projekt mit über 225.000 Euro.

„Flohkrebse und ihre Parasiten beispielsweise sind wichtige Besiedler von Gewässern. Je vielfältiger und zahlreicher sie vorhanden sind, desto ausgeglichener ist das Ökosystem“, erklärt Prof. Dr. Bernd Sures. Er leitet das Projekt. Amphipoda – so werden die Flohkrebse auch genannt – haben wichtige Aufgaben: Sie zerkleinern beispielsweise das Laub und stehen auf dem Speiseplan einiger Tiere. Weil sie unterschiedliche Bedingungen tolerieren können, haben sich neben heimischen auch einige fremde Arten im Ruhrgebiet breit gemacht. Oft sind sie von Parasiten befallen, die ihr Verhalten beeinflussen. Von den Microspora beispielsweise. Diese pilzähnlichen Schmarotzer kommen sehr häufig in Flohkrebsen vor und werden direkt übertragen. Kratzwürmer (Acanthocephala) hingegen sehen Krebse nur als Zwischenstation an: Sie brauchen einen weiteren Wirt, nämlich Fische oder Enten, um sich zu vermehren. „Somit zeigt sich an der Vielfalt der vorkommenden Parasiten, wie intensiv die biologischen Wechselbeziehungen sind“, sagt Professor Sures.

Die Forscher wollen nun u.a. den zweitgrößten Nebenfluss der Emscher, die Boye, untersuchen und mit Proben aus umliegenden Gewässern vergleichen. Sie erhoffen sich dadurch nicht nur Antworten darauf, welche Tiere die umgebauten Zuläufe besuchen. Vielmehr möchten sie Gesetzmäßigkeiten ableiten, nach denen ehemals degradierte Ökosysteme wiederbesiedelt werden und sich komplexe Lebensgemeinschaften aufbauen. „Wir schauen uns die Populationsstruktur der Amphipoda an: Welche Arten sind wie zahlreich vorhanden, und woher kommen sie? Was für Parasiten haben sie, und behindern diese womöglich die Ausbreitung?“, fasst Projektleiter Sures die wichtigsten Fragen zusammen. „Durch unsere bisherigen Arbeiten wissen wir, dass es bislang noch nicht viele eingewanderte Flohkrebsarten an der Emscher gibt. Aber wir erwarten, dass sie sich vermehrt ansiedeln – aus dem Donaugebiet etwa –, spätestens wenn der Hauptlauf sauber und wieder an den Rhein angeschlossen ist.“