© Christian Schlautmann

Neue Publikation"Shifting waters: How habitat alteration affects host-parasite dynamics in freshwater ecosystems"

Süßwassergewässer sind durch eine Vielzahl von Stressoren belastet, die auf jeder Ebene dieser komplexen Ökosysteme wirken. Auch auf die Parasitenfauna, einen wichtigen aber oft übersehenen Baustein derselben, haben menschengemachte Habitatsveränderungen massive Auswirkungen, die große Kaskaden nach sich ziehen. Ein Team von Biolog:innen der Universität Duisburg-Essen hat die Auswirkungen von fünf Habitateingriffen auf die Parasitenfauna und ihre Folgen verdeutlicht. Die Ergebnisse wurden in Parasitology Research veröffentlicht und sollen Aufmerksamkeit auf die Notwendikeit integrativer Management-Strategien lenken. 

Degradation, Landwirtschaft, Staudämme und Urbanisation, aber auch die Restoration zerstörter Gewässer stellen einen massiven Eingriff in die Ökosysteme von Süßgewässern dar. Diese Eingriffe wirken sich auch auf Parasiten und ihre Wirte aus, mit teils gravierenden ökologischen und gesundheitspolitischen Folgen, die als solche in ihrer Gesamtheit selten betrachtet werden. 

Das Team um Erstautor Bernd Sures hat nun zum ersten Mal ein vollständiges Review solcher Fälle herausgebracht und die Rolle der Parasiten innerhalb der Ökosystem Veränderungen dabei beleuchtet. Dabei sind Parasiten ebenso Teil des durch Degradation hervorgebrachten Artensterbens, wie sie ein potentielles öffentliches Gesundheitsrisiko durch Massenvermehrung in künstlichen Stillgewässern durch Staudämme und Reservoiren darstellen, wo spezielle Wirte und Parasiten wie zum Beispiel Malaria hervorragende Lebensbedingungen vorfinden.

Bei der Renaturierung von  Süßgewässern, wie der Emscher, die von der Universität Duisburg-Essen im Rahmen einer Anzahl von Projekten begleitet wird, erholt sich auch teilweise die Parasitenfauna, jedoch aufgrund immer noch existenter Stressoren, vor allem bei Generalisten mit kurzen Lebenszyklen, was die Erholung und die Parasitengeminschaften verfälscht. Eine solche Verarmung der Parasitengemeinschaften lässt sich auch bei intensiver Landwirtschaft beobachten, wo Chemikalien komplexe Lebenszyklen unterbrechen, Wirte aussterben, während Bewässerung und Eutrophie neue Reservoirs für einzelne Parasitenarten schaffen.

Dieses Review demonstriert die multiplen Rollen, die Parasiten in Süßwasserökosystemen spielen, als Teile derselben, als Bioindikatoren, als Nutznießer und Opfer von Habitatsveränderungen aber auch als Krankheitserreger. Das Fazit der Publikation, so die Autoren, ist es also, dass ein integrativer Ansatz sowohl zur Renaturierung als auch zur allgemeinen Gesundheit Parasiten stets mit beinhalten sollte, sowohl als Teile eines Ökosystems, als auch als Krankheitsüberträger.

Die Studie entstand im Sonderforschungsbereich RESIST der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der an der UDE koordiniert wird.

Originalpublikation: doi.org/10.1007/s00436-026-08730-1

English version: https://www.uni-due.de/aquatic_ecology/publications/shifting_waters.php

Bild: Begradigter und Renaturierter Teil der Emscher, im Hintergrund der urbane Raum des Ruhrgebietes

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