Programm & Referierende
Wie können Hochschulen unabhängiger von großen Technologiekonzernen werden? Diese Frage steht im Mittelpunkt der Tagung zur „Digitalen Souveränität“ an der UDE am 18. Juni 2026.
In einer Zeit, in der digitale Infrastrukturen zunehmend von wenigen globalen Playern dominiert werden, ist es entscheidend, dass Behörden und öffentliche Einrichtungen ihre digitale Handlungsfähigkeit stärken. Die „Digitale Souveränität“ stellt nicht nur EU, Bund und die Bundesländer vor erhebliche Herausforderungen, sondern auch die Hochschulen – von der Datensouveränität über sichere Infrastruktur bis hin zur Gestaltung autonomer digitaler Lehr- und Forschungsräume.
Ziel der Veranstaltung ist es, gemeinsam mögliche Schritte zu diskutieren und praktische Maßnahmen abzuleiten, wie sich Hochschulen autonomer aufstellen können. Gemeinsam mit Expert*innen, Praktiker*innen Entscheidungsträger*innen diskutieren wir mögliche Strategien, um Abhängigkeiten zu reduzieren und nachhaltige, sichere sowie datenschutzkonforme Lösungen für die Hochschulen in NRW zu entwickeln.
Moderation
Prof. Dr. Hannes Rothe
Prof. Dr. Hannes Rothe ist Inhaber des Lehrstuhls für Sustainability and Innovation in Digital Ecosystems am Rhine-Ruhr Institute of Information Systems der Universität Duisburg-Essen (UDE). Er leitet das Co-Creation Lab: Place Beyond Bytes (UDE) und ist Mitbegründer des Digital Entrepreneurship Hub an der Freien Universität Berlin. Tagsüber beschäftigt er sich mit digitaler Innovation und Entrepreneurship sowie Nachhaltigkeit und Wachstum in digitalen Ökosystemen. Seine Forschungsergebnisse wurden in international führenden Fachzeitschriften der Wirtschaftsinformatik und des strategischen Managements veröffentlicht. Abends gestaltet er Innovationsökosysteme in Deutschland, etwa gemeinsam mit der BRYCK Startup Alliance im Ruhrgebiet oder dem Einstein Center Early Disease Interception in Berlin.
Programm
ab 9.00 UhrAnkommen & Anmeldung
9.15–9.20 UhrBegrüßung
Prof. Dr. Pedro José Marrón
Prof. Dr. Pedro José Marrón hält einen Bachelor- und Masterabschluss in Computer Engineering von der University of Michigan in Ann Arbor und promovierte 2001 an der Universität Freiburg. Nach Aufenthalten an der Universität Stuttgart und an der Universität Bonn ist er seit 2009 als Professor an der Universität Duisburg-Essen tätig, wo er derzeit die Forschungsgruppe „Network Embedded Systems“ leitet. Seine Forschungsinteressen umfassen verteilte Systeme, Robotik, künstliche Intelligenz, Sensornetzwerke sowie "pervasive systems". Er ist Mitglied der Association for Computing Machinery (ACM) und der Gesellschaft für Informatik (GI).
Im Jahr 2020 trug er entscheidend zu der Gründung von GUIDE, dem Zentrum für Gründungen und Innopreneurship der Universität Duisburg-Essen, bei und ist seither Vorstandsvorsitzender des Zentrums. 2022 wurde er zum Prorektor für Transfer, Innovation & Digitalisierung an der Universität Duisburg-Essen ernannt, und 2024 übernahm er zusätzlich die Rolle des Chief Information Officer (CIO) der Universität Duisburg-Essen. In diesen Rollen ist er für die Konzeption und Umsetzung globaler Strategien für Digitalisierung und Wissenstransfer an der Universität verantwortlich.
Seine Tätigkeiten zur Koordination und Leitung des europäischen Exzellenznetzwerks CONET im Bereich der "Cooperating Objects" unterstreichen Pedro Marrons Ambition, Innovationen zusammen mit der Industrie zu fördern. Als logische Konsequenz folgte die Gründung von UBICITEC, dem europäischen Zentrum für ubiquitäre Technologien und Smart Cities, gemeinsam mit mehr als 20 institutionellen Partnern aus Industrie und Wissenschaft.
Daneben ist Pedro Marron Gründer und CEO der LocosLab GmbH, einer Ausgründung der Universität Duisburg-Essen, welche sich als KMU auf schlüsselfertige Lösungen für die Bereiche "Smart Cities", "Internet of Things" und künstliche Intelligenz spezialisiert hat.
09.20–09.50 UhrDigitale Souveränität an Hochschulen - die Zeit ist reif
Die Corona-Pandemie war 2020 ein Booster für die Digitalisierung der Hochschulprozesse. Schnelle Lösungen mussten gefunden werden, die oft einhergingen mit einer hohen Abhängigkeit zu Unternehmen mit ihren proprietären Systemen und viel diskutierten Einschränkungen der DSGVO.
2023 hat der Wissenschaftsrat mit seiner Empfehlung "Souveränität und Sicherheit der Wissenschaft im digitalen Raum" den Hochschulen nahegelegt ihre Digitale Souveränität zu stärken. Das Hochschulforum Digitalisierung hat in der AG "Digitale Souveränität" 2024 in eine ähnliche Richtung argumentiert und mit dem Arbeitspapier "Hochschulen zwischen digitaler Souveränität und digitaler Abhängigkeit: Verunsicherung vs. Selbstbestimmung" Ansätze für eine Umsetzung skizziert.
Getrieben durch aktuelle politische Diskussionen zu einer Digitalen Souveränität in Europa hat das Thema an Fahrt aufgenommen. Bundesländer wie beispielsweise Schleswig-Holstein, Thüringen oder Berlin sind dabei sich mit einer konsequenten Open-Source-Strategie aus den Abhängigkeiten proprietärer Systeme zu lösen. Auch Nordrhein-Westfalen hat sich auf den Weg gemacht. Der IT-Planungsrat hat im November 2025 Open Source als wesentliches Kriterium in den Beschaffungsprozess für öffentliche Ausschreibung aufgenommen und im März 2026 den Sovereign Cloud Stack (SCS) sowie Open Stack als Standard ausgerufen. Damit sind weitere Weichen gestellt worden.
Ergänzend wird ein Blick auf technologische Souveränität im Hardwarebereich als Ergänzung notwendig sein: Was nützt langfristig eine digital souveräne Software-Infrastruktur, wenn die Hardware proprietär, intransparent und potentiell mit Hintertüren belastet ist? Auch hier sind starke Aktivitäten auf europäischer Ebene zu beobachten. Was bedeutet dies nun für die Weiterentwicklung der Hochschulen in den Bereichen Verwaltung, Lehre und Forschung? Welche Verantwortung haben Hochschulen in dem gesellschaftlichen Diskurs? Wie können Hochschulen gemeinsame Wege gehen? In diesem Vortrag möchte ich ein paar Impulse zur Rolle der Hochschulen auf dem Weg zu einer Digitalen Souveränität in Europa und insbesondere an den Hochschulen geben.
Vita
Prof. Dr. Karin Vosseberg
Prof. Dr.-Ing. Karin Vosseberg ist Informatikerin und hat 1996 im Bereich IT-Sicherheit an der Universität Bremen promoviert. Von 1997 bis 2000 hat sie in das Projekt „Informatica Feminale - Sommeruniversität für Frauen in der Informatik“ ihr Interesse ein Informatik-Curriculum zu entwickeln, das für Frauen und Männer gleichermaßen interessant ist, eingebracht. Anschließend hat sie für acht Jahre bei der Commerz Systems im Bereich Business Development gearbeitet.
Seit 2009 ist sie Professorin für Informatik und Wirtschaftsinformatik an der Hochschule Bremerhaven mit dem Schwerpunkt Systemintegration und dem besonderen Fokus auf Qualität von Software.
Von 2015 bis 2021 war sie Mitglied im Rektorat der Hochschule Bremerhaven und hat insbesondere während der Corona-Pandemie die Digitalisierung der Hochschulprozesse in der Lehre vorangebracht.
Seit 2015 ist sie Präsidiumsmitglied im ASQF (Arbeitskreis Softwarequalität und Fortbildung) und seit 2022 ist sie Mitglied im Aufsichtsrat der HISeG. 2023 und 2024 hat sie sich in die AG „Digitale Souveränität“ des Hochschulforums Digitalisierung eingebracht. Als Studiengangsleiterin des Studienbereichs Informatik der Hochschule Bremerhaven hat sie mit ihren Kolleg:innen und den Studierenden gemeinsam den Dreiklang „Digitale Souveränität - Open Source - Nachhaltigkeit“ als Fundament der Studienkultur etabliert.
9.50–10.10 UhrOffene Innovation durch Open Source
„Digitale Souveränität“ erfolgreich und vor allem auch richtig umzusetzen, erfordert eine starke Fokussierung auf Open Source, aber insbesondere auch einen Wandel hin zu Ökosystemen und Netzwerken offener Innovation. Der Impuls wird kurz auf das bisher Erreichte sowie auf die zukünftigen Planungen der Landesverwaltung Schleswig-Holstein eingehen.
Vita
Sven Thomsen
Sven Thomsen ist CIO des Landes Schleswig-Holstein und leitet im Digitalisierungsministerium des Landes die Abteilung Digitalisierung und Zentrales IT-Management. Zuvor war er als freier Berater, Projektleiter beim Norddeutschen Rundfunk sowie als Referatsleiter im Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz tätig.
10.10–10.30 UhrDiskussion mit Referent:innen & Plenum
Kaffeepause
(von 10.30 bis 10.45 Uhr)
10.45–11.05 UhrDer regulatorische Rahmen für den Ausweg aus struktureller Technologie-Abhängigkeit
Inhaltsbeschreibung: Der Vortrag beleuchtet den regulatorischen Rahmen zur Durchsetzung digitaler Souveränität im europäischen und deutschen Kontext. Im Mittelpunkt stehen die auf EU-Ebene vorgesehenen Regelungen und auch Fragen zu ihrer praktischen Durchsetzbarkeit. Vor dem Hintergrund der deutschen Umsetzungspraxis wird analysiert, welche Handlungsspielräume Hochschulen und Hochschulverbünde besitzen – und wie das bevorstehende Auslaufen zentraler Microsoft-Verträge im Jahr 2030 als Katalysator für eine strategische Neuausrichtung hin zu souveränen, interoperablen Infrastrukturen genutzt werden kann.
Vita
Prof. Dr. Dennis-Kenji Kipker
Prof. Dr. Dennis-Kenji Kipker studierte Rechtswissenschaft und Informatik und forscht als wissenschaftlicher Direktor und Gründer des cyberintelligence.institute an der Schnittstelle von Recht und Technik in der Cybersicherheit, Konzernstrategie sowie zu digitaler Resilienz im Kontext globaler Krisen mit einem Forschungsschwerpunkt insbesondere im chinesischen und US-amerikanischen IT-Recht. In dieser Funktion berät er die Bundesregierung, die Europäische Kommission und Unternehmen weltweit, bei denen er u.a. als Aufsichtsrat verschiedene Positionen innehält. Ehrenamtlich beteiligt sich Dennis Kipker in den USA am World Justice Project und im Advisory Board des African Center for Cyberlaw & Cybercrime Prevention (ACCP) an der Nelson Mandela Universität in Südafrika. 2025 wurde Professor Kipker in die Capital „Top 40 unter 40“ aufgenommen, womit Persönlichkeiten ausgezeichnet werden, deren berufliches Wirken als besonders einflussreich und zukunftsweisend gilt.
11.05–11.25 UhrDigitale Souveränität ohne Open Source?
Bei manchen Entscheidern hängt noch das Bild von Hobby-Software fest, obwohl Open-Source-Software längst einen ganzen Industriezweig darstellt. Doch was macht Open-Source-Software aus und warum ist diese für eine echte digitale Unabhängigkeit so unabdingbar? Welche Beispiele gibt es für gelungene Open-Source-Projekte, aber auch welche Herausforderungen sind mit ihrem Einsatz verbunden. So gilt es etwa die Vitalität von Softwareprojekte zu bestimmen und Anbieter zu vermeiden, die Open-Washing betreiben, statt Open Source anzubieten.
Vita
Keywan Tonekaboni
Keywan Tonekaboni ist Technikjournalist und seit 2019 Redakteur bei der Computerzeitschrift c’t. Dort befasst er sich vor allem mit dem freien Betriebssystem Linux und Open-Source-Software. Zu seinen weiteren Themen gehören digitale Souveränität, IT-Sicherheit und der Einfluss von Technik auf die Gesellschaft. Im Wechsel mit anderen Redakteurinnen und Redakteuren der c’t moderiert er den Podcast c’t uplink.
11.25–11.45 UhrBevor Trump den Kill Switch drückt: Lösungen für Digitale Souveränität
Drei Schocks: Microsoft sperrt einer Bank den Datenzugang – sie geht pleite. Der Chefankläger und die Richter des Internationalen Strafgerichtshofs werden digital geknebelt – die Weltjustiz lahmgelegt. Eine indische Ölraffinerie steht still – weil US‑Sanktionen Microsoft dazu zwingen. Die Ursache: eine Nationale Sicherheitsstrategie (NSS 2025) der USA, die europäische Infrastrukturen als „national security assets“ unter amerikanische Kontrolle bringen und US-Monopole ausbauen will.
Der Vortrag zeigt, wie wir uns mit konkreten, sofort umsetzbaren Lösungen aus der digitalen Kolonie befreien können:
- Fünf politische Sofortmaßnahmen:
- European Tech First
- verbindliche Souveränitätsprüfung
- Ausschluss von CLOUD‑Act‑Unternehmen bei kritischer Infrastruktur
- Verbot von Rahmenverträgen mit digitalen Monopolen
- Bestrafung von Souveränitäts‑Washing
- Bildung als strategischer Hebel – openDesk für alle Hochschulen und Studierende kostenfrei bereitstellen
- Risikobasierte Vorgehensstrategie von Unternehmen und Organisationen
- Bürgerbewegung Digital Independence Day – monatliche Aktionen, Wechselrezepte.
- Erfolgreiche Beispiele: Schleswig‑Holstein (30 000 Arbeitsplätze), Bundeswehr, Internationaler Gerichtshof, österreichisches Bundesheer widerlegen die Big-Tech-Narrative sowie deren Marketing-Kampagnen.
Big Tech lebt von unseren Daten. Wer die Datenspende beendet, zwingt die Monopole in die Knie. Die Werkzeuge liegen auf dem Tisch – jetzt geht es darum, sie zu nutzen, bevor der nächste Kill‑Switch gedrückt wird.
Vita
Prof. Dr. Harald Wehnes
Prof. Dr. Harald Wehnes lehrt und forscht am Institut für Informatik der Universität Würzburg. Er ist Sprecher des Präsidiumsarbeitskreises "Digitale Souveränität" der Gesellschaft für Informatik e.V. und bringt über 30 Jahre Erfahrung als IT-Manager in Wirtschaft, Forschung und Verwaltung mit. 2024 veröffentlichte er zwei Bände unter dem Titel "KI in der Projektwirtschaft". Im Mai 2026 wird Harald Wehnes mit dem Albert-Endres-Award des German Chapters of the ACM geehrt.
11.45–12.00 UhrDiskussion mit Referent:innen & Plenum
Mittagspause
(von 12.00 bis 13.00 Uhr)
13.00–13.20 UhrWenn der Stecker gezogen wird: Digitale Souveränität als strategische Infrastrukturaufgabe für und an den Hochschulen
Digitale Souveränität hat vor dem Hintergrund geopolitischer Entwicklungen erheblich an Bedeutung gewonnen. Für Hochschulen geht es dabei nicht nur um technologische Effizienz, sondern um die Sicherung wissenschaftlicher Handlungsfähigkeit und den Schutz sensibler Daten. Der Vortrag beleuchtet strategische Handlungsfelder für Nordrhein-Westfalen, darunter den Ausbau landeseigener Infrastruktur, die bewusste Abwägung zwischen kommerziellen und eigenen Ressourcen – insbesondere bei Forschungsdaten und KI-Anwendungen – sowie die stärkere Nutzung von Open-Source-Lösungen als Grundlage nachhaltiger digitaler Unabhängigkeit.
Vita
Dr. Stefan Drees
Seit Ende 2017 leitet Dr. Stefan Drees das Referat für „Informationsinfrastrukturen, Digitalisierung und Informationssicherheit im Hochschulbereich“ im Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen. Zu seinen Zuständigkeiten gehören u. a. die Digitale Hochschule NRW, Cybersicherheit an den Hochschulen, die HPC-Systeme in NRW bis zur Ebene 2, das Forschungsdatenmanagement/-infrastruktur, das Nationale Hochleistungsrechnen, die Nationale Forschungsdateninfrastruktur und die Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes und EGovG NRW an den Hochschulen. Vorher war er rund neun Jahre als Referent im dortigen Referat für Hochschulplanung tätig.
Der promovierte Sozialwissenschaftler mit dem Schwerpunkt auf Wissenschaftssoziologie hatte zunächst die Stabsstelle für Qualitätssicherung und Evaluation von Studium und Lehre bei der Prorektorin für Lehre an der Universität Wuppertal geleitet und arbeitete danach als Hochschulplaner in der Verwaltung der Hochschule Düsseldorf. Von 2001 bis 2008 war er zusätzlich Lehrbeauftragter an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung NRW in den Fächern „Soziologie“, „Politikwissenschaften“ und „Sozialwissenschaftliche Methoden/Statistik“.
13.20–13.40 UhrDigitale Souveränität als Herausforderung und Chance für die Hochschulen in NRW
Digitale Souveränität beschreibt die Fähigkeit von Institutionen, digitale Technologien, Daten und Prozesse selbstbestimmt, sicher und rechtskonform zu gestalten und zu betreiben. Sie ist kein Ruf nach Autarkie, sondern nach Handlungsfähigkeit: Organisationen müssen grundsätzlich und strategisch entscheiden, welche digitalen Lösungen sie nutzen wollen, die damit verbundenen Risiken sowie Abhängigkeiten kennen sowie diese entsprechend bewerten.
Die Hochschulen in NRW stehen bei dieser Aufgabe vor erheblichen Herausforderungen. Dazu gehören u. a. Fragestellungen zu Abhängigkeiten von Herstellern und Plattformen, rechtliche und regulatorische Herausforderungen, ebenso u. a. Themen wie IT-Sicherheit, Beschaffung und Finanzierung von Hard- und Software sowie Netzinfrastruktur. Die Digitale Hochschule NRW (DH.NRW) trägt als Kooperationsplattform dazu bei, diesen Herausforderungen zu begegnen und sie als Chance zu verstehen, z. B. mit Blick auf Stärkung der Wissenschaftsfreiheit und der Datenhoheit, durch die Intensivierung der Zusammenarbeit der Hochschulen beim Betrieb und der Nutzung gemeinsamer Dienste und Infrastrukturen oder auch hinsichtlich der Förderung von Open Source und offenen Standards.
Der Impuls gibt Einblicke in die entsprechenden Aktivitäten der DH.NRW und soll zum weiteren Diskurs im Rahmen der Veranstaltung beitragen.
Vita
Dr. Martin Jungwirth
Nach dem Abschluss seines Studiums in Englisch und Politik promovierte Martin Jungwirth 2011 im Fach Sozialwissenschaften. Seine Dissertation befasste sich mit einer politikwissenschaftlichen Untersuchung zum Einsatz und zu den Effekten des Umweltmanagementstandards EMAS in kommunalen Verwaltungen in Deutschland und Großbritannien. 2002 begann seine berufliche Laufbahn als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei einem Abgeordneten des Europäischen Parlaments. Von 2003 bis 2007 war Dr. Jungwirth an der Universität Vechta tätig – in der Stabsstelle des Präsidiums und als Referent für Studium und Lehre. Anschließend arbeitete er von 2007 bis 2008 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Lehrerbildung der Universität Hamburg. Zwischen 2008 und 2012 leitete Dr. Jungwirth das Zentrale Prüfungsamt für Lehramtsprüfungen an der Universität Hamburg. Danach übernahm er von 2012 bis 2024 die Geschäftsführung im Zentrum für Lehrerbildung an der Universität Münster. Seit 2024 bekleidet er die Position des Geschäftsführers der Digitalen Hochschule NRW an der Ruhr-Universität Bochum.
13.40–13.55 UhrDiskussion Plenum & Entwicklungsperspektiven für Hochschulen
Kaffeepause
(von 13.55 bis 14.10 Uhr)
14.10–14.30 UhrEin digital souveräner Arbeitsplatz mit sciebo
Digitale Souveränität und Alternativen zu Microsoft 365 beispielsweise durch OpenDesk werden mittlerweile auf verschiedenen Ebenen diskutiert. Der Aufbau einer solchen Plattform ist aber mit großen Aufwänden verbunden. Es soll beleuchtet werden, welche Schritte dahin mit sciebo bereits genommen wurden und wie sciebo in diese Richtung weiterentwickelt werden könnte.
Vita
Holger Angenent
Holger Angenent hat Physik an der Technischen Universität Ilmenau und der Universität Münster Physik studiert. Er arbeitet am Center for Information Technologies der Universität Münster als wissenschaftlicher Mitarbeiter und leitet dort die Gruppe eScience-Infrastruktur. Diese ist für den Betrieb des HPC-Clusters PALMA sowie den landesweit angebotenen Sync and Share-Dienst sciebo verantwortlich.
14.30–14.50 UhrImpulsvortrag OpenDesk
Victor Moster
Produktmanager OpenDesk
14.50–15.10 UhrImpulsvortrag N.N.
15.10–15.30 UhrOpen Source als Schlüssel zu digitaler Unabhängigkeit an Hochschulen
Wie können Universitäten ihre digitale Zukunft selbstbestimmter gestalten? Der Vortrag beleuchtet digitale Souveränität aus Sicht eines Open-Source-Unternehmens und zeigt, warum Offenheit, Modularität und Interoperabilität zentrale Voraussetzungen für nachhaltige IT-Strategien im Hochschulbereich sind. Anhand von Beispielen wird gezeigt, wie Open Source als strategischer Ansatz hilft, digitale Souveränität praktisch umzusetzen und über Architektur und Betrieb bis hin zu Governance und Skalierbarkeit für mehr Kontrolle und Transparenz zu sorgen.
Vita
Nina Müller
Nina Müller hat einen Abschluss in Englisch und Soziologie und war bereits in verschiedenen Funktionen und Branchen tätig, darunter SaaS, Wetter und Musik. Als Non-Code-Contributor in Open Source leitete Nina viele Jahre lang die Big-Data-Konferenz Berlin Buzzwords und setzt sich leidenschaftlich für die Verbesserung von Datenschutzstandards ein. Bei Nextcloud unterstützt sie die Mission, Menschen die Kontrolle über ihre Daten zurückzugeben und die digitale Souveränität zu stärken und spricht darüber regelmäßig auf Veranstaltungen in ganz Europa.
15.30–15.50 UhrDigitale Souveränität - Wie gewinnen wir die Hoheit über Identitäten, Daten, IT-Prozesse und Infrastrukturen zurück?
Aufzeigen eines möglichen und praktikablen Weges hin zu mehr Unabhängigkeit und selbstbestimmtem Handeln. Cybersecurity und digitale Souveränität müssen dabei in Einklang gebracht und fest in IT-Projekte integriert werden. Die Universitäten in Nordrhein-Westfalen nehmen hierbei eine zentrale Rolle ein und haben mit verschiedenen Projekten bereits wichtige erste Schritte unternommen.
Die Umsetzung digitaler Souveränität am Arbeitsplatz stellt einen besonders wirkungsvollen Hebel dar. Eine wesentliche Voraussetzung hierfür sind u. a. leistungsfähige Cloud-Rechenzentren und Systeme und Software, die entsprechend in sehr großen Umgebungen skalieren können. Flankierend bedarf es gezielter und koordinierter Initiativen in den Aufbau von internem Know-how, einer starken Souveränitätskultur, einem intensiven Informationsaustausch, sowie „Botschaftern“, Koordinatoren und User-Communities für den Austausch für eine entsprechende Userexperience.
Vita
Michael Schönborn
Michael Schönborn bringt rund 30 Jahre Erfahrung in der Informationstechnologie aus Wissenschaft, Industrie und Handel mit. Seine Laufbahn startete der Elektrotechniker bei der Koordinierungsstelle der Wissenschaftsorganisationen, bevor er zum Leiter IT und Organisation bei der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld wurde. Anschließend verstärkte er als IT-Sicherheitsbeauftragter das Zentrum für Informations- und Medientechnologie der Universität Siegen. Danach wechselte Schönborn in die internationale Industrie: Bei der Eaton Corporation verantwortete er IT-Themen in EMEA. Weitere Führungspositionen übernahm er bei MARKANT Services International sowie als Geschäftsbereichsleiter bei der EDEKA Rechenzentrum Süd GmbH. Zuletzt war Schönborn CIO bei Fondium, einem produzierenden Unternehmen im Automotive-Bereich. Zu seinen Schwerpunkten zählen u. a. die digitale Transformation, IT-Security sowie darin, IT-Organisationen agiler aufzustellen.
Kaffeepause
(von 15.50 bis 16.00 Uhr)
16.00–17.00 UhrPodiumsdiskussion
Teilnehmende auf dem Podium:
- Prof. Dr. Pedro José Marrón, Universität Duisburg-Essen
- Dr. Martin Jungwirth, Digitale Hochschule NRW
- Victor Moster, OpenDesk
- Holger Angenent, Universität Münster
- Dr. Stefan Drees, Ministerium für Kultur und Wissenschaft Nordrhein-Westfalen
- Keywan Tonekaboni, c’t Magazin
- Prof. Dr. Dennis-Kenji Kipker, cyberintelligence.institute