Hochschuldidaktik

Ein wesentliches Merkmal guter Lehre ist die Teilnehmendenorientierung. Entsprechende Fertigkeiten werden auch dem Begriff der „Gender- und/oder Diversitykompetenz" zusammengefasst.

Was umfasst diese Kompetenz? Kurz gehaltene Checklisten bieten einen guten Überblick, hinterlassen aber häufig ein ‚Fragezeichen' in Bezug auf die Umsetzung. Daher sind die folgenden Tipps aus der Hochschuldidaktik um Beispiele ergänzt:

Interaktionen

- Zunächst bedarf es der Bereitschaft selbst zu hinterfragen, welches Bild man von „der guten Studentin", dem „guten Kollegen" oder dem „potentiellen Nachwuchswissenschaftler" hat.

- Studierendengruppen sind heterogen: Eine Möglichkeit hier ist es ein vielfältiges Angebot an Arbeits- und Lehrformen sowie Lernmethoden anzubieten. Hochschuldidaktische Seminare liefern dabei vielfältige Anregungen.

- Darauf achten, dass möglichst alle sich beteiligen und die Beiträge nicht nur von bestimmten Personen („Platzhirsch/innen") kommen.

- Stille Studierende: Personen direkt ansprechen; Blickkontakt halten, Beiträge würdigen; schweigende Personen zu SprecherInnen von Arbeitsgruppen ernennen (Quelle: Winteler S. 103)

- Auf die Sprache achten: In Beispielen von „Politikerinnen", „Fachleuten", „Erziehern", „Ingenieurinnen und Ingenieuren" sprechen.

- Darauf achten, ob es z. B. bei Gruppenarbeiten eine geschlechtsspezifische Arbeitsteilung gibt im Sinne von: „sie macht die Schreibarbeit, er hält den Vortrag". Ggf. Vortragende ernennen.

- Stigmatisierungen oder Typisierungen vermeiden - diese verbergen sich auch in Floskeln wie beispielsweise: „Wenn z. B. Lieschen Müller..."

- Kritisches Hinterfragen von stereotypen Äußerungen in der Veranstaltung, z. B. „ist ja klar, dass sie den Beamer nicht zum Laufen bekommt. Frauen und Technik!"

Lehrmittel, Fachinhalte

- Bewusstes Einbinden von Autorinnen/Wissenschaftlerinnen, damit die Geschichte eines Faches nicht als jene „großer Männer" erscheint. Beispiele hierzu bekommen Sie hier sowie auf der Internetseite „gender-in-gestufte-Studiengänge.de".

- Ausschlüsse von Frauen in der Geschichte (z. B. Wahlrecht) nicht bloß als „das war damals so" darstellen, sondern aktiv in die Seminardiskussion einbringen, in dem beispielsweise Bezüge zu sozialen Bewegungen und/oder zur Gegenwart hergestellt werden.

- Lehrinhalte wie etwa ‚klassische' Texte einer Disziplin auf implizite Werte bzw. Menschenbilder hinterfragen, z. B. in wie weit dort eine „Kernfamilie" bestehend aus verheirateten Elternteilen mit geschlechtsspezifischer Arbeitsteilung als Ideal dargestellt wird. Dieses dann zur Diskussion stellen.

- Folien/Reader auf den oben genannten Punkt zur Sprache überprüfen.

- Entsprechendes Bildermaterial auf stereotype Darstellungen überprüfen oder bei 'alternativlosen', da 'klassischen' Lehrbüchern ggf. auf einseitige Darstellungsweisen hinweisen.