Kompromisskulturen

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Forschung

Forschungsschwerpunkte

Geschichte Japans vom 16. bis zum 20. Jahrhundert

Umweltgeschichte (Ressourcengeschichte, historische Katastrophenforschung)

Wissenschafts- und Wissensgeschichte

Globalgeschichte

Stadtgeschichte

Mediengeschichte

Forschungsprojekt: Kompromisse und Konflikte in der Wassernutzung in Japan vom 17. bis zum 19. Jahrhundert

Die Nutzung und Verteilung der Ressource Wasser stellt eine der zentralen Aufgaben in der Landwirtschaft dar, in der ständig Kompromisse gefunden und unterschiedliche Interessen austariert werden müssen. Dies gilt auch für Japan, das sich vor allem auf dem Reisanbau begründete, der auf große Wassermengen und eine gute Organisation von Bewässerung angewiesen ist. Im frühneuzeitlichen Japan wurde die Nutzung von Gewässern und Flüssen in der Landwirtschaft durch lokale Gruppen im Sinne von Commons verwaltet, während das Shogunat der Edo-Zeit (1603-1868) und die feudalen Fürstentümer für größere Infrastrukturbauten verantwortlich waren und lokale Konflikte schlichteten. Das Gleichgewicht geriet mit dem Ende des Shogunats und dem Beginn der Meiji-Zeit (1868-1912) aus den Fugen, da sich die neue Meiji-Regierung vor allem auf die Industrialisierung und Militarisierung Japans konzentrierte und Fragen zur lokalen Verwaltung und der Nutzung natürlicher Ressourcen ungeklärt geblieben waren. Zudem wurden auch aus Europa übernommene Rechtsvorstellungen über Privateigentum und ein nach westlichem Vorbild gestaltetes Prozesswesen eingeführt. Die daraus resultierenden Konflikte und der Wunsch nach einer Neuaushandlung der Wassernutzung und Flussregulierung (auch im Lichte neuer konkurrierender Wasserverbraucher wie der Industrie) verband sich mit neuen Vorstellungen über politische Partizipation, die in der Bewegung für Freiheit und Bürgerrechte und ihrer Forderung nach einer Verfassung und einem Parlament in den 1870er und 1880er Jahren gipfelten.

In diesem Projekt wird die Geschichte der Wassernutzung in den ländlichen Räumen Japans und ihrer Aushandlungspraktiken von der Edo-Zeit bis zu ihrer Transformation durch die Reformen der Meiji-Zeit verfolgt. Dabei werden Kompromisse als zentraler Mechanismus der Aushandlung auf drei Ebenen betrachtet: Erstens werden die Praktiken der Kompromissfindung identifiziert, die sich in der Edo-Zeit etablierten und unter den veränderten Rahmenbedingungen in der Meiji-Zeit neu austariert wurden. Zweitens ist die die Kompromissfindung zwischen Kontinuitäten aus der Edo-Zeit und aus dem Westen übernommenen „modernen“ Praktiken zu nennen. Drittens werden die Inszenierung von Kompromissen und Rituale zur Performanz von Konsens untersucht, die vor allem dazu dienten, die Herrschaft des Shogunats und später der Meiji-Regierung zu legitimieren. Diese beinhalteten unter anderem die Marginalisierung offener Konflikte im Diskurs.

Wissenschaftlicher Werdegang

2004-2013

Magister Artium an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg in den Fächern Neuere und Neueste Geschichte, Lateinische Philologie und Geologie

2006-2013

Studium auf Lehramt an Gymnasien an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg in den Fächern Geschichte und Latein

2014-2015

Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Außereuropäische Geschichte, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

2015

Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Leibniz-Preis-Forschungsstelle „Globale Prozesse“, Universität Konstanz

2015-2017

Research Student an der Graduate School of Sciences an der Universität Osaka

2017-2019

Predoctoral Fellow am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte, Berlin

2021

Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Außereuropäische Geschichte, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

2014-2021

Promotion in Neuerer und Neuester Geschichte an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

Seit 2022

Postdoc für Kulturvergleich am Verbundprojekt „Kulturen des Kompromisses“ an der Universität Duisburg-Essen

 

 

Veröffentlichungen

Tsunami Research and Preparedness in the Pacific in the 20th Century, in: Oceanic Japan, hrsg. von Ian J. Miller, Nadin Heé, Stefan Hübner und Bill Tsutsui, Honolulu 2023 (im Erscheinen).

Reporting and Narrating Disasters in Japan, 1663-1923, in Dealing with Disasters (vorläufiger Titel), hrsg. von Lotte Jensen und Hanneke van Asperen, Amsterdam 2022 (im Erscheinen).

Fireproofing the Japanese City against Disasters and Total War, 1923-1945, in: Comparative Studies on the Modern City in Japan and Europe from the Perspective of Urban Governance (vorläufiger Titel), hrsg. von Rainer Liedtke, Takahito Mori und Katja Schmidtpott, Stuttgart 2022 (im Erscheinen).

Learning from the Earthquake Nation. Japanese Science Diplomacy in the 20th Century, in: Journal of Contemporary History 56, 3 (2021), S. 485-501.

The Tennessee River Authority goes Japan. A river’s way into the Anthropocene, in: Anthropocene Curriculum (12. Oktober 2019), https://www.anthropocene-curriculum.org/contribution/the-tennessee-valley-authority-goes-japan-a-rivers-way-into-the-anthropocene

Taiheiyō ni okeru kokusaiteki na tsunami bōsai taisei no seiritsu [The Establishment of an International Tsunami Prevention System in the Pacific], in: Shigaku Zasshi 127, 6 (2018), S. 64-82.

Die Katastrophe als Medienereignis. Die Darstellungen von Erdbebenkatastrophen in japanischen „Katastrophenpublikationen“ von 1662-1923, in: 2. Forum für literaturwissenschaftliche Japanforschung. Arbeitspapiere. 16. und 17. Mai 2014, hrsg. von Carolin Fleischer and Sabine Schenk (28. Januar 2015), https://epub.ub.uni-muenchen.de/22470, S. 11-17.

Rezension zu Linke, Konrad: Das Tulare Assembly Center. Alltag in einem Lager für Japanoamerikaner im Zweiten Weltkrieg, Trier 2014, in: H-Soz-Kult (2. Oktober 2015), www.hsozkult.de/publicationreview/id/rezbuecher-23471.

 

Roundtable

Onaga, Lisa u.a.: Sources of Disaster. A Roundtable Discussion on New Epistemic Perspectives in Post-3.11, in: East Asian Science, Technology and Society. An International Journal, 15,4 (2021), S. 482-496.

 

Übersetzungen

Saaler, Sven / Spang, Christian W. Spang: Doitsu Tōyōbunka Kenkyūkai (OAG) no higashi ajia kenkyū [Die Ostasienforschung der Deutschen Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens (OAG)], übers. von Mariko Jacoby, in: Doitsu to higashi ajia 1890-1945 [Deutschland und Ostasien 1890-1945], hrsg. von Nobuo Tajima und Akira Kudo, Tokyo 2017, S. 699-731.

Saaler, Sven / Spang, Christian W.: Daiichiji sekaitaisengo no nichidoku kankei ni okeru Doitsu Tōyōbunka Kenkyūkai (OAG) no yakuwari [Die Rolle der Deutschen Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens (OAG) für die deutsch-japanischen Beziehungen nach dem Ersten Weltkrieg], übers. von Mariko Jacoby, in: 1920 nendai no nihon to kokusai kankei. Konton o koete „atarashii chitsujo“ e [Japans internationale Beziehungen in den 1920er Jahren. Die Überwindung der Wirren hin zu einer “neuen Ordnung“], hrsg. von Yoneyuki Sugita, Yokohama 2011, S. 87-122.