Warnsignale von Suchterkrankungen
Wenn sich etwas verändert - Warnsignale frühzeitig wahrnehmen
Suchterkrankungen können jede Person treffen und entwickeln sich oft schleichend. Je früher Warnsignale erkannt werden, desto größer sind die Chancen, gesundheitliche Belastungen zu verringern und langfristige Folgen zu vermeiden. Auf dieser Seite findest du typische Anzeichen, die auf eine Suchterkrankung hinweisen können, sowie Tipps, wie du reagieren kannst – sei es bei dir selbst oder bei Kolleg:innen.
Wichtig zu wissen:
Einzelne Anzeichen bedeuten nicht automatisch eine Sucht. Auch Stress, psychische Belastungen oder gesundheitliche Probleme können ähnliche Signale verursachen. Erst wenn sich mehrere Veränderungen über längere Zeit zeigen, kann dies auf eine problematische Entwicklung hindeuten.
Veränderungen im Verhalten
- Häufige Unpünktlichkeit oder unerklärte Fehlzeiten
- Rückzug von Kolleg:innen oder sozialen Aktivitäten
- Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit oder Aggressivität
- Nachlassende Konzentration und Entscheidungsfähigkeit
- Vermehrte Konflikte am Arbeitsplatz
Frage zur Selbstreflexion: Haben sich dein Umgang mit anderen oder deine Reaktionen in den letzten Monaten spürbar verändert?
Leistungsabfall
- Häufige Fehler oder Nachlässigkeiten bei der Arbeit
- Abnahme der Arbeitsqualität oder Produktivität
- Schwierigkeiten, Aufgaben zu bewältigen, die zuvor problemlos erledigt wurden
Frage zur Selbstreflexion: Hast du den Eindruck, dass dir bestimmte Aufgaben heute schwerer fallen oder dich mehr anstrengen als früher?
Körperliche Anzeichen
- Häufiges Erscheinen mit Kater- oder Entzugserscheinungen (z. B. Zittern, Schweißausbrüche)
- Geruch nach Alkohol oder anderen Substanzen
- Vernachlässigung des äußeren Erscheinungsbildes oder der Hygiene
Frage zur Selbstreflexion: Fühlst du dich in letzter Zeit häufiger körperlich beeinträchtigt oder nicht richtig erholt – auch ohne klaren Grund?
Veränderungen im Umgang mit Substanzen
- Vermehrter Konsum von Alkohol oder anderen Substanzen bei betrieblichen Anlässen
- Auffälliges Verhalten nach Pausen (z. B. Geruch, veränderte Stimmung)
- Verstecken oder Verheimlichen von Substanzen
- Konsum erfolgt zunehmend allein oder unabhängig von sozialen Anlässen
Frage zur Selbstreflexion: Versteckst du manchmal deinen Konsum vor anderen, weil er dir peinlich ist?
Soziale und emotionale Veränderungen
- Übermäßige Geheimniskrämerei oder Ausreden
- Vermehrte Schuldzuweisungen an andere
- Anzeichen von Überforderung, Stress oder Burnout
Frage zur Selbstreflexion: Haben Partner:innen, Verwandte, Bekannte oder Kolleg:innen dich schon einmal besorgt auf deinen Konsum angesprochen?
Finanzielle Probleme
- Häufige Anfragen nach Vorschüssen oder Gehaltsabschlägen
- Hinweise auf finanzielle Schwierigkeiten, die sich auf die Arbeit auswirken
Frage zur Selbstreflexion: Hattest du in letzter Zeit häufiger mit finanziellen Engpässen zu kämpfen, die dich belasten?
Erlebter Kontrollverlust
- Das Gefühl, den eigenen Konsum nicht mehr bewusst steuern zu können
- Konsum erfolgt trotz Vorsatz, weniger oder gar nicht zu konsumieren
Frage zur Selbstreflexion: Kam es dir schon einmal so vor, als ob du nicht mehr selbst entscheiden könntest, ob und wie viel du konsumierst, sondern du es einfach tun musstest?
Körperliche und emotionale Folgen
- Trägheit im Denken, Unsicherheit in der Wahrnehmung oder unangemessenes Verhalten
- Körperliches Unwohlsein, Nervosität oder depressive Verstimmungen, wenn längere Zeit ohne Konsum vergangen ist
Frage zur Selbstreflexion: Hast du dich schon einmal körperlich unwohl oder nervös gefühlt, weil du länger ohne Alkohol, Drogen oder Glücksspiel auskommen musstest?
Vernachlässigung von Verpflichtungen
- Aufgaben in Beruf oder Schule oder Verabredungen mit Freund:innen werden vernachlässigt, um schneller an das Glücksgefühl durch Konsum zu kommen
Frage zur Selbstreflexion: Waren dir schon einmal Verpflichtungen egal, weil du rascher an dieses Gefühl kommen wolltest?
Veränderte Wirkung des Konsums
- Es wird zunehmend mehr konsumiert, um die gewünschte Wirkung zu erzielen
- Frühere Mengen reichen nicht mehr aus
Frage zur Selbstreflexion: Hast du den Eindruck, dass dir heute mehr Alkohol, Substanzen oder Zeit für ein Verhalten nötig sind als früher, um dich ähnlich zu fühlen?
Unsicher, ob dein Konsum schon kritisch ist?
Wenn dir einige der beschriebenen Warnsignale bekannt vorkommen, kann ein anonymer Selbsttest eine hilfreiche Orientierung sein. Er ersetzt keine professionelle Diagnostik, kann dir aber dabei helfen, deinen Konsum bewusster zu reflektieren.
Was tun, wenn Warnsignale auftreten?
Ob es um dich selbst oder um andere geht: Unterstützung beginnt oft mit Aufmerksamkeit und Gesprächsbereitschaft.
Wenn du Warnsignale bei dir selbst bemerkst:
- Reflektiere dein Verhalten: Überlege, ob dein Konsum oder dein Verhalten dich oder andere beeinträchtigt. Ein Konsumtagebuch kann helfen, einen Überblick zu bekommen.
- Sprich mit einer Vertrauensperson: Wende dich an eine Kolleg:in, eine Führungskraft oder den Betriebsrat, wenn du dich sicher fühlst.
- Nutze Unterstützungsangebote: Beratungsstellen oder betriebliche Gesundheitsprogramme können dir helfen, die Situation zu klären und Unterstützung zu finden. Weitere Informationen zu internen und externen Beratungsstellen findest du hier.
Wenn du Warnsignale bei Kolleg:innen beobachtest:
- Bleibe respektvoll und wertschätzend: Vermeide Vorwürfe oder Schuldzuweisungen. Ziel ist nicht, eine Diagnose zu stellen, sondern Unterstützung anzubieten. Sprich die Person in einem ruhigen Moment an und schildere deine Beobachtungen sachlich.
- Beispiel: „Mir ist aufgefallen, dass du in letzter Zeit oft müde wirkst und dich zurückziehst. Geht es dir gut?“
- Biete Unterstützung an: Zeige, dass du bereit bist zuzuhören, ohne zu drängen. Manchmal hilft es, einfach da zu sein.
- Hole dir selbst Unterstützung: Wenn du unsicher bist, wie du reagieren sollst, sprich mit einer Führungskraft, dem Betriebsrat oder der Personalabteilung. Sie können dir helfen, die Situation einzuschätzen und angemessen zu handeln.
Wichtig: Eigene Grenzen wahren
Es ist nicht deine Aufgabe, die Probleme anderer zu lösen. Du kannst Unterstützung anbieten, aber die Verantwortung für eine Veränderung liegt bei der betroffenen Person selbst. Achte darauf, gut für dich selbst zu sorgen und deine eigenen Grenzen zu wahren.
Führungskräfte finden hier weiterführende Informationen, was sie bei Verdacht auf Suchtmittelmissbrauch bei Beschäftigten tun können.