Interviews mit unseren Stipendiat*innen
Ewa
Soziologie, Studienstiftung des deutschen Volkes
Warum stelle ich mich als Stip-Buddy zur Verfügung?
Ich möchte als Stip-Buddy meine Kommiliton*innen überzeugen, dass die Stipendien nicht nur für „Musterstudierende“ sind. Als Stipendiatin werde ich immer wieder damit konfrontiert, dass die Stipendiengeber eigentlich gerne eine diversere Zielgruppe fördern würden, doch gelangen die erwünschten Menschen selten zu den Auswahlseminaren. Das hat viel mit Bildungsungleichheiten in Deutschland zu tun, mit dem Zugang zu Informationen, aber auch mit der Hemmschwelle der Studierenden. Ich will als ein Beispiel dienen, dass auch Menschen, die den gesellschaftlich etablierten Rahmen sprengen, ein Stipendium bekommen können. Zudem beobachte ich die Diskurse und Dynamiken unter Geförderten und innerhalb des Förderwerks und merke, dass soziokulturelle Diversität in diesen Kreisen dringend gebraucht wird, wenn wir die strukturellen Ungleichheiten in unserer Gesellschaft wirksam bekämpfen wollen.
War Dir schon vor Deinem Studium bewusst, dass Du alle Voraussetzungen für ein Stipendium mitbringst? Wie bist Du auf das Thema aufmerksam geworden?
Auf keinen Fall! Ich habe nie davor gedacht, dass ich eine Chance auf Stipendium hätte – wie denn, als Nicht-Muttersprachlerin, ohne deutsche Staatsbürgerschaft, mit einem Lebenslauf, der alles andere als gradlinig ist? Ich hatte nicht mal einen BAföG-Anspruch. Als migrantische Quereinsteigerin war ich einfach froh, studieren zu können; ich habe nicht wirklich mehr vom Leben erwartet. Das Thema tauchte auf, als ich anfing, mein (Pflicht-)Auslandsaufenthalt zu planen und merkte, dass ich es alleine finanziell niemals hinbekomme. Doch auch dann glaubte ich nicht wirklich daran, dass mir jemand ein Stipendium gibt. In diesem Moment bin ich auf eine Professorin gestoßen, die zu hochqualifizierten Migrant*innen forscht. Ich habe ihr über mein Leben erzählt und sie verhalf mir zu der wichtigsten Erkenntnis: Die Tatsache, dass ich trotz allen Hürden erfolgreich studiere und mich gesellschaftlich einbringe, spricht für meinen Charakter und zeichnet mich sofort aus. Sie hat mich in dem ganzen Bewerbungsprozess unterstützt.
Welche besonderen Angebote bietet Dein Förderwerk, die Du für Dich nutzen kannst?
Obwohl ich die finanzielle Unterstützung des Förderwerks als essenziel betrachte, denke ich, dass der größte Vorteil eines Stipendiums in der ideellen Förderung liegt. Mit sehr geringer Eigenbeteiligung haben die Stipendiat*innen eine Möglichkeit, an Seminaren, Workshops, Exkursionen, Akademien und wissenschaftlichen Kollegs zu allen möglichen Themen teilzunehmen. Zweimal im Jahr werden auch verschiedene Intensivsprachkurse im Ausland und Inland angeboten. Regelmäßig finden auch Treffen verschiedener Gruppen (wie Queer -, People-of-Color- oder Erstakademiker*innengruppe) statt, die sowohl dem wissenschaftlichen Austausch als auch dem Aufbau sozialer Netzwerke dienen. Das Angebot ist sehr breit und jeder findet da etwas für sich – auch wenn nicht, kann man mit Unterstützung des Förderwerks selbst solche Events für Stipendiat*innen organisieren.
Welche Tipps würdest Du Schüler*innen und Studierenden geben, die sich für ein Stipendium interessieren? / …sich für ein Stipendium bewerben möchten?
Es sind nicht nur die Noten, die dich als Person ausmachen. Bei einem Auswahlgespräch zählt vor allem, was für ein Mensch du bist. Überlege vorab: Was macht dich aus? Was treibt dich im Leben? Was sind deine Stärken? Wie bist du an dem Punkt gelangt, wo du bist, und was hast du daraus gelernt? Und: Habe keine Angst vor dem Scheitern! Mit Samuel Beckett: „Ever tried. Ever failed. No matter. Try again. Fail again. Fail better.“ Jedes Mal bekommst du eine Chance, aus der Erfahrung zu lernen und etwas für sich daraus zu nehmen. Förderwerke gibt es viele; eine Ablehnung sagt noch nichts über dich aus.