Schrifliche Online-Interviews in der qualitativen Sozialforschung (Frauen im Wohlfahrtsstaat)

Forschungsprojekt

In dem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekt (Laufzeit: März 2019 – Dezember 2020; 21 Monate) wird sich mit der gesellschaftlichen Deutung alleinerziehender Frauen beschäftigt, die dauerhaft von wohlfahrtsstaatlichen Leistungen abhängig waren oder sind - aus der biografischen Perspektive der Frauen selbst wie auch aus der Perspektive Anderer. In dem Projekt jedoch insbesondere die Eignung von Online-Medien für qualitative Interviewmethoden in der Sozialforschung untersucht:

Qualitative Online-Interviews, bei denen man sich nicht gemeinsam mit den Befragten (am Bildschirm) trifft, sondern sich zeitversetzt schreibt, stehen zu den üblichen Face-to-Face-Befragungen in der qualitativen Forschung in einem maximalen Kontrast. Trotz ihrer beachtlich häufigen Verwendung sind aber die Fragen, ob diese Interviewformen qualitative Face-to-Face-Interviews ersetzen oder ergänzen können, ob sie ein eigenes (neues) Verfahren darstellen und wie dieses überhaupt funktioniert, weitgehen ungeklärt. So werden in der Studie asynchrone schriftliche Online-Interviews für die qualitative Sozialforschung hinsichtlich des Beziehungs- und Kommunikationsverhaltens und ihrer Fragetechniken variiert und in Bezug auf ihre "Glückungsbedingungen" zusammen mit der gewonnenen Datenqualität analysiert. Dazu werden beide etablierten Formen qualitativer Interviews probiert: Zum einen "monologisch" strukturierte "narrative" Interviews und zum anderen "dialogisch" organisierte Leitfaden- (hier: diskursive) Interviews. Das Ziel des Projekts ist, beurteilen zu können, ob und wenn ja, unter welchen Bedingungen  offene Interviews sinnvoll (auch) online eingesetzt werden können.

Nachdem die "narrativen" biografischen Interviews mit alleinerziehenden Frauen abgeschlossen sind, wird nun die leitfadengestützte Befragung ("diskursive Interviews") von Personen zu den Deutungsmustern über alleinerziehende wohlfahrtsabhängige Frauen vorbereitet. Das Projekt endet voraussichtlich im Frühjahr 2021.

Aktuelle Informationen

 

Projektteam

PD Dr. Daniela Schiek

Prof. Dr. Carsten G. Ullrich