Aktuelle Forschungsprojekte

Prof. Dr. Amalie Fößel / Dr. David Passig

Frömmigkeit in Grenzbereichen. Rigorose religiöse Praktiken mittelalterlicher Frauen

Das Projekt erforscht weibliche religiöse Lebensformen und Frömmigkeitspraktiken in Grenzbereichen zwischen Norm und Exzess.

An Beispielen rigoroser religiöser Praxis und ihrer zeitgenössischen Deutung sollen Normen offengelegt und herausgearbeitet werden, welche Funktionen radikale Praktiken und Lebensformen für religiöse Frauen haben konnten und ob diese bei Frauen anders gedeutet und bewertet wurden als bei Männern.

Dabei werden aktuelle Forschungsfragen und -desiderate aufgegriffen und neue methodische und theoretische Ansätze für die Fragestellung entwickelt. In einer engen interdisziplinären Vernetzung soll eine möglichst große Vielfalt von Perspektiven auf das Thema und die untersuchten Phänomene erreicht werden.

Prof. Dr. Amalie Fößel

Ressourcen und Einkünfte königlicher Frauen im vormodernen Europa (ca. 1000–1800)

Das internationale Netzwerk beschäftigt sich mit der wirtschaftlichen Handlungsfähigkeit königlicher Frauen. Im europäischen Vergleich werden die unterschiedlichen Einkommensquellen, die ökonomischen Aktivitäten und die damit verknüpften politischen und kulturellen Handlungsspielräume untersucht. Die Fallstudien analysieren Verwaltung, Investitionen und Organisation der Gelder, Dienstleute und Haushalte.

Nadja Hemmers, M.A.

Eheauflösungen königlicher und hochadliger Paare im Hochmittelalter. Ein Vergleich zwischen dem mittelalterlichen deutschen Reich und Frankreich

Das Dissertationsprojekt untersucht vergleichend Eheauflösungen von Königen und Fürsten im Reich und in Frankreich im Verlauf des Hochmittelalters von ca. 987 bis 1215. Ziel der Arbeit ist es, Entwicklungen und regionale Unterschiede von Ehetrennungen und Trennungsversuchen königlicher und hochadliger Paare herauszuarbeiten. Der Fokus liegt auf der Analyse der beteiligten Akteure, dem Ablauf der Verfahren sowie den Reaktionen der Zeitgenossen.

Richard Winkler, M.A.

Loyale Rebellen – Herrschaftskonzeptionen und Konflikt im spätmittelalterlichen England

Das Dissertationsprojekt analysiert die Konflikte zwischen den englischen Königen und den Fürsten zwischen 1383 und 1403. Es werden die sich verändernden Konzeptionen königlicher Herrschaft durch die unterschiedlichen Konfliktparteien untersucht. Im Fokus stehen die Wechselwirkungen zwischen den Konfliktverläufen und den sich dabei konkretisierenden und verändernden Herrschaftskonzeptionen, die sich wiederum auf die Konfliktführung auswirkten. 

Johanna Wittmann

Königinnen im 11. Jahrhundert. Ein europäischer Vergleich

Das Dissertationsprojekt greift ein Forschungsdesiderat auf und untersucht Aktionsfelder und Handlungsoptionen der Königinnen im 11. Jahrhundert erstmals im europäischen Vergleich. Dabei sind die Strategien ihres machtpolitischen Handelns in den verschiedenen politischen und kulturellen Kontexten und personellen Netzwerken zu ermitteln und mit der Frage nach Macht und Machtlosigkeit zu verknüpfen. Für diese zentrale Frage der internationalen Queenship-Forschung eröffnen sich insbesondere für das lange 11. Jahrhundert mit seinen zahlreichen Zäsuren, Umbrüchen und Kontinuitäten hervorragende Diskussionsmöglichkeiten und Vergleichsperspektiven.

Dr. David Passig

Leid und Sinn. Eine Kulturgeschichte des Schmerzes im Mittelalter

Das Forschungsprojekt widmet sich dem Desiderat einer Kulturgeschichte des Schmerzes im Mittelalter. Schmerz ist nicht ausschließlich als körperliche oder psychische Empfindung zu verstehen, sondern er lässt sich als ein Phänomen der menschlichen Erfahrung und Deutung historisieren.

Ziel des Projekts ist es, die mittelalterliche Wahrnehmung, Interpretation und Darstellung von Schmerz in ihrer kulturellen Bedingtheit zu untersuchen und zugleich nach den Praktiken zu fragen, durch die Schmerz bewältigt, reduziert, vermittelt, erzeugt oder sichtbar gemacht wurde.

Abgeschlossene Forschungsprojekte

Prof. Dr. Amalie Fößel

Gewalt, Krieg und Gender im Mittelalter

Zielsetzung ist es, den Diskurs zu Gewalt und Krieg im Mittelalter durch Fragestellungen und Perspektiven der Genderforschung zu erweitern und Zusammenhänge von Geschlecht, Geschlechterrollen, Krieg und Gewalt zu analysieren. Dies geschieht unter Bezugnahme auf Raum-, Körper- und Emotionskonzepte. Es werden die Relevanz von Geschlecht thematisiert und die Interaktionen beider Geschlechter in ihren sozial und kulturell konstruierten Rollen in Gewaltkontexten herausgearbeitet.

Dr. David Passig

Celum celi domino, terram autem dedit filiis hominum. Der Mensch als Gestalter der Geschichte bei Otto von Freising

Das Projekt befasst sich mit der Frage, welche Rolle und welchen Einfluss der berühmte Geschichtsschreiber Otto von Freising in seinen Schriften dem Menschen für den Verlauf der Geschichte beimaß. Dabei wird gezeigt, dass der auf der Höhe der theologischen und philosophischen Debatten seiner Gegenwart stehende Historiograph den Menschen in seiner Beschaffenheit und in seiner Beziehung zu Gott zum zentralen Thema seiner Werke machte und seinen historischen Stoff wesentlich aus anthropologischen Vorstellungsbeständen heraus deutete.

Dr. Miriam Czock

Konstruktion von Zeitlichkeiten im 11. und 12. Jahrhundert

Aktuelle Zeitdiagnosen sehen die lineare Zeitordnung der Moderne, in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft als aufeinander folgend verstanden werden, in welcher der Fortschritt zum Rahmen der Geschichte wird, und die Zukunft sich als nie geahnter Möglichkeitshorizont eröffnet, als überholt an. Sie fordern dazu auf, sich mit der Pluralität von Zeitvorstellungen auseinanderzusetzen. Diese Überlegungen sind Ausgangspunkt des Projekts, welches die komplexen Logiken von Zeitentwürfen des 11. und 12. Jahrhunderts aufdecken wird.

Anja Hoppe, M.A. (geb. Zawadzki)

Renten für die Rente. Vorsorge und Zukunftshandeln im spätmittelalterlichen Lüneburg. 1400-1450

Das Dissertationsprojekt beschäftigt sich anhand des Lüneburger Testaments- und Rentenbestandes mit der Frage, wie spätmittelalterliche Stadtbewohner sich selbst, ihre Familien und Ressourcen für eine kontingente unsichere Zukunft abzusichern versuchten. Dabei werden die Quellen aus statistischer, inhaltlicher und praxistheoretischer Sicht untersucht und miteinander in Beziehung gesetzt, um somit das breite Spektrum der Vorsorgestrategien und Handlungsspielräume spätmittelalterlicher Bürger zu erschließen.

Prof. Dr. Uwe Ludwig

Die St. Galler Verbrüderungsbücher

Das Forschungsprojekt zielt auf die Erstellung einer kommentierten Faksimile-Ausgabe der beiden St. Galler Verbrüderungsbücher (Codex C3B55 des Stiftsarchivs St. Gallen/Schweiz) aus dem 9. Jahrhundert, die in der Reihe „Libri memoriales et Necrologia, Nova Series“ der „Monumenta Germaniae Historica“ erscheinen wird.

Dr. Melanie Panse

Herrschaft zwischen Aufbruch und Rückkehr. Kreuzfahrerfamilien in Champagne und Burgund 1096-1270

Das Habilitationsprojekt untersucht am Beispiel zweier Kreuzfahrerfamilien aus genderhistorischer Perspektive, welche Auswirkungen die fortwährenden Kreuzzugsaktivitäten der Familien auf deren Macht und Herrschaft in den Herkunftsländern hatten und will eine neue kulturelle, genderübergreifende Politikgeschichte der Kreuzzüge für diese Herkunftsregionen schreiben.