Personen im Historischen Institut: Dr. Miriam Czock


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Universitätsstr. 2
45117 Essen
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R12 S05 H82
 
GeiWi/Hist. Institut
Sprechzeit
WiSe 2017/18: Mittwochs, 11-12 Uhr; Klausuren und Hausarbeiten bis WS 16/17 sind korrigiert. Einsicht u. Besprechung mgl.
Telefon
0201 - 183 - 3763 (D: 0203/379-*, E: 0201/183-*)
Fax
0201 - 183 - 3600
  • Akademische/r Rätin/Rat Geschichte - Geschichte des Mittelalters
  • Studienberatung Geschichte - Studiengangsbeauftragte Geschichte im 1-Fach-MA- und 2-Fach-MA-Studiengang

Forschungsschwerpunkte

weltliches und kirchliches Recht des Frühmittelalters
Heiligkeitsvorstellungen im Mittelalter
Vormoderne Raumwahrnehmung

Wissenschaftlicher Werdegang

seit August 2012
Akademische Rätin in der Abteilung für Mittelalterliche Geschichte der Universität Duisburg-Essen

seit Oktober 2011
wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung für Mittelalterliche Geschichte der Universität Duisburg-Essen

September 2010 - Oktober 2011
wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung für Mittelalterliche Geschichte der Eberhard Karls Universität Tübingen (DFG-Projekt „Raum und Politik: Wahrnehmung und Praxis im Frankenreich und in seinen Nachfolgereichen vom 9. bis zum 11. Jahrhundert“)

01.09.2009–31.8.2010
Vertretung einer wissenschaftlichen Mitarbeiterstelle am FMI, Freie Universität Berlin, Arbeitsbereich Prof. Dr. Stefan Esders

2009
Promotion in Mittelalterlicher Geschichte an der Ruhr-Universität Bochum; Thema der Dissertation: Domus dei domus orationis debet esse, non spelunca latronum – Die Kirche als heiliger Raum im Frühmittelalter

2008–2009
wissenschaftliche Mitarbeiterin am historischen Seminar der Heinrich Heine-Universität Düsseldorf

2007–2009
Lehraufträge an der TU Dortmund

2007–2009
Fellow der Research School der Ruhr-Universität Bochum

2005–2007
Stipendiatin des Allgemeinen Promotionskollegs der Ruhr-Universität Bochum (Sprecherin des Promotionskollegs ab Mai 2006)

2004–2008
Lehraufträge an der Ruhr-Universität Bochum

2004–2006
wissenschaftliche Tutorin im Fachbereich Kultur- und Sozialwissenschaften der FernUniversität in Hagen

2003
Magister Artium, Ruhr-Universität Bochum

1999–2000
Studium am Trinity College Dublin

1996–2003
Studium der Fächer Philosophie, Geschichte, Germanistik und Anglistik an der Ruhr-Universität Bochum

DFG-Projekt

ZeitenWelten.

Zur Verschränkung von Weltdeutung und Zeitwahrnehmung im frühen und hohen Mittelalter

(DFG-Netzwerk, Laufzeit: 2012-2015)

Zeit und Raum sind Grundbedingungen unserer Existenz; nicht zuletzt deshalb sind ihre unterschiedlichen Wahrnehmungsweisen Gegenstand wissenschaftlichen wie auch gesellschaftlichen Interesses. Raum und Zeit haben als Thema unter dem Eindruck massiver Veränderungen unserer Lebensumstände an Aktualität gewonnen. Beide entziehen sich einer logisch-objektiven Messbarkeit und haben trotz aller Bemühungen, sie in objektiven Systemen zu erfassen, eine bedeutende subjektive, aus sozialen Zusammenhängen heraus entstehende Dimension.

Mit einer Reihe wichtiger Arbeiten zur historischen Wahrnehmung von Raum hat sich die Mediävistik in die aktuelle Debatte eingeschaltet. Die Kategorie der Zeit jedoch blieb bislang weitgehend unberücksichtigt. Dabei könnte gerade die Mediävistik zum Ideengeber werden, da das Mittelalter seine Zeitkonzepte nicht nur aus der - kausalen - Sequenzierung von Zeit schöpfte. Mittelalterliche Zeitmodelle sind durch ein Wechselspiel von zyklischer, linearer und geschichteter Zeit geprägt und wurden anhand der Bibel oder an ihr erprobter Deutungsmuster definiert, womit sich mit heutigen Phänomenen vergleichbare, der linearen Sequenzierung von Zeit enthobene Strukturen ergeben. Obwohl die mittelalterlichen Bedingungen der Zeitwahrnehmung also ein aktuelles Forschungsfeld sein sollten, sind sie kein gängiges Anliegen mediävistischer Forschung. Eben diese Forschungslücke möchte das Projekt füllen, indem es Prozesse beleuchtet, die zur Konstruktion und Konstitution zeitlicher Zusammenhänge beitrugen.

Leitung

Dr. Miriam Czock, Universität Duisburg-Essen (D)
Die Auslegung der gewissen Zukunft im frühen Mittelalter – Zeitverständnis vor dem Hintergrund der Apokalypse

Dr. Anja Rathmann-Lutz, Universität Basel (CH)
Monastische Zeit – Höfische Zeit oder: Wie lang ist der Weg von St.-Denis nach Paris und Reims?

Die Mitglieder des Netzwerks und ihre Projekte

Dr. phil. Dr. theol. Jörg Bölling, Universität Göttingen (D)
Zeremonie und Zeit. Zur Petrus-Verehrung in sächsischen Kathedralen der Salierzeit

Dr. Eva-Maria Butz, TU Dortmund (D)
Zeit- und Raumkonzepte in der liturgischen Memoria

Dr. Patrizia Carmassi, HAB Wolfenbüttel (D)
Die liturgischen Quellen Halberstadts und die Herausbildung einer kirchlichen Identität im Mittelalter

Dr. Richard Corradini, Universität Wien (A)
Das Zeitbuch des Walafrid Strabo. Langzeitperspektiven und Nachhaltigkeitskonzepte

Dr. Uta Kleine, FernUniversität Hagen (D)
Zukunft zwischen Diesseits und Jenseits. Zeitschichtungen und ihre Visualisierung in mittelalterlicher Visionsliteratur

Delia Kottmann, M.A., Universität Dresden (D)
Romanische Bildprogramme in Kirchenräumen als Ausdruck politischer Stellungnahme innerhalb der Gregorianischen Reform

Prof. Dr. Barbara Schlieben, HU Berlin (D)
Herrscheradvent und Kirchenfest. Verschränkung von Raum und Zeit im Itinerar

Dr. Hanna Vorholt, Warburg Institute, London (GB)
Strukturen der Heilsgeschichte: Typologie in der mittelalterlichen Kunst

Petra Waffner, M.A., FernUniversität Hagen (D)
Konstruierung von Zeit im altfranzösischen Livre de Sidrac als Mittel der Legitimation eines prophetischen Textes

Forschungsprojekt

Konstruktion von Zeitlichkeiten im 11. und 12. Jahrhundert

Das 11. und das 12. Jahrhundert galten in der Forschung lange als formative Phase, in der viele moderne Phänomene ihre Wurzeln haben. Dieses Paradigma ist auch für die Erforschung von Zeitvorstellungen im 11. und 12. Jahrhundert angewendet worden. Auf diese Weise wurde die Periode bisher in eine Meistererzählung von der Moderne eingerückt und in ein Narrativ eingeschrieben, indem Zeit als eine Sequenz von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verstanden wurde, die sich als ‚Geschichte’ konstituiert. Untersucht wurden daher die Zeitvorstellungen des 11. und 12. Jahrhunderts bisher im Rahmen von Geschichtsvorstellungen, Fortschrittsgedanken und der Ablösung von zyklischen Zeitvorstellungen. Fast immer im Zusammenhang mit der Annahme, dass das 11. und 12. Jahrhundert wichtige Aspekte der Moderne bereits enthalten hätten, die sich allerdings Jahrhunderte später erst richtig entfalteten. Die Forschung geht dabei davon aus, dass sich im 11. und 12. Jahrhundert eine Vorstellung von der Linearität von Zeit langsam Bahn brach, die jedoch immer noch durch die Heilsgeschichte gerahmt gewesen sei.

Die lineare Zeitordnung der Moderne, in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft als aufeinander folgend verstanden werden, in der der Fortschritt zum Rahmen der Geschichte wird und die Zukunft sich als nie geahnter Möglichkeitshorizont eröffnet, scheint – glaubt man heutigen Diagnosen – allerdings von der Postmoderne überholt. In den letzten Jahren entstanden kulturwissenschaftliche Beiträge und Arbeiten von Neuzeithistorikern, die sich mit dem Phänomen der aus „den Fugen geratenen Zeit“ (A. Assmann) beschäftigen. In ihnen wird das Verhältnis von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft nicht mehr als aufeinander folgend beschrieben, vielmehr wird konstatiert, dass das lineare Verhältnis der verschiedenen Zeitdimensionen in unserer postmodernen Welt nur als nachhaltig gestört wahrzunehmen ist.

Damit ist der Weg zu einer Neuinterpretation der Vorstellung von Zeit im 11. und 12. Jahrhundert eröffnet, welche das erkenntnistheoretische Potential, das sich aus den Diagnosen zu unserer Gegenwart und den damit zusammenhängenden Zeitmodellen ergibt, nutzen kann. Der epistemologische Nutzen der heutigen Zeitdiagnosen besteht weniger in einer einfachen Übertragbarkeit auf mittelalterliche Vorstellungen von Zeit, als aus dem Gedanken, dass sich Zeit in als transformativ verstandenen Perioden neu gedacht wird, sozio-kulturell eben nicht nur linear oder zyklisch ausgeformt wird und Fortschrittsdenken – wenn es nicht ganz aufgegeben wird – unterschiedliche Formen annehmen kann.

Anknüpfend an solche aktuellen Zeitdiagnosen stellt die Pluralität der Zeitvorstellungen den Ausgangspunkt der Überlegungen des Projekts dar, welches die komplexen Logiken von Zeitentwürfen des 11. und 12. Jahrhunderts aufdecken wird. So sollen liturgische, exegetische, geschichtstheologische und normative Quellen der Zeit nicht nur die eschatologische Komponente der Heilsgeschichte und damit auf die Linearität von Zeitentwürfen hin befragt werden, nachverfolgt werden soll vielmehr, welche zeitliche Signaturen der Gegenwart im 11. und 12. Jahrhundert gegeben wurden und inwiefern Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in einer sich transformierenden Gesellschaft in der Offenbarungswissen eine Rolle spielt, aufeinander bezogen verstanden wurde.