Personen im Historischen Institut: Dr. Miriam Czock

GeiWi/Hist. Institut
Anschrift
Universitätsstr. 2
45117 Essen
Raum
R12 S05 H82
Sprechzeiten
https://www.uni-due.de/geschichte/sprechstunden.php

Funktionen

  • Studienberatung, Geschichte
  • Akademische/r Rätin/Rat, Geschichte

Die folgenden Publikationen sind in der Online-Universitätsbibliographie der Universität Duisburg-Essen verzeichnet. Weitere Informationen finden Sie gegebenenfalls auch auf den persönlichen Webseiten der Person.

    Artikel in Zeitschriften

  • Czock, Miriam
    Zentralität in der Peripherie : Kirchengebäude als Orte des »Sonderfriedens« in den frühmittelalterlichen leges
    In: Rechtsgeschichte: Rg ; Zeitschrift des Max-Planck-Instituts für Europäische Rechtsgeschichte Jg. 2015 (2015) Nr. 23, S. 68 - 81
    ISSN: 2195-9617; 1619-4993
  • Czock, Dr., Miriam
    Rechtsformung vor eschatologischem Hintergrund : das gerechte Urteil in der Collectio Canonum Hibernensis
    In: Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Kanonistische Abteilung Jg. 99 (2013) Nr. 1, S. 347 - 360
    ISSN: 0323-4142; 2304-4896
  • Czock, Dr., Miriam
    Tanchelm als Antichrist : die Konstruktion eines Häretikers zwischen Religion und Politik
    In: Archiv für Kulturgeschichte Jg. 95 (2013) Nr. 1, S. 69 - 88
    ISSN: 0003-9233; 2194-3958
  • Beiträge in Sammelwerken und Tagungsbänden

  • Czock, Miriam
    Fortia hostile aliquid praedare – Plünderung, Raub, Diebstahl und die Heeresdisziplin in den süddeutschen leges
    In: Pillages, tributs, captifs: prédation et sociétés de l'Antiquité tardive au haut Moyen Âge / Keller, Rodolphe; Sarti, Laury (Hrsg.), 2018 S. 103 - 120
    ISBN: 979-10-351-0049-0
  • Czock, Miriam
    Burgen als Orte der Herrschaft und räumlicher Macht : Schwaben als Herrschaftsraum im 10. Jahrhundert
    In: Genèse des espaces politiques (IXe-XIIe siècle): autour de la question spatiale dans les royaumes francs er post-carolingiens / Genèse des espaces politiques - autour de la question spatiale dans les royaumes francs er post-carolingiens (IXe-XIIe s.) ; (Marne-la-Vallée) : 2013.06.27-29 / Bührer-Thierry, Geneviève; Patzold, Steffen; Schneider, Jens; (Hrsg.), 2017
    ISBN: 978-2-503-57473-8; 2-503-57473-4
  • Czock, Miriam
    Vasa sacra und Paramente in liturgischen und normativen Quellen des Frühmittelalters : oder warum man einen Hostienteller nicht verpfänden darf
    In: Heilige und geheiligte Dinge: Formen und Funktionen / Beck, Andrea; Herbers, Klaus; Nehring, Andreas (Hrsg.), 2017 S. 65 - 82
    ISBN: 978-3-515-11549-0
  • Czock, Miriam
    Practices of property and the salvation of one’s soul : Priests as men in the middle in the Wissembourg material
    In: Men in the middle: Local priest in the early middle ages / van Rhijn, Carine; Patzold, Steffen (Hrsg.), 2016 S. 11 - 31
    ISBN: 978-3-11-044448-3; 978-3-11-043620-4; 978-3-11-044341-7
  • Czock, Miriam
    Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft : Konstruktionen von Zeit zwischen Heilsgeschichte und Offenbarung. Liturgieexegese um 800 bei Hrabanus Maurus, Amalarius von Metz und Walahfrid Strabo
    In: ZeitenWelten: Zur Verschränkung von Weltdeutung und Zeitwahrnehmung,750–1350 / Czock, Miriam; Rathmann-Lutz, Anja (Hrsg.), 2016 S. 113 - 134
    ISBN: 978-3-412-50528-8; 3-412-50528-5
  • Czock, Miriam; Rathmann-Lutz, Anja
    ZeitenWelten : auf der Suche nach den Vorstellungen von Zeit im Mittelalter. Eine Einleitung
    In: ZeitenWelten: Zur Verschränkung von Zeitwahrnehmung und Weltdeutung (750-1350) / Czock, Miriam; Rathmann-Lutz, Anja (Hrsg.), 2016 S. 9 - 26
    ISBN: 978-3-412-50528-8; 3-412-50528-5
  • Czock, Miriam
    Early medieval churches as cultic space between material and ethical purity
    In: Discurses of purity in transcultural perspective (300-1600) / Bley, Matthias; Jaspert, Nikolas; Köck, Stefan (Hrsg.), 2015 S. 21 - 41
    ISBN: 9789004289758
  • Czock, Miriam
    Zwischen Heiligkeit und Häresie : Rhetorik und Verwendung von Bildern in Briefen zu Tanchelm, Heinrich und an Robert von Arbrissel
    In: Sakralität und Devianz: Konstruktionen - Normen - Praxis / Herbers, Klaus; Düchting, Larissa (Hrsg.), 2015 S. 253 - 275
    ISBN: 978-3-515-10921-5
  • Czock, Miriam
    Raum vor der Territorialisierung : Probleme und Perspektiven der schwäbischen Landesgeschichte – ein Versuch am Beispiel der Vita Ulrichs von Augsburgs
    In: Territorium: Raum und Politik: Wahrnehmung und Praxis im Frankenreich und seinen Nachfolgereichen vom 9. bis 13. Jahrhundert 2013 S. 1 - 19
  • Czock, Miriam
    Kirchenräume schaffen, Kirchenräume erhalten : Kirchengebäude als heilige Räume in der Karolingerzeit
    In: Visibilität des Unsichtbaren: Sehen und Verstehen in Mittelalter und Früher Neuzeit / Rathmann-Lutz, Anja (Hrsg.), 2011 S. 53 - 67
    ISBN: 978-3-0340-1068-9
  • Czock, Miriam
    Und Gott schenkte ihm die Märtyrerpalme : einige Überlegungen zur Funktion der Heiligkeit Karls des Guten bei Galbert von Brügge
    In: Recht, Religion, Gesellschaft und Kultur im Wandel der Geschichte: ferculum de cibis spiritualibus : Festschrift für Dieter Scheler / Kwiatkowski, Iris; Oberweis, Michael (Hrsg.), 2008 S. 121 - 133
    ISBN: 978-3-8300-3384-4; 3-8300-3384-2
  • Czock, Miriam
    Der Grabräuber als Exilant : eine neue Interpretation von Lex Salica 55,4 zum Grabfrevel
    In: Inszenierungen des Todes: Hinrichtungen, Martyrium, Schändung / Günther, Linda-Marie; Oberweis, Michael (Hrsg.), 2006 S. 73 - 81
    ISBN: 978-3-86515-049-3; 3-86515-049-7
  • Czock, Miriam
    Wo gesündigt wird, kann der Sieg nicht gewonnen werden : Plünderung von Kirchen im Krieg in den Werken Gregors von Tours (538–594)
    In: Blicke auf das Mittelalter: Aspekte von Lebenswelt, Herrschaft, Religion und Rezeption : Festschrift Hanna Vollrath zum 65ten Geburtstag / Gundelach, Bodo; Molkenthin, Ralf (Hrsg.), 2004 S. 13 - 23
    ISBN: 3-933337-34-8
  • Bücher/Sammelwerke/Tagungsbände

  • Czock, Miriam; Rathmann-Lutz, Anja (Hrsg.)
    ZeitenWelten : Zur Verschränkung von Zeitwahrnehmung und Weltdeutung (750-1350)
    Köln ; Weimar ; Wien (2016) 262 Seiten. : Illustrationen
    ISBN: 978-3-412-50528-8; 3-412-50528-5
  • Czock, Miriam
    Gottes Haus : Untersuchungen zur Kirche als heiligem Raum von der Spätantike bis ins Frühmittelalter
    Berlin [u.a.] (2012) IX, 338 S.
    (Millennium-Studien ; 38)
    ISBN: 978-3-11-029443-9

Frau Dr. Czock nimmt vom 01.10.2018 bis 31.09.2019 ein Fellowship an der Universität Erlangen-Nürnberg wahr und ist während dieser Zeit beurlaubt!

Forschungsschwerpunkte

weltliches und kirchliches Recht des Frühmittelalters
Heiligkeitsvorstellungen im Mittelalter
Vormoderne Raumwahrnehmung

Wissenschaftlicher Werdegang

seit August 2012
Akademische Rätin in der Abteilung für Mittelalterliche Geschichte der Universität Duisburg-Essen

seit Oktober 2011
wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung für Mittelalterliche Geschichte der Universität Duisburg-Essen

September 2010 - Oktober 2011
wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung für Mittelalterliche Geschichte der Eberhard Karls Universität Tübingen (DFG-Projekt „Raum und Politik: Wahrnehmung und Praxis im Frankenreich und in seinen Nachfolgereichen vom 9. bis zum 11. Jahrhundert“)

01.09.2009–31.8.2010
Vertretung einer wissenschaftlichen Mitarbeiterstelle am FMI, Freie Universität Berlin, Arbeitsbereich Prof. Dr. Stefan Esders

2009
Promotion in Mittelalterlicher Geschichte an der Ruhr-Universität Bochum; Thema der Dissertation: Domus dei domus orationis debet esse, non spelunca latronum – Die Kirche als heiliger Raum im Frühmittelalter

2008–2009
wissenschaftliche Mitarbeiterin am historischen Seminar der Heinrich Heine-Universität Düsseldorf

2007–2009
Lehraufträge an der TU Dortmund

2007–2009
Fellow der Research School der Ruhr-Universität Bochum

2005–2007
Stipendiatin des Allgemeinen Promotionskollegs der Ruhr-Universität Bochum (Sprecherin des Promotionskollegs ab Mai 2006)

2004–2008
Lehraufträge an der Ruhr-Universität Bochum

2004–2006
wissenschaftliche Tutorin im Fachbereich Kultur- und Sozialwissenschaften der FernUniversität in Hagen

2003
Magister Artium, Ruhr-Universität Bochum

1999–2000
Studium am Trinity College Dublin

1996–2003
Studium der Fächer Philosophie, Geschichte, Germanistik und Anglistik an der Ruhr-Universität Bochum

DFG-Projekt

ZeitenWelten.

Zur Verschränkung von Weltdeutung und Zeitwahrnehmung im frühen und hohen Mittelalter

(DFG-Netzwerk, Laufzeit: 2012-2015)

Zeit und Raum sind Grundbedingungen unserer Existenz; nicht zuletzt deshalb sind ihre unterschiedlichen Wahrnehmungsweisen Gegenstand wissenschaftlichen wie auch gesellschaftlichen Interesses. Raum und Zeit haben als Thema unter dem Eindruck massiver Veränderungen unserer Lebensumstände an Aktualität gewonnen. Beide entziehen sich einer logisch-objektiven Messbarkeit und haben trotz aller Bemühungen, sie in objektiven Systemen zu erfassen, eine bedeutende subjektive, aus sozialen Zusammenhängen heraus entstehende Dimension.

Mit einer Reihe wichtiger Arbeiten zur historischen Wahrnehmung von Raum hat sich die Mediävistik in die aktuelle Debatte eingeschaltet. Die Kategorie der Zeit jedoch blieb bislang weitgehend unberücksichtigt. Dabei könnte gerade die Mediävistik zum Ideengeber werden, da das Mittelalter seine Zeitkonzepte nicht nur aus der - kausalen - Sequenzierung von Zeit schöpfte. Mittelalterliche Zeitmodelle sind durch ein Wechselspiel von zyklischer, linearer und geschichteter Zeit geprägt und wurden anhand der Bibel oder an ihr erprobter Deutungsmuster definiert, womit sich mit heutigen Phänomenen vergleichbare, der linearen Sequenzierung von Zeit enthobene Strukturen ergeben. Obwohl die mittelalterlichen Bedingungen der Zeitwahrnehmung also ein aktuelles Forschungsfeld sein sollten, sind sie kein gängiges Anliegen mediävistischer Forschung. Eben diese Forschungslücke möchte das Projekt füllen, indem es Prozesse beleuchtet, die zur Konstruktion und Konstitution zeitlicher Zusammenhänge beitrugen.

Leitung

Dr. Miriam Czock, Universität Duisburg-Essen (D)
Die Auslegung der gewissen Zukunft im frühen Mittelalter – Zeitverständnis vor dem Hintergrund der Apokalypse

Dr. Anja Rathmann-Lutz, Universität Basel (CH)
Monastische Zeit – Höfische Zeit oder: Wie lang ist der Weg von St.-Denis nach Paris und Reims?

Die Mitglieder des Netzwerks und ihre Projekte

Dr. phil. Dr. theol. Jörg Bölling, Universität Göttingen (D)
Zeremonie und Zeit. Zur Petrus-Verehrung in sächsischen Kathedralen der Salierzeit

Dr. Eva-Maria Butz, TU Dortmund (D)
Zeit- und Raumkonzepte in der liturgischen Memoria

Dr. Patrizia Carmassi, HAB Wolfenbüttel (D)
Die liturgischen Quellen Halberstadts und die Herausbildung einer kirchlichen Identität im Mittelalter

Dr. Richard Corradini, Universität Wien (A)
Das Zeitbuch des Walafrid Strabo. Langzeitperspektiven und Nachhaltigkeitskonzepte

Dr. Uta Kleine, FernUniversität Hagen (D)
Zukunft zwischen Diesseits und Jenseits. Zeitschichtungen und ihre Visualisierung in mittelalterlicher Visionsliteratur

Delia Kottmann, M.A., Universität Dresden (D)
Romanische Bildprogramme in Kirchenräumen als Ausdruck politischer Stellungnahme innerhalb der Gregorianischen Reform

Prof. Dr. Barbara Schlieben, HU Berlin (D)
Herrscheradvent und Kirchenfest. Verschränkung von Raum und Zeit im Itinerar

Dr. Hanna Vorholt, Warburg Institute, London (GB)
Strukturen der Heilsgeschichte: Typologie in der mittelalterlichen Kunst

Petra Waffner, M.A., FernUniversität Hagen (D)
Konstruierung von Zeit im altfranzösischen Livre de Sidrac als Mittel der Legitimation eines prophetischen Textes

Forschungsprojekt

Konstruktion von Zeitlichkeiten im 11. und 12. Jahrhundert

Das 11. und das 12. Jahrhundert galten in der Forschung lange als formative Phase, in der viele moderne Phänomene ihre Wurzeln haben. Dieses Paradigma ist auch für die Erforschung von Zeitvorstellungen im 11. und 12. Jahrhundert angewendet worden. Auf diese Weise wurde die Periode bisher in eine Meistererzählung von der Moderne eingerückt und in ein Narrativ eingeschrieben, indem Zeit als eine Sequenz von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verstanden wurde, die sich als ‚Geschichte’ konstituiert. Untersucht wurden daher die Zeitvorstellungen des 11. und 12. Jahrhunderts bisher im Rahmen von Geschichtsvorstellungen, Fortschrittsgedanken und der Ablösung von zyklischen Zeitvorstellungen. Fast immer im Zusammenhang mit der Annahme, dass das 11. und 12. Jahrhundert wichtige Aspekte der Moderne bereits enthalten hätten, die sich allerdings Jahrhunderte später erst richtig entfalteten. Die Forschung geht dabei davon aus, dass sich im 11. und 12. Jahrhundert eine Vorstellung von der Linearität von Zeit langsam Bahn brach, die jedoch immer noch durch die Heilsgeschichte gerahmt gewesen sei.

Die lineare Zeitordnung der Moderne, in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft als aufeinander folgend verstanden werden, in der der Fortschritt zum Rahmen der Geschichte wird und die Zukunft sich als nie geahnter Möglichkeitshorizont eröffnet, scheint – glaubt man heutigen Diagnosen – allerdings von der Postmoderne überholt. In den letzten Jahren entstanden kulturwissenschaftliche Beiträge und Arbeiten von Neuzeithistorikern, die sich mit dem Phänomen der aus „den Fugen geratenen Zeit“ (A. Assmann) beschäftigen. In ihnen wird das Verhältnis von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft nicht mehr als aufeinander folgend beschrieben, vielmehr wird konstatiert, dass das lineare Verhältnis der verschiedenen Zeitdimensionen in unserer postmodernen Welt nur als nachhaltig gestört wahrzunehmen ist.

Damit ist der Weg zu einer Neuinterpretation der Vorstellung von Zeit im 11. und 12. Jahrhundert eröffnet, welche das erkenntnistheoretische Potential, das sich aus den Diagnosen zu unserer Gegenwart und den damit zusammenhängenden Zeitmodellen ergibt, nutzen kann. Der epistemologische Nutzen der heutigen Zeitdiagnosen besteht weniger in einer einfachen Übertragbarkeit auf mittelalterliche Vorstellungen von Zeit, als aus dem Gedanken, dass sich Zeit in als transformativ verstandenen Perioden neu gedacht wird, sozio-kulturell eben nicht nur linear oder zyklisch ausgeformt wird und Fortschrittsdenken – wenn es nicht ganz aufgegeben wird – unterschiedliche Formen annehmen kann.

Anknüpfend an solche aktuellen Zeitdiagnosen stellt die Pluralität der Zeitvorstellungen den Ausgangspunkt der Überlegungen des Projekts dar, welches die komplexen Logiken von Zeitentwürfen des 11. und 12. Jahrhunderts aufdecken wird. So sollen liturgische, exegetische, geschichtstheologische und normative Quellen der Zeit nicht nur die eschatologische Komponente der Heilsgeschichte und damit auf die Linearität von Zeitentwürfen hin befragt werden, nachverfolgt werden soll vielmehr, welche zeitliche Signaturen der Gegenwart im 11. und 12. Jahrhundert gegeben wurden und inwiefern Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in einer sich transformierenden Gesellschaft in der Offenbarungswissen eine Rolle spielt, aufeinander bezogen verstanden wurde.