Abteilung für Alte Geschichte

Alte Geschichte

Die Alte Geschichte hat als Forschungsgegenstand die historische Entwicklung der antiken Griechen und Römer. Ihr Betrachtungszeitraum reicht von den Anfängen der griechischen Kultur in der mykenischen Zivilisation (14. bis 12. Jh. v. Chr.) bis zum Zusammenbruch der römischen Herrschaft in Westeuropa am Ende des 5. Jh. n. Chr. und zu einem Höhepunkt byzantinischer Herrschaft unter Kaiser Justinian im 6. Jh.

Da Griechen und Römer mit den verschiedenen Völkerschaften Anatoliens, den Skythen, Babyloniern, Persern, Phöniziern, Arabern, Ägyptern, Karthagern, Berbern, Kelten, Germanen, Dakern und weiteren anderen Völkern intensiven Kontakt hatten, erstreckt sich der Raum der Alten Geschichte - weit über das im Zentrum stehende Mittelmeergebiet hinaus - von Schottland bis an den Nordrand der Sahara und von Portugal bis ins Zweistromland.

Die klassische Antike erscheint uns oft wie „das nächste Fremde“ (Uvo Hölscher): Denn die antiken Gesellschaften heben sich nicht zuletzt durch ihre steilen Hierarchien (mit Sklaven und zahlreichen freien Nicht-Bürgern), die Allgegenwart des Krieges und die stark agrarisch geprägte Lebensgrundlage erheblich von der Moderne ab. Und doch regen uns die modernen politischen, kulturellen und religiösen Institutionen, die ihre Wurzeln unverkennbar bei den Griechen und den Römern haben, dazu an, Grundfragen von Verfassung, Recht, Philosophie und Naturwissenschaften gerade vor diesem antiken Hintergrund zu erörtern und damit gleichsam eine Außensicht auf unseren eigenen Verhältnisse zu gewinnen.

Gerade weil weit weniger Quellen aus der klassischen Antike erhalten sind als aus dem Mittelalter oder der Neuzeit, macht das Fach Alte Geschichte aus der Not der quantitativen Quellenarmut die Tugend der permanenten Übung in sorgfältiger, methodologisch kontrollierter Interpretation hoch be­­deutsamer und komplexer Texte und legt so Grundlagen für die gesamte historische Disziplin.

Die Forschungsschwerpunkte am Essener Lehrstuhl für Alte Geschichte liegen auf den Verfassungen und der politischen Kultur des klassischen Griechenland, der römischen Republik sowie der frühen Kaiserzeit und zudem auf der klassischen Geschichtsschreibung.